(WimMertensMusic / Usura Music)
Es werden wohl deutlich über 60 Alben sein, die der flämische Komponist seit 1982 veröffentlicht hat (zuerst noch als "Soft Verdict") – und die meisten davon stehen in meinem Plattenschrank. Dennoch freue ich mich jedes Mal, wenn mich aus Brüssel die Nachricht erreicht, dass ein neues Werk im Entstehen ist. So auch bei diesem - es ist eines für die "klassische" Wim Mertens Ensemble-Besetzung (also keines aus der Solo-Piano (& Voice)-Reihe und auch keines für ganz großes Orchester). Die (Besetzung) besteht hier aus Blech- und Holzbläsern, Streichquartett und Harfe, Gitarre und Perkussion; dazu der Meister selbst am Klavier. Die instrumentale Färbung ist bei Mertens stets unverwechselbar: wer einmal ein Ohr entwickelt hat für seine Art und Weise, den einzelnen Stimmen ein ganz eigenes Timbre zu verleihen, wird eine Mertens-Komposition wohl stets erkennen. Und so begeistern auch hier wieder die über den schwelgerischen Melodien liegenden kurzen Akkord-Stöße, die Mertens auch im nun doch fortgeschrittenen Alter (der Mann ist Mitte 70) noch immer mit ungebremster Kreativität aus dem Ärmel schüttelt (bzw. sich in harter kompositorischer Arbeit abringt). Wieder kann man sich von Feinheiten wie dem bei "Une fois chaque fois" kongenial ausfasernden Ende überraschen lassen. Wieder erfreut man sich an eher sperrigen Nummern wie dem perkussionsbetonten "Effet-Tunnel", bei dem die melodieführende Geige einen zarten Gegenpart bildet. Wieder rätselt man über die seltsamen Stückbezeichnungen: "Archivcharakter" z.B. (eine von einem wundervollen Mertens-Piano geprägte Komposition). Eben diese KlavierArbeit nimmt beim daran anschließenden "Amorce" einen herrlichen Dialog mit dem Fagott auf, welcher in der zweiten Hälfte dieses tollen Stücks in einem formidablen und einfach nur bezaubernden Bläsersatz aufgeht. "Mutual Overwriting" ist dann der obligatorische Ohrwurm, bei dem das Ensemble tutti eine feine MelodieLinie souverän variiert. Und doch ist es immer wieder das in aller Schönheit doch leicht gegen den Strich Gebürstete, der zarte Widerhaken in der süßen Melodie, die vertrackte Überraschung im Arrangement und die regelmäßig ungewöhnliche Instrumentalbehandlung, die Mertens’ Musik von der typischen dünnen NeoklassikSuppe unterscheiden. 5Weitere Infos: www.wimmertens.com/recordings/as-water-is-to-fish
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