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FRAU LEHMANN

Trost & Trotz

La Pochette Surprise Records

Ganz ehrlich? "Trost" darf man in der Debüt-LP der (Berlin?)Leipziger Band nicht suchen, dazu sind die Texte von Fiona Lehmann einfach zu depressiv. "Trotz" vielleicht. Ein wenig. Noch mehr aber Bestätigung in der "Die Welt ist eigentlich doch scheiße!"-Attitüde, von der die 26jährige selbst weiß, dass sie für solcherlei juvenilen Weltschmerz eigentlich schon zu alt ist. Das hieraus resultierende Erschrecken und auch der Kummer über den Abgrund zwischen kreativer Boheme und schnöder Erwerbstätigkeit (deren Einkünfte zwar für die Miete, nicht aber für Essen reichen) werfen sie in eine tiefe Sinnkrise - auch wenn sich das Info tatsächlich zu der Behauptung versteigt: "Alle sind sie (die Lieder von "Trost & Trotz") lebensbejahend und hell.". Nee, sind sie nicht. Jedes Lied atmet Weltverdruss, Scheitern und Untergang. That’s life. Oder ich verstehe das alles aus einer persönlichen Krise heraus falsch. Kann auch sein (obschon die Krise eigentlich fast vorbei ist). Doch wie anders soll man solche Zeilen deuten: "Das Nichts dreht schwarze Kreise / und frisst am Weltenturm." ("Systemsprenger-innen"). In "Rastloses Getier" heißt es: "Vor’m Tode solche Furcht / doch zum Leben fehlt der Mut", woanders (im opener "Ein Fuß im Grab", dessen Titel für sich spricht): "Ja, es stimmt: Ich bin ein gottverlass’nes Kind!" (das sich zwischen REWE-Kassenschlange und PsychatrieFluren bewegt) und dann in "Melancholia": "Beinah’ wär’ ich mir selber knapp entkommen: / Hej! Hej Melancholia! / Wo bist du denn geblieben?" Oder nehmt das "Schlaflied": "Schlaf doch endlich ein Fiona, schlaf doch! … Schließ die müden Äuglein und / mit etwas Glück / kommst du niemals mehr zurück" singt sie seltsam teilnahmslos über lieblichen (Halb)Akustik-Gitarren. Ja, hier wendet sich zwar das Blatt in der zweiten Songhälfte (wenn der Liebste mit ins Bett gestiegen ist) zu "… kommst du ganz bald zurück", aber so richtig überzeugt klingt dabei weder sie noch er. Und ist Erlösung aus der Depression wirklich nur durch die klassische 2er-Beziehung möglich/denkbar? Nee, oder? Dabei ist die Musik unwiderstehlich gut: forsche Gitarren (Fiona L. und Toni Günther), ein unfassbar guter Bass (Philipp Orlowski) und schön scheppernde drums (Felix Kothe) umrahmen Fionas einprägsame und auf widerborstige Art angenehme NDW-Stimme. Eine schöne Mischung aus Krach und Harmonie, die auch keine Angst vor Mundharmonikas oder einer Trompeten-Glasur hat: "Pop-Hoffnung Frau Lehmann!" wird das Feuilleton jubeln. Ei, warum denn nicht?! Wenn es dieser phantastischen Band hilft, dann nehmen wir solche Plattheiten doch gern zur Kenntnis. Und die Band womöglich auch. Denn Frau Lehman wissen: "Wir werden nie dazu gehören. / Wir werden nie dazu gehören. / Wir werden nie dazu gehören. / Wir werden nie dazu gehören. / Wir woll’n gar nicht dazu gehören!". Dieser depressiv(Text)-fröhliche(Musik) Blick ins Künstler-Prekariat sollte mit Triggerwarnung verkauft werden: Wenn sie dich in einer schlechten Phase erwischt, kann diese Platte das schwarze Loch in dir größer machen, als dir lieb sein möchte. Wenn du hingegen richtig gut drauf bist, kannst du prächtig dazu tanzen! 5
Weitere Infos: www.fraulehmann.bandcamp.com

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