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QUICKSILVER

V.A.

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Dass die AMSTERDAM KLEZMER BAND ihr neues Album in der Amsterdamer Singelkerk nahezu in einem Ritt eingespielt hat, zwar nicht wirklich "live", aber eben doch ohne overdubs und Studiotricks, hört man zunächst nicht. Oder doch – denn "Diaspora" (Asphalt Tango) atmet sehr kräftig KlezmerEnergie und die besteht nun mal aus dem Schweiß der Musikanten, den (Glücks)Tränen, der Energie, die diese zugleich urtümliche und doch spannend-moderne Musik so besonders macht (wenn sie gut gespielt ist – es gibt ja leider auch etliche blutleere Gegenbeispiele). Zwischen KlezmerStandards wie Abe Schwartz’ "Unzer Toyrele" (dessen Melodie hier - so witzig wie passend - auf einem Banjo gespielt wird), SirbaGrooves (zum Glück ohne Shantel’sche Überelektrifizierung) und Eigenkompositionen (sehr schick z.B. das von Sänger und Alt-Saxophonist Job Chajes geschriebene "Shmues mit'n Rebbe") bewegen sich die Niederländer höchst souverän - spielfreudig und doch bedächtig/bewusst. Zugleich markiert "Diaspora" eine Zäsur in der Bandhistorie, denn Gijs Levelt, Trompete-spielendes (beinahe)Gründungsmitglied der seit 30(!) Jahren aktiven Kapelle, stieg nach diesen Aufnahmen endgültig aus. Aber so motiviert, treibend und emotional, wie die AKB sich (auch) hier gibt, besteht die berechtigte Hoffnung, dass es weiter geht – vielleicht anders, aber genau darin liegt ja (auch) der Sinn von bewahrten Traditionen. 4
Wer an Dabke-, Kjutschek- und Sirba-Rhythmen genauso viel Spaß hat wie an einem straightem 4-to-the-floor-Groove, darf gern in den "Taiga Trans" (Glitterbeat) einsteigen. Damit saust nämlich eine Meute von in Göteborg lebenden Musikern (mit Wurzeln in Frankreich, Finnland, Polen, Syrien, Schweden und der Türkei) durch von KrautPsych, LevanteBlues und TechnoRock infizierte BalkanBeat-Gebiete. Bei "Dunans torka" tritt dann auch arabischer Gesang in den KlangRaum – sicher nichts für (Welt)Puristen, aber trotzdem allerfeinste UnterhaltungsKunst. Wie die Band heißt? Na FAUNA! 4
Genauso bunt und groove-betont ist die Kompilation "DESI - The Soul of Punjab" (ARC), für die KULJIT BHAMRA einige feine Aktualitäten aus der indischen PopMusik zusammengesucht hat. Kreuzquere beats mit launigen Rechts-Links-Stereokanal-Effekten, jubilierenden Bläsern, exaltierten SängerInnen, jeder Menge Tabla und Sitar und noch mehr wildem Spaß. 4
SUPERCHERI rufen auf einer schicken 10" laut "Whau Whau" (Kitchen Leg). Dieser schön stoische DIY-PopRock ist scheppernd-rau und mit einem ordentlichen Hauch QuietscheOrgel verziert, aber am Ende dann doch nicht zu LoFi-trashig. Vielleicht nicht gleich ein "Work of Wonders", aber unbedingt solide! 4
Das nun war aber erst mal genug für Bauch und Beine, jetzt schalten wir ein paar Gänge zurück. "The Former Site Of" (Merge), die neue Platte der THE NEW PORNOGRAPHERS ist - im besten Sinne - Musik für Erwachsene: eine IndieVersion von SoftRock, klug gemacht, sauber arrangiert, mit schönen hooklines und instrumentaler Finesse, deren Schönheit jedes weitere Wort nur unnötig einschränken würde. 5
Auch KEIMZEIT stehen für edel-sanfte, gleichsam zeitlose Rockmusik. Auf "Ach, die Menschen" (Indigo), immerhin auch schon Album #14 der Band, singt Norbert Leisegang mit brüchig-schöner Stimme seine enigmatischen Texte zum trademark-Sound. Einmal mehr kann man diese Texte begierig ausdeuten – oder, einem alten Leisegang-Bonmot folgend, schlicht froh darüber sein, dass sie sich reimen. Dazu eine Trompete hier, ein Samba tanzender Sultan dort. Sehr sehr schön – und gottseidank (noch immer) bar jeder Ostalgie. 5
"La foi gelée" (Humpty Dumpty) steht (nochmal) für zarten, hier aber doch eher verkopften IndieRock. Das Titelstück ist ein sauber durcharrangiertes, ideenreiches Instrumental, anderes wird von sehnsuchtsvollem Gesang mit einer leichten Spur "Gothic" durchweht. Vielleicht ist das, was der inzwischen von Brüssel nach Brest gezogene Multiinstrumentalist Antoine Pasqualini hier als MONOLITHE NOIR treibt, am ehesten als der sanfte Bruder von MathRock zu bezeichnen? 4
Das Schweizer LONE ASSEMBLY versenkt sich auf "Knots & Chains" (Irascible) in mit schmachtendem Bariton vorgetragenen DarkWave, der so schon vor 30 Jahren seine Freunde fand und dies wohl auch heute noch tun wird. Nichts neues (unter der dunklen Sonne), aber deswegen ja nicht zwangsläufig schlecht. 3
"This Is Only A Test" behaupten die italienischen AltHelden von LARSEN auf "Decalcomania" (Erototox Decodings), der 20. Platte ihrer langen BandHistorie (in der sie uva. auf Lustmord und Z’ev, Michael Gira und Martin Bisi oder auch Nurse With Wound und Baby Dee trafen). Dabei blieb und bleibt ihr Werk zugänglich und doch avanciert. Strukturelle Bläser hier (einige davon dürfte William Basinski gespielt haben, der das Album auch produzierte), entspannt flirrender Ambient dort. "The Distress Lounge" schmeichelt unseren alten Ohren mit einem feinem Madchester-RaveBeat, zu dem sich zwitschernde Elektronik über ein dunkel-warmes BassGerüst spannt und überhaupt kann man zu dieser Musik zugleich relaxt tagträumen und wild tanzen. 5
Bei BILLY FULLERs "Fragments" (Invada) kriecht nach zwei kleinen 80ies-style-SynthEtuden aus "Penny Bont" düsterer PostPunk-Minimalismus hervor, wohingegen sich der "Blackstar" als kosmische Sequenzerhymne entpuppt. Anderes spielt mit KrautIdeen oder MotorikRhythmik, auch spoken-word-Nummern oder eher skizzenhafte Fragmente fanden ihren Platz in diesem klingenden Notizbuch. Und als langjähriges Mitglied von Beak> konnte sich Fuller offenkundig einiges von Geoff "Portishead" Barrow abgucken - ohne dass dieser kleine Verweis die Eigenständigkeit seines SoloDebuts schmälern soll. 5
Wenn sich zu solcherlei kluger (Ambient)Elektronik nun eine fette Prise (Neo)Dub gesellt, dann könnte es gut sein, dass das neue Album des Düsseldorfers Stefan Schwander aka. HARMONIOUS THELONIOUS im Player liegt. Dessen "Grumpy Pieces" (Bureau B) spielen mit Melodie-gewordenen NoiseFetzen genauso gern und intensiv wie mit in fernen Ländern eingesammelten und in das Prinzip "Dub" überführten Rhythmen. So entwickelt sich dann beinahe zwangsläufig eine ganz eigene Form von elektronischer TranceZendenz, die sich hier um klug gebaute patterns und witzige samples schmiegt. "Les Belles Vacances", "Tropical + Electrical" "Made In Italy" – "Tzing!"!5
SIMON BERZ ist ein anderer FiligranElektroniker, der - obschon gelernter (und lehrender) Schlagzeuger - auf der LP "Tectonic" (Karlrecords) auch sein KnöpfchendreherKönnen unter Beweis stellt. Es pulst und schwillt, es summt und schnarrt, es klopft und trommelt. Der Bezugsrahmen bleibt der eines anspruchsvoll-experimentellen AmbientSettings, das allerdings ohne Scheuklappen auch in Richtung improvisierter Musik oder SoundScape geweitet wird und zum Ende hin sogar kurz technoide Strukturen bedient. Das Instrumentarium besteht neben "drums & electronics" übrigens auch aus "a set of electronically manipulated basalt stones from Iceland" – interessant! 5
Strenger geht der Däne EMIL MARK auf seinem DL "Mellemtid" (Tonal Union) zuwerke. 18:04 Minuten lang spielt er – ohne vorher intensiven Kontakt mit diesem Instrument gehabt zu haben – OrgelMusik: nahezu monophon, in jedem Fall sehr klangverliebt und konzentriert. Dabei aber gar nicht über-intellektualisiert, sondern durchaus (auf eine sicher eher schräge Weise) auch melodiös. "The organs are all one of a kind and were likely made for small churches before later being replaced for a bigger organ/model. They are all located in the basement practice rooms of the Danish National Academy of Music, Esbjerg." Genau. 4
Zu den Meistern stehender KlangWellen zählen ¬SUNN O))) ganz sicher. Und auch auf "sunn o)))", ihrem Debut für Sub Pop, kann man – z.B. beim scheinbar endlosen opener "XXANN" - den Membranen ihrer VerstärkerTürme wohl beim Her(t)zFlattern zusehen. Tieffrequente GitarrenSchläge fräsen sich durch die Röhren und Transistoren und das hat noch immer eine beachtliche Kraft. Aber (auch wenn man das in coolen Zirkeln niemals laut sagen darf): ein klein bisschen langweilig ist das auf Dauer auch. 4
Für einen "Savage Imperial Death March" (Ipecac) taten sich zwei andere Krach-Institutionen zusammen. Die MELVINS gemeinsam mit NAPALM DEATH (oder zumindest große Teile beider Bands) – das verspricht genussvoll blutende Ohren. Aber zwischen all dem Geknüppel und Gegrowl, Gebratze und Geschrei taucht plötzlich eine Nummer mit dem so wahren wie schönen Titel "Comparison Is The Thief Of Joy" auf – eine beinahe sinfonische Angelegenheit, wortlos, aber effektreich. Schick auch, welch phantasievolle Namen die vier erhältlichen VinylFarben tragen: "Black As Your Soul", "Indie Exclusive Obnoxious Orchid", "Ipecac Exclusive Absurd Aqua" und "Revolver Exclusive Neon Coral" – und ich bin sicher, es gibt auf dieser Welt hinreichend viele Verrückte, die diese – übrigens mit einem ironisch abgewürgten Zitat des schmierigen SynthieRiffs von Van Helens "Jump" endende - Platte in jedweder Form besitzen wollen. Oder gar müssen. 4
Nach diesem Angriff auf unsere Trommelfelle brauchen wir zum glücklichen Schluss aber doch noch etwas OhrenBalsam. Den liefert sehr verlässlich eine VinylSingle, auf der zwei junge Sängerinnen unter der Ägide von ULRIKE HAAGE den Rainbirds huldigen. Auf der A-Seite hören wir LINA MALY, die den von Haage für Klavier (neu) arrangierten Rainbirds-Hit "Love Was Already There To Be Found" einfühlsam und dabei doch mit reichlich (aber angenehm zurück genommener) SoulKraft singt (also genau so, wie man es bei einer CastingShow nicht tun dürfte). Und auf der FlipSide haucht Noemi Bunk unter sparsam-eindringlicher Begleitung ihrer IndieDreamFolkPop-Band WILLOW PARLO eine sehr geglückte CoverVersion des nicht minder schönen "Love Is A Better Word" ins Mikro. Und von dort genau in eure Herzen – wunderschön! 5


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