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THE KLEZMATICS

We Were Made For These Times

THE KLEZMATICS

(Asphalt Tango Records / Indigo)

Auch wenn die (recht zahlreichen) Besucher des Konzerts, das die Klezmatics zum Auftakt ihrer "40th Anniversary World Tour" am 13.03.26 im Kesselhaus der Berliner Kulturbrauerei spielten, es als weltweit erste am dortigen Merch-Stand erwerben konnten (übrigens direkt aus den Händen von Asphalt Tango-Chef Henry Ernst) - "offiziell" erscheint das neue Album der New Yorker "New Klezmer"-Institution bezeichnenderweise am 1. Mai, also dem Tag, der mal "Kampf- und Feiertag der Arbeiterklasse" war und dies angesichts der aktuellen Umstände unbedingt wieder werden sollte. Das meinen auch Lorin Sklamberg und die seinen, denn gleich das erste Stück heißt "Un du akerst" und beschäftigt sich mit dem - mal ganz platt formuliert – Jahrhunderte alten Umstand, dass der Arbeiter recht wenig von den Früchten seines Tuns ernten darf. Die Musik hat Klezmatics-Trompeter Frank London auf ein vom russischen Sozialrevolutionär Chaim Schitlowsky (1865-1943) nach Georg Herweghs "Bundeslied für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein" verfasstes Gedicht geschrieben. Und die ist mindestens so packend und anregend wie der Text, auf den wir etwas näher eingehen müssen: "Un du akerst un du zeyst, / Un du fiterst, un du neyst, / Un du hamerst un du shpinst, - / Zog, mayn folk, vos du gevinst?". Das hat Schitlowsky aus Herweghs Worten gemacht, die ja so lauten "Und du ackerst und du säst, / Und du nietest und du nähst, / Und du hämmerst und du spinnst - / Sag', o Volk, was du gewinnst!" Bemerkenswert an dieser Stelle ist meiner Meinung nach das zweifelnde Fragezeichen im Jiddischen gegenüber dem fordernden Ruf Herweghs. Aber wir schweifen ab… Dennoch sei noch die schöne Übertragung der berühmten Zeilen "Mann der Arbeit, aufgewacht! / Und erkenne deine Macht! / Alle Räder stehen still, / Wenn dein starker Arm es will." zu "Arbetorer, eyfgevakht! / Und erken dayn greyse makht! / Ale reder shteyen shtil, / Eyb dayn shtarker orem vil!" erwähnt. Dazu spielen die Klezmatics einen sehr flotten, stellenweise von recht heftigen Riffs, vor allem aber von der wilden Perkussion der vier Kolumbianerinnen von La Manga und dem impulsiven Gesang des Lavender Light Gospel Choir ("We deserve a living wage / Let the bosses feel our rage") geprägten KlezmerStomp. Ja, die Band hat sich für ihr neues Werk jede Menge Gäste eingeladen: Beim von einem Hauch Mariachi durchwehten "Plane Wreck at Los Gatos (Deportee)" singt z.B. die Argentinierin Sofía Rei mit Sklamberg ein feines Duett. Inhaltlich wird jedoch auch hier wieder schwere Kost verhandelt, geht es doch in diesem übrigens von Woody Guthrie getexteten Stück (die jiddische Übersetzung stammt von Daniel Kahn) um jenen Flugzeugabsturz, bei dem 1948 alle der 32 Passagiere einer US-amerikanischen DC 3 umkamen. Die meisten davon waren mexikanische Farmarbeiter, die wegen ihres ungeklärten Aufenthaltsstatus’ ausgewiesen worden waren – fast 80 Jahre vor den ICE-Exzessen. Beim Titelsong und beim im Original von Holly Near stammenden "I Am Willing" bilden Joshua "the prince of kosher gospel" Nelson und der Lavender Light Gospel Choir in klassischer Gospel-Manier die stimmgewaltige Begleitung. Die kräftigen, dunklen Stimmen sind dabei ein schöner Kontrast zu Sklambergs hohem, noch immer sehr klarem (und nach wie vor unverwechselbarem) Gesang. Ob charmanter KlezmerSwing ("Ikh ken nit zogn vitsn") samt jubelndem Scatting von Janis Siegel (The Manhattan Transfer) oder die sich aus einem schleppenden wortlosen Klagelied in eine kleine FreeJazzFeier verwandelnde "Elegy for the Innocents" aus der Feder von Frank London (feat. James Brandon Lewis am Tenorsax und William Parker am Kontrabass) – musikalisch bewegen sich die Klezmatics durchweg auf höchstem Niveau und erkunden einmal mehr voller Neugier auch die Welten jenseits des "orthodoxen" Klezmer. Und genau dafür lieben wir sie so. Und für ihre klare Haltung, die sie hier – wir haben es oben recht ausführlich gezeigt – einmal mehr unter Beweis stellen. 6
Weitere Infos: www.klezmatics.com/we-were-made-for-these-times

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