
(God Records)
Nach einigen Jahren Pause erschien im letzten Herbst das hervorragende Album "sheets of fibrous material" (s.a. WZ 11/25) und erstaunlich schnell legen Rant nach. "Apolonien" wird von GOD aus Österreich veröffentlicht, einem Label, bei dem auf ein Laibach-Werk eine LP mit seltenen Aufnahmen von Morton Feldman folgt, bei dem Gerhard Rühm neben den Flying Luttenbachers steht und die wiederum direkt neben Erik Satie und Mick Harris. GOD-Chef (dass es sowas gibt!) Slobodan Kajkut hat einfach ein unbefangen-offenes Ohr und ist in der Auswahl seiner Veröffentlichungen ebenso geschmackssicher wie aufgeschlossen. "Apolonien" ist physisch eine LP, auf jeder Seite ist ein gut 15 Minuten langes Stück zu hören: "saumselig" / "seligsaum". Bei "saumselig" entlockt Torsten Papenheim seiner gänzlich unverzerrt angeschlagenen E-Gitarre sehr vorsichtig und im besten Sinne behäbig ein langsames Arpeggio, dazu kitzeln Merle Bennetts Finger das (Trommel)Fell ihrer StandTom – schon die ersten Sekunden geben das (Klang)Material vor. Auch wenn Merle später mal klassische Drumsticks verwendet, auch wenn sie das Becken sacht zischen lässt und zuweilen einen zarten Grundschlag aus der BassDrum lockt, auch wenn die Tonfolge der Gitarre leichte Wechsel durchläuft – das Material wird lediglich modifiziert. Denn das Weiche dieser Konstellation, das Geduldige, Aufbauende und (Nach)Horchende, auch Forschende und (Ver)Suchende dieses Stücks bleibt durchweg erhalten. Der Duden definiert "Saumselig" so: "bei der Ausführung von etwas recht langsam, sich Zeit lassend", hat also eine zweite Bedeutung des wunderschönen, sonst ja zumeist in der Bedeutung "in Verzug befindlich" oder schlicht "zu langsam" verwendeten, Worts erkannt. "sich Zeit lassend" tasten Rant hier durch die wenigen Töne und Klänge, die sie brauchen, um eine Atmosphäre tiefer Schönheit und abstrakter Gelassenheit zu schaffen – hier sind sie dem oben erwähnten Morton Feldman seelenverwandt. Ähnlich funktioniert "seligsaum", nur ist bei diesem Stück für "paper and cardboard objects" das Ausgangsmaterial ein ganz anderes. Hier entführen uns Rant in eine (nochmal) andere Welt, in der aus dem Schaben über Pappe ein kleines Universum wird, aus dem Knistern von Papier ein filigraner MikroKosmos - vielleicht waren Z’ev und Zoviet France schon mal in diesem Terrain unterwegs oder wir begegnen Sven-Åke Johansson. Ein leises, aber sehr wirkungsmächtiges Stück freier TonKunst, das ich am liebsten im dunklen Zimmer unter Kopfhörern genieße - wohingegen man zu und bei "saumselig" sicher auch interessante Gespräche führen kann. 5Weitere Infos: www.rantmusik.de
Fear No Jazz
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