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QUICKSILVER

V.A.

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Zunächst hatte ich überlegt, in diesem Jahr auf den Nekrolog zu verzichten, doch dann fielen mir so viele großartige Leute ein, die im letzten Jahr diese Welt verlassen haben, so dass hier ich zumindest einige besonders schmerzhafte Verluste doch erwähnen möchte:
David Lynch (15.01.) und Marianne Faithful (30.01.) bedürfen keiner Vorstellung.
Der Pianist Herbert Henck (mit großen Verdiensten für die Neue (Klavier)Musik) starb am 17.01.
Benjamin Lew, der große belgische AmbientElektroniker, starb am 18.02.
Die Komponistin Sofia Gubaidulina starb am 13.03.
Der aufrechte LinksLiederMacher Dieter Süverkrüp starb am 16.03.
Auch Ex-Rosenstolz-Chanteuse AnNa R. starb (wahrscheinlich) am 16.03.
Der Dramatiker Lothar Trolle starb am 31.03.
Der magische Realist Mario Vargas Llosa starb am 13.04.
Der bemerkenswerte konkret-serielle Maler und Grafiker Horst Barting starb am 14.04.
Peter Ablinger, Komponist und Meister des "Weißen Rauschens" starb am 17.04.
David "Pere Ubu" Thomas starb am 23.04.
Der äußerst kluge Dramaturg Carl Hegemann starb am 09.05.
Der Akkordeonist Guy Klucevsek starb am 22.05.
Christine Hahn aus der Urbesetzung von Malaria starb am 28.05.
"Nagelmeister" Günther Uecker starb am 10.06.
BeachBoy Brian Wilson starb am 11.06.
Sven-Åke Johansson, einer der freiesten Schlagzeuger, die die Welt gesehen hat, starb am 15.06.
Der humorvolle klassisch-romatische KlavierZauberer Alfred Brendel starb am 17.06.
Leipzigs Reggae- und Dancehall-Legende Leander "Pionear" Topp (der mit Messer Banzani als einer der ersten den Ostlern jamaikanische Grooves beibrachte) starb am gleichen Tag.
Der streitbare Theatermann Claus Peymann starb am 16.07.
Ozzy Osbourne starb am 22.07.
Auch der Amiga Jazz- und Rockproduzent Walter Cikan starb am 22.07.
Robert "Bob" Wilson, der uns grandiose Opern- und Theater-Inszenierungen schenkte (u.a. die Uraufführung von Glass’ "Einstein On The Beach" oder Müllers "Hamletmaschine") starb am 31.07.
Der unvergleichliche Alfred Hilsberg starb am 18.08.
Der (konkrete) Wort- und SprachKünstler Eugen Gommringer starb am 21.08.
Robert Redford starb am 16.09.
Jane Goodall starb am 01.10.
Véronique Vincent, Sängerin bei den Honeymoon Killers und Aksak Maboul und hoch sympathischer Mensch, starb am 05.10.
Die wunderbare Schauspielerin Diane Keaton starb am 11.10.
Dave "Soft Cell" Ball starb am 22.10.
Der Jazz-Trommler Jack DeJohnette starb am 26.10.
Die Fluxus-Königin Alison Knowles starb am 29.10.
Der nicht nur in "Iron Sky" einfach phantastisch böse Udo Kier starb am 23.11.
Jimmy Cliff starb am 24.11.
Der die steinerne Realität genial verdrehende Architekt Frank Gehry starb am 05.12.
Die JazzPerkussionistin Marilyn Mazur starb am 12.12.
Rosa von Praunheim starb am 17.12.
Der SynthieZauberer Günter Schickert starb am 23.12.
Wir aber leben noch und schauen also nach vorn und zugleich zurück. Das geht zum Beispiel mit BARRY ADAMSONs "SCALA!!!" (Mute), einem Soundtrack zu einem Dokumentarfilm über das berühmt-berüchtigte Londoner ClubKino, der zwischen Twang, SynthieBlubbern und kosmischen "Spandau Politics" pendelt. Nur echt mit drei (!) Ausrufezeichen (!!). 4
Auch ein warmer Crooner-Bariton geht immer, etwa der von A.S. FANNING. Die instrumentale Ausgestaltung von "Take Me Back To Nowhere" (K&F Records) ist manchmal zwar arg elektronisch dünn (hier hätte ein ordentliches Budget sicher geholfen), aber bzw. denn z.B. in "Western Medicine" zeigt der Berliner Ire, dass er durchaus auch die Feinheiten der Instrumentierung beherrscht. 4
Der Schweizer Thomas Schmidiger aka. TENDER ENDER schließt sich croonend an, wobei hier das SoundSetting, wenngleich ebenfalls rein elektronisch, deutlich fetter ist. Rückwärtslaufende Bandschleifen bei "Float", interessantes drumming und andere Rafinessen mehr polieren den "Black Swan" (A Tree In A Field) zu oder in höchster Eleganz. 4
In einer weiblichen Variante kann man ähnliches bei LINDSAY ANDERSONs "Forgiving" (Unlabeled) hören. Zwischen IndieFolk ("Transmitted to the Underworld") und E-Gitarren-Gniedelei ("Down Below"), RockBallade ("The Wolf") und EsoAvant-Zeugs ("Recollections"), KlavierLied ("Narcissus") und außerirdischen ElektroBastelein ("Map Room") geht hier beinahe alles. Nur zu gern glaubt man da, dass Anderson sich hier vom Surrealistenpärchen Leonora Carrington/Max Ernst inspirieren ließ. 4
Irgendwie surrealistisch ist auch der SICKER MAN drauf, denn auf seinem neuen Album (dem 15.!) schleicht der sagenhafte "Spökenkieker" (blank) durch einen AvantWald aus Elektronik und Samples, aus DubStep und Cello, aus Wahnsinn und Hellsicht. Warum auch immer ich das schon eher erwartet hatte, aber (erst) bei "Lost in the Plot" schleicht sich ein leiser dub-groove in die feinstofflich generierten und dabei doch (mal mehr, mal weniger entfernt) nach Pop duftenden Konstruktionen des Kranken Mannes. Später dann bestimmen Streicher den Sound, aber keine süßlich wimmernden, sondern dramatische. Darunter faucht die Elektronik leise: "Johatsu Reprise". Das ist experimentelle Musik, die oft gar nicht nach solcher klingt – genießt z.B. die Glas-sägende Gitarre bei "Glass" oder "Ad Finem 2". Bei "Mean Drift" geriert sich das dann beinahe wie ein StreicherEnsemble mit einem dröhnend drohend dronenden BrachialKlang. Sehr gelungen auch das von einem wunderschön verschleppten Bass-drum-Sound geprägte CelloStück "Forrader" – elegisch und langsamer als mein Ruhepuls. 5
Dass man mit Elektronik auch Unsinn anstellen kann, bedarf zwar keines weiteren Beweises, BIANCA STÜCKER & MARK BENECKE liefern aber sicherheitshalber doch mal einen ab. Ihre EP "Abysmal Affairs"(Eygennutz) besteht aus 3 Coverversionen von (im Original) düster-schönen Balladen. Doch ob nun Nick Caves "Henry Lee", die "Sabrina" der Einstürzenden Neubauten oder selbst Hank Williams’ CountryHeuler "I'm so lonesome I could cry" – die Arrangements aus "Dark Folk, Neo-Klassik und Avantgarde" (so das Info) bleiben einfallslos und beliebig. Benecke wäre besser bei seinen LeichenKäfern geblieben und Stücker bei den FolkRockern Violet, denn hier helfen selbst Remixe von Qntal und Solar Fake nix. 2
Da knallen wir uns doch lieber den CollegeRock von CHE ARTHUR in um und in die Ohren. Der lässt auf "Describe This Present Moment" nicht nur Elemente von 90er-Holzfällerhemd-Grunge aufleben, sondern pflegt überhaupt einen heftigen GitarrenSound, wie ihn (nicht nur) amerikanische Studenten lieben. Und ja, dieses Album ist tatsächlich im Alleingang entstanden, der Ex-Atombombpocketknife-Gitarrist ist offenbar ein Multiinstrumentalist. 4
Oder wir versuchen was Französisches. Die große Zeit des Nouvelle Chanson scheint zwar vorbei zu sein, aber SAM SAUVAGE zittert auf "Mesdames, Messieurs!" (Cinq7/Wagram) recht angenehm zwischen Drama und EuroPop. Was zu Beginn etwas arg nach PlastikPop klingt, mutiert spätestens in "Les Gents" zu etwas PostPunk-ähnlichem. Dann kommt vollendeter FrankoPop ("Je Ne T'Aime Plus" oder "J’Sius Pas Bo"), der an manchen Stellen sogar Eurodance-kompatibel ist. "Ne T'En Fais Pas Pour Elle" ist ein Nouveaux Chanson auf Speed – wobei: PianoBalladen kann er auch, der wilde Sam. "Il Pleut Des Femmes" und "Roi Du Silence" (hier kommt er – ob nun gewollt oder nicht – an seine stimmlichen Grenzen) stellen das nachdrücklich unter Beweis. Diese Platte hat was - versucht z.B. mal das (oder den) etwas hysterische(n) "Un Cri Dans Le Metro". 4
Und wenn gar nichts mehr geht, rettet uns der Retro(Neo)Soul der ANGELS OF LIBRA vorm Absturz in schlechte Laune. Der Hamburger Achter folgt der "Road to Mandalay" (Waterfall) und dieser Weg ist gepflastert mit eleganten BläserSätzen, satten Grooves, feinstem Gesang und soliden GitarrenLicks. Dazu kommen raffinierte Arrangements, ein saubere Breitwand-Produktion und natürlich jede Menge Gefühl für Soul und Funk! "Put Your Love On Me / Dance To The Music"! 5
Nun wird’s aber langsam Zeit für Experimente: SALEWSKI PARLAMENTI entstammen der bajuwarischen UntergrundSuppe, die Mitgliederliste ist dementsprechend ein kleines Who-is-who: Namensgeber Salewski hat u.a. bei den Merricks und Dakar & Grinser getrommelt, Sängerin Anna McCarthy ist eigentlich Bildende Künstlerin, (war?) aber auch bei der phänomenalen Damenkapelle aktiv. Federico Sánchez (aka. Pico Be oder auch Autoboy) ist ein weiterer Sänger, ihn kennt man von Kamerakino und Das Weiße Pferd. Anton Kaun kommt aus der Notwist, Tied and Tickled Trio, Slut-Ecke und ist hier für Noise zuständig. Zoro Babel (perc/synth) ist nicht nur der Sohn von Limpe und Paul Fuchs und Assistent von Josef Anton Riedl (gewesen), sondern auch Mitglied im Ensemble für synkretische Musik und Albert Pöschl (b) kennt jeder als Echokammer-Chef und Musiker bei uva. Das Weiße Pferd, Dis*ka, Lunsentrio, Queen Of Japan und Suzie Trio. Einzig Manuela Rzytki (voc/synth) und Sachiko Hara (synth) sind da noch(?) vergleichsweise unbekannt. Dafür hat Hans-Joachim "Faust" Irmler bei "Kanister" einen Gastauftritt. Musikalisch ist das viel weiter aufgespannt, als man zunächst denken mag: da treffen Kraut-Exzesse auf AvantPoesie, folkloristische weirdness auf elektronische Störungen, organisierter Lärm auf meditatives InstrumentalKönnen. Das meiste scheint mir in Text wie Musik recht frei improvisiert – aber immer auf einer soliden Grundlage und niemals nur um des Daddelns willen. Weil es in UK "so much roadkill" gibt, verkündet Anna McCarthy eine pragmatische Lösung "My mum’s got a Roadkill-cookbook" (vor mehr als 30 Jahren hat mein erster Chef seinem Sohn tatsächlich mal ein US-amerikanisches Bestimmungsbuch mit dem schönen Titel "Flattened Fauna" geschenkt – es gibt in/auf dieser Welt ALLES!). (Nach)Hören kann man dieses wundervolle Durcheinander auf "Salewski Parlamenti"(Echokammer/Rhein Schallplatten). 5
Weniger körperlich, dennoch aber sehr bilderreich geht es auf den beiden nur als DL verfügbaren (je) 20-Minuten-tracks von "Culatra" (Room40) zu. Der Name bezieht sich auf jene Fischerinsel vor der Algarve-Küste, auf der LUIS FERNANDES + PIERCE WARNECKE mit hochempfindlichen Mikro- und Hydrophonen ortsspezifische KlangStimmungen einfingen und anschließend mit ein klein wenig Oszillator-Drone zu feinster RauschGrummelKnisterKunst verschränkten. 5
Auch wenn die SoundÄsthetik ähnlich ist, zapfen M. B. & P.U.M.A. auf "Moho Abyss" (attenuation circuit) andere Quellen an. Inspiriert von (zumeist eher düsteren) SciFi-Klassikern (darunter"Clockwork Orange", "Eraserhead" und mein all-time-fave "Stalker") zaubern der Industrial-Altmeister und das italienische ElektronikerInnenPaar aus "synths, effects and fields recordings" wahrhafte Bedrohlichkeit und entrückte Schönheit gleichermaßen. Gelegentliche außerweltliche Gesangsspuren von Monica Calanni Rindina (die eine P.U.M.A.-Hälfte ist) geben dann den nötigen Schuss geisterhaften Horror hinzu. 5
Das von DAVID SHEA für seine CD "Meditations" (Room 40) verwendete Instrumentarium weist – wie natürlich auch der Plattentitel – den KlangWeg: u.a. kommen Sheng und Vibraphone, Klangschalen und E-Bows, ein elektromagnetisches und ein "normales" Klavier, E- und Akustik-Gitarren und natürlich jede Menge Elektronik zum Einsatz. Shea versucht sich dabei dem buddhistischen "Herz-Sutra" zu nähern; dessen ins Englische transformierten Text liest der Meister denn in einem track auch vor. Man kann zu dieser Musik sicher bestens meditieren, man kann diese AmbientKunst aber auch ganz "profan" genießen. 4
Zurück in die Realität geht's dann ganz gut mit den FriesenPunks von IT DOCKUMER LOKAELTSJE. "Loop of Sloop" (Makkum) heißt deren neues Werk und hier schleppen sich schwere drums über nicht minder heftige Gitarren. Dazu skandiert der Sänger (keine Ahnung, ob das Fritz, Sytse oder Peter ist) friesische Parolen. Allerdings darf man IDL nicht mit FolklorePunks verwechseln, hier gelten – und da hat das Info völlig recht! – vielmehr Shellac, DNA, Teenage Jesus oder The Ex als (lockere) Orientierungspunkte. 4
Ganz anders gehen die vier Finninnen von TUULETAR auf "Maammo" (Nordic Notes) mit dem nordischen Geist um. Hier regiert unterhaltsamer SkandiFolk-Gesang mit ElektroBums, wie er so ähnlich auch schon in ESC-Shows zu erleben war. 4
Etwas reduzierter geben sich die beiden Französinnen von LEÏ auf "Amarre" (Inouïes). Mit wunderschönen Stimmen, die konsequent a-capella, gern auch zweistimmig, singen. Mit zuweilen arabischem Touch und (ganz ganz selten) dezenter Klapper-Begleitung. Mit Spuren von korsischer Polyphonie und levantischen Melismen. Mit Anklängen an Wiegenlieder und uralte Geschichten. Mit reiner Schönheit und großer Konzentration. Ein wundervolles Album! 5
Ganz und gar traditionell darf man die Musik der CANZONIERE GRECANICO SALENTINO nennen, traditionell im besten Sinne. "Il Mito" (Ponderosa) feiert fröhlich die Lebensweise der Apulier, ihre Pizzica und ihre Tarantellen. Dabei werden hier einige Hits der CGS nochmal aufgegriffen, z.B. der Ohrwurm "Kali Nifta" oder das gemeinsam mit dem SoftKlassiker Ludevico Einaudi geschriebene "Taranta". Angetrieben von AkkordeonKraft und perkussiver Wucht, verziert mit Klarinetten, Flöten und Geigen oder Bouzoukis und geerdet durch einen Kontrabass, schmettern die Damen und Herren, was ihre Kehlen hergeben. Auch im booklet wird der inzwischen 50jährigen "Band"Geschichte – auch vermittels zahlreicher Fotos – gedacht. 4
Eine "Symphony Of Self"(Naxos) zelebriert GAO HONG gemeinsam mit dem Royal Philharmonic Orchestra und "The President’s Own" United States Marine Band. Dabei zeichnet die chinesische Pipa-Virtuosin ihre Lebensgeschichte nach und verbindet fernöstliche Exotik mit westlichen SinfonieVorstellungen. So werden orchestrale RhythmusElemente und BläserStöße mit sorgsam gezupften Pipa-Saiten verwoben. Das Ergebnis ist unterhaltsam und stellenweise wirklich packend (z.B. die dreiteiligen "Reminiscences (for pipa, bassoon and orchestra"), manchmal aber auch ein wenig beliebig. 3

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