Machorka
Ich gehe ja ganz gern mal in die Oper oder auch in ein klassisches Orchesterkonzert und denke da des Öfteren, dass schon das Einspielen und -stimmen der einzelnen Instrumente eine eigene Kunstform darstellt. Nun habe ich nicht nochmal extra recherchiert, bin aber sicher, dass das auch schon (wahrscheinlich deutlich mehr als einmal) von Berufeneren als mir so empfunden, gedacht und schließlich in Musik umgesetzt wurde. Die ersten Passagen dieses hervorragenden Albums jedenfalls lassen mich an genau jene Minuten vor dem Programmbeginn denken, wenn die Streicher das "a" suchen, die Bläser ihre Tonleitern deklinieren und es überhaupt alles ein einziges, (vermeintlich!) chaotisches Brummen, Summen und Tönen ist. Hier allerdings stammt das Basismaterial komplett aus der Trompete von James Hill. Hans Castrup hat in seinem Studio diese Schnipsel "re-edited, layered, stretched and tuned", so dass daraus ein sehr dichter und doch zugleich auch sehr luzider TonTeppich wurde. Beinahe durchsichtig an der einen Stelle und enorm verfilzt an einer anderen, mit Flecken von "tapes and field recordings" und Flicken aus Klängen von "pianos, keyboards, xylophone", zu zwei Stücken hat EMERGE ViolinLinien beigesteuert. Und auch wenn das post-babylonische (mithin also nach der großen SprachVerwirrung anzusiedelnde) spielerische (Vor)Zeigen (ihr habt selbst schon längst bemerkt, welche Assoziationsketten allein der Plattentitel zu triggern vermag), auch wenn dieses "POSTbabylonian disPLAYing" also in vier Teilen beschrieben wird, hören wir hier (natürlich?) fünf Stücke – einen davon im oder aus dem "FLUXurious ZEN-Tower". Fluxus und Zen – nicht nur für John Cage kein Widerspruch, sondern eine zu ergründende Einheit; eine ForschungsReise, die auf verschiedenen Wegen zum Ziel gelangen kann. Im bandcamp-Begleittext beschreibt man das ExpeditionsErgebnis als "industrial jazz orchestral sound" und diese Einordnung gefällt mir ganz gut. Da trifft Ambient auf Noise, Industrial auf Jazz und Neue Musik auf StudioTechnik – nichts fühlt sich fremd an, die Gegensätze gleichen sich aber auch nicht aus, sondern befeuern einander. Deshalb empfiehlt es sich auch, Machorkas Empfehlung "PLAY LOUD!" streng Folge zu leisten, denn gerade in einer überwältigen Lautstärke lassen sich hier neue Feinheiten entdecken, andere Zusammenhänge vermuten und unbewusste Strukturen erkennen, so dass sich schließlich – mit etwas Glück – neue OhrenTüren öffnen! 5Weitere Infos: www.mahorka.bandcamp.com/album/the-postbabylonian-displaying-part-i-v
Fear No Jazz
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