(Der gesunde Menschenversand)
Aufmerksamen WESTZEIT-Lesern sollten diese Schweizer nicht unbekannt sein, schließlich feierten wir deren "50 Hertz"-Projekt hier mal sehr (zugegeben, das war in WZ 02/20, aber ihr habt doch alle ein gutes Gedächtnis!). Mit ihrer sehr edlen LP "Ennetlands" setzen sie das im Grunde unnötige Rätselraten "Ist das nun ein Buch mit Musik oder Musik mit Buch?" fort. Wir lassen das weiter offen und genießen lieber die sieben HörStücke zwischen EdelPop, AvantAmbient und zurückgenommenem ElektroJazz, zu der Ariane von Graffenried so sonderbare Dinge wie ihre Begegnung mit einem Vorgeschichtler schildert. Das von Klängen, die an Luren-Stöße erinnern, eröffnete "Die Bronzehand von Prêles" ist durchaus typisch für "Ennetlands": Als ordentliche Angehörige der "Police cantonale" hat die sprech-singende Erzählerin in ihrem "alten Mercedes" die Halbautomatische griffbereit und tritt dem eigenartigen Anhalter beherzt gegenüber. "Er roch nach altem Laub." Die Sprache ist nicht nur surrealistisch schön, sondern auch von großer SchöpfungsKraft: "Wir glitten unaufhaltsam hinab. / Weit weg war die Welt / und die Zeit stillgestellt / in unserer Dieselzelle." Weil es alles andere als einfach ist, sich hier gleichermaßen auf Musik und Text zu konzentrieren, sollte, ja muss man die Stücke immer und immer wieder hören. So offenbaren sich die Feinheiten der geschickten musikalischen Untermalung aus Piano, Gitarre (Simon Rupp!), Harfe, Vibraphonette, Bass und (gelegentlichem) Schlagzeug sowie obskur-sanften "Sounds" (u.a. der von einer "Kerze, deren Wachs verbrennt und sich in Luft auflöst") und hinter Robert Aeberhards grandiosen Kompositionen lassen sich immer aufs Neue WortWindungen entwirren. Neben einigen "gesungenen" Passagen, manche gar im Duett ("Letztes Gletscherlied" mit der großartigen Textzeile "In jeder Flocke hockte Gott."), regiert hier aber der mit Schweizer Zungenschlag in einem sehr passenden schwizerdütsch-hochdeutsch-englisch-französischen Sprachmix dunkel hingeraunte SprechGesang. In ganz anderer, auf gewisse Weise dann aber doch wieder sehr ähnlicher Form kennt man derartige HörKunst vielleicht von Laurie Anderson: absurd-reale Geschichten zu angenehm anstrengender Musik. 6Weitere Infos: www.menschenversand.ch/produkt/ennetlands-fitzgerald-rimini
Fear No Jazz
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