(Crammed Discs)
Browns neue CD wirkt zunächst etwas eklektisch. Da sind sensible InstrumentalKleinodien wie "Nakba" (eine wunderschöne Schichtung aus einem stoischen Klavier, einer Art Akkordeon und sanften Stößen aus der Bläserecke). Da sind schräge VokalExperimente über improvisierenden Akustik- und E-Gitarren, Klavier, Klarinette und jeder Menge Elektronik ("Pyramides"). Da ist eine eigenwillige Deutung von Schostakowitschs "Walzer Nr. 2". Da ist das vom US-Gitarristen Ryan Weinstein geschriebene, irgendwie PostPunk-ige "Work". Aber genau dieses Scheuklappen-freie Herangehen an das Material, diese Neugier auf möglicherweise in selbigem verborgene Überraschungen und das angstlose drauflos-Spielen zeichneten schon das wunderbare Mutterschiff aus, dem (auch) Steven Brown seinen legendären Ruf verdankt (natürlich reden wir von Tuxedomoon). Wie er bei dem tief kratzend gespielten "Waltz No. 2" in der zweiten Minute mit seinem unverwechselbaren Altsaxophon übernimmt und das Ganze endlich in einen schunkelnden HafenBarHit kippen lässt – das ist schon große Kunst. Überhaupt spielen Bläser auf dieser Platte (neben elektronischen Dingen und variantenreichem StimmEinsatz) eine herausgehobene Rolle. Da ist Luc van Lieshout, der hier an Trompete und Flügelhorn brilliert (und der schon seit Mitte der 80er zum Tuxedomoon-Kosmos gehört). Da ist Brown selbst an Klarinette und Altsaxophon. Und da ist manchmal auch der Posaunist Facundo Vargas (der sonst u.a. in Browns Projekt "Ensemble Kafka" spielt). David Bowies "Panic in Detroit" wollte Brown dem Vernehmen nach schon seit langem covern, seine hier zu hörende Interpretation klingt (für mich) übrigens (mehr als) leicht nach John Cale (was sicher am Klavierspiel liegt) – er grüßt also in gleich zwei Richtungen sehr freundlich. Auch das getragene "Luce" ist mit van Lieshouts auf einem warmen SynthBass balancierender Trompete, den schmalen Melodien aus Klavier/Orgel und Klarinette/AltSax, die Brown hinzugibt und seinen SynthSounds ein ganz besonderes und von tiefer Schönheit geprägtes Stück. Beim das Album abschließenden livetrack "Nella Terra" bezaubert die an ein Daumenklavier erinnernde Gitarre von Benjamin Glibert (Aquaserge) zu Browns Fender Rhodes- und Saxophonspiel. Auf den beziehungsreichen Überbau und die unzähligen Verweise auf Filme, Lyrik ("Wordsworth"), Politik, Musik und und und müsste man nun eigentlich auch noch eingehen. Aber ich denke, hier kann – auch weil Brown im booklet track by track seine Inspirationen offenlegt – jeder selbst auf Forschungsreise gehen. 5Weitere Infos: www.crammed.be
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