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OCIE ELLIOTT & AUSTIN BASHAM (14.05.2024 Gloria Köln)

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Eigentlich hätte der Labelkollege Jon „Old Sea Bridage“ Cramer den Support auf der zweiten Headliner-Tour des kanadischen Songwriter-Paares Ocie Elliott spielen sollen – doch der Amerikaner habe „Visa Issues“ (wie Jon Middleton später erklärte) und deswegen nicht nach Europa gelangen können. Dafür sprang dann kurzfristig der texanische Kollege Austin Basham ein, der am Tag vor der Kölner Show eigens aus Austin angereist war. Ocie Elliott haben sich ja bekanntlich das Sub-Genre „Whisper Folk“ als Medium ihrer Wahl ausgesucht – und ein wenig tendiert auch Basham in diese Richtung – jedenfalls bei seinem Support-Slot im Kölner Gloria. Der zur Zeit independent agierende Musikus hatte eine Handvoll eigener Songs im Angebot – kam jedoch erst über eine Coverversion von Townes Van Zandt's „If I Needed You“ so richtig in den Flow hinein. Da Austin zur Zeit kein Label hat, sieht es mit aktuellem Material eher mau aus: Seine neuesten Tracks haben auch schon wieder zwei Jahre auf dem Buckel und insofern war es dann vielleicht auch erklärlich, dass der Vortrag an der einen oder anderen Stelle hakte. Freilich macht das in Bezug auf die Qualität des Songmaterials keinen großen Unterschied, denn Basham überzeugt eher durch subtile Details sowohl inhaltlicher wie musikalischer Natur und die Struktur seines Materials betreffend – und nicht durch große Gesten und Virtuosität. In der Beziehung ist er Ocie Elliott schon recht ähnlich. Jon Middleton und Sierra Lundy haben nämlich so dermaßen wenig Rockstar-Ambitionen, dass es ihnen fast schon unangenehm zu sein scheint, mit ihrem Whisper-Folk-Projekt Ocie Elliott so viel Erfolg zu haben, dass sie nun bereits ihre zweite Headliner-Tour vor ausverkauften Venues feiern konnten. Jedenfalls hatte das sympathisch schüchtern agierende Paar auch bei der Show im Kölner Gloria so gar nichts mit Entertainment- oder Show-Effekten am Hut, sondern machte eigentlich gar nichts anderes, als die Songs ihrer EP-Kleinkunstwerke (die sie mittlerweile paarweise auf Vinyl-Scheiben zusammenfassen) vorzutragen und dazu die Geschichten hinter genau zwei dieser Stücke – nämlich „Run To You“ und „Tracks“ - zu erzählen. Und das tun sie nach wie vor in einem sehr reduzierten Setting mit Jon's Akustik-Gitarre, Sierra's Mikro-Mellotron und zwei Mundharmonikas. Zwar stand auf der Bühne dann auch noch ein Keyboard, an das sich Sierra für zwei Songs setzte – aber nötig wäre das nicht gewesen, denn es ist schon erstaunlich, welche Sounds sie ansonsten aus ihrem Mellotron herauskitzelt (obwohl ihr da gerade mal eine Oktave zur Verfügung steht). Die Sache mit der Zurückhaltung in Sachen Pop- oder Rockstar-Appeal hat einen ganz einfachen Hintergrund – denn Jon und Sierra machen ihre Musik nicht deswegen, um damit reich und berühmt zu werden, sondern weil sie sich einfach gerne singen hören. Genauer gesagt geht es dem Paar von Vancouver Island darum, mit ihrer Musik jenes Gefühl zu evozieren, das sich eingestellt hatte, als sie zum ersten Mal gemeinsam musizierten – und dabei feststellten, dass sie (nicht nur in musikalischer Hinsicht) einfach für einander gemacht sind. Das erklärt die unglaublich intensive, aber eben keineswegs aufdringliche und sogar intime Qualität des gemeinsamen Vortrages, die jegliche Glaubwürdigkeitsfragen als irrelevant erscheinen lassen. Das machte sich im Gloria daran fest, dass es etwa beim Vortrag Austin Bashams zwar relativ lautes Geplapper aus dem Auditorium zu vernehmen gab, während man bei der Show von Ocie Elliott die sprichwörtliche Stecknadel hätte fallen hören können – sogar in den ebenfalls sprichwörtlichen Heuhafen. Im wesentlichen sind alle Tracks, die Ocie Elliott bislang eingespielt haben auf die eine oder andere Weise Liebeslieder. Nicht in dem Sinne, dass es dabei ausschließlich um Love-Dovey-Sentimentalitäten geht, sondern die verschiedenen Aspekte des Themas (auch die düsteren und internalisierten) in kleinen, nachvollziehbaren Geschichten – oft mit Naturbezug und allegorisch - umschrieben und beleuchtet werden. Dazu gehören aus Songs wie „Forest Floor“ oder „Like A River“, die Sierra für ihren inzwischen an Krebs verstorbenen Vater geschrieben hat. Dass dabei nahezu alle Songs ähnlichen Harmoniefolgen, Strukturen, Arrangements und Melodielinien folgen, spielt dabei keine Rolle, denn der Faszination des Vortrages von Jon und Sierra kann sich nun wirklich niemand entziehen. Es wäre sogar eher seltsam und irritierend, wenn das Paar seinen Stil irgendwie variieren oder ändern würde. Das gilt natürlich auch für die enorm erfolgreiche aktuelle EP „Know The Night“, die den eingeschlagenen Weg konsequent fortführt und von der einige Tracks im Mittelteil der Show gegeben wurden. Die Sache ist dabei die: Eigentlich sind und klingen alle Ocie Elliott Shows ziemlich ähnlich – sogar dahingehend, dass sie immer dieselben Geschichten zwischen den Songs erzählen - und dennoch es gibt niemanden, den das irgendwie stören könnte. Bekannt geworden sind Ocie Elliott durch eine Reihe von Coverversionen, die sie auf der Rückband ihres Honda CVR aufgenommen haben. Das spielt aber heutzutage keine Rolle mehr, denn die Fans kommen eindeutig, um Sierra und Jon zu hören – und nicht bestimmte Songs. Als Jon dann das Publikum zur Zugabe vor die Wahl stellte, Coverversionen oder Originals zu hören, war die Reaktion eindeutig, so dass die Show dann mit „Down By The Water“ von der allerersten EP von 2017 zu Ende ging.


Weitere Infos: https://www.ocieelliott.com/


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