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JAZZJANZKURZ

V.A.

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Beginnen wir mal mit zwei sehr edel aufgemachten re-issues von MPS-LPs. "Rokoko Jazz" war 1965 EUGEN CICEROs erste Platte für das legendäre Label aus dem Schwarzwald (das damals aber noch SABA hieß). Der rumänische Pianist versuchte sich hier an dezent swingenden p-b-dr-Fassungen von Klassik-Motiven (Scarlatti, Couperin, Mozart sowie C.F.E. und J.S. Bach). Das gefiel dem Label, den Musikern und dem Publikum gleichermaßen und ich denke, auch heute wird noch manch einer Spaß an diesen zeitlosen Aufnahmen haben. 4
Natürlich alles andere als Lärm enthält "Noisy Silence - Gentle Noise" (beide MPS) vom DAVE PIKE SET. Der US-Vibraphonist klöppelt sich durch ein schönes Programm, zu dem v.a. sein Gitarre und Sitar spielender Sideman Volker Kriegel kompositorisch beitrug. Auch eine Bearbeitung von Zappas "Mother People" findet ihren Platz in diesem mal beschaulichen, mal hippiesken und zuweilen sogar fast JazzRock-igen Werk. 3
SCOTT KINSEY ist ein Keyboarder mit einem großen Faible für seinen Kollegen Joe Zawinul. "We Speak Luniwaz" (Whirlwind) widmet sich ausführlich dieser Vorliebe und präsentiert neben 7 vom österreichischen Weather-Report-Gründer geschriebenen Stücken eines von W.R.-Sax-Mann Wayne Shorter und 2 Kinsey-Kompositionen. FusionJazzFunk (manchmal sogar mit etwas Rap-ähnlichem Gesang) von "Victims of the Groove"! 3
Das GUY MINTUS TRIO verneigt sich etwas freier, aber gleichermaßen tief vor einem anderen Grandseigneur der gekonnten Unterhaltungsmusik. Auf "A Gershwin Playground" (Enja) spielt der Israeli mit seinem Klaviertrio einige der unsterblichen Gershwin-tunes (darunter nicht nur "Summertime" und "Rhapsody In Blue", sondern auch das immer wieder wundervolle "It Ain’t Necessarily So", bei dem sich Mintus auch als passabler Sänger erweist) unter ausgiebiger Inanspruchnahme der ihm qua spielerischem Talent zweifellos zustehenden Freiheiten. 4
"Vertigo" (Pirouet) nennt JASON SEIZER sein neues Album, das durch Unberechenbarkeit und Vertrautheit zugleich besticht. Mit sax-p-b-dr-Besetzung erkundet man hier u.a. auch kanonisches FilmMusikMaterial. 4
JARRY SINGLA ist ein deutsch-indischer Pianist, der mit seinem Trio EASTERN FLOWERS auf "Tendu" (JazzSick) aber auch "Indian Harmonium" spielt. Weil auch seine perc-b-sidemen indisches Blut in sich tragen, ist der Bezug auf die Traditionen des Subkontinents keinesfalls zufällig, in seiner expressiven musikalischen Ausformulierung zwischen westlichem Jazz und exotischer Verfremdung viel mehr sehr geglückt. 4
Eine "Lagos Pepper Soup" (Whirlwind) richtet uns BassMann MICHAEL OLATUJA an. Mit illustren Gästen (u.a. singen Angelique Kidjo und Dianne Reeves bei jeweils einem der 12 Stücke) und einem vielköpfigen Streichorchester pendelt dieser WorldFusionJazz zwischen glitzernden HarfenKlängen und Fela-Kuti-AfroSound. 4
Einen kaum zu überbietenden Kontrast dazu bilden die "Pink Citrons" von StimmKünstlerin HANNA SCHÖRKEN und Pianist RIEKO OKUDA. Schörken gurrt, stammelt, schreit und heult zu den suchend stolpernden Klavierlinien des Japaners in anstrengender Schönheit. 4
Ganz allein bewegte sich JAN KLARE mit seinem Saxophon durch den Keller der Musikschule Münster und spielte für "B.C." mit/gegen den Raum, mit/gegen den Hall, mit/gegen das Instrument. Und vor/hinter der Tür, denn im Ernstfall wird auch jenseits des Mikrofonstandorts weiter geblasen. 4
Gemeinsam mit Florian Walter (EWI, synths) und Karl-F. Degenhardt (el.drums, synth) haut uns Jan Klare auf "Futura Bold" (alle Umland) eine Breitseite hochphilosophischen SynthNoiseAntiJazzExperimentalAmbient-Krams vor, um und v.a. in die Ohren. MEAT.KARAOKE.QUALITY.TIME. nennen die drei ihr Projekt. "Sinngenese" stand da gerade im Info. Könnte sein, dass zukünftige Generationen darin mal die einzig mögliche Zukunft von Musik erkennen. 5
Im letzten Jahr hat LUISE VOLKMANN auf Umland noch "Wünsche" formuliert, mit ihrem BandProjekt ÉTÉ LARGE reitet sie nun auf "When The Birds Upraise Their Choir" (nWog) durch eine feedback-schwangere Nebelwand aus ProtestResten von PunkJazz, NoiseRock und anderen Formen höherer AntiMusik. Als würden Lydia Lunch und Patti Smith mit einem AvantKammerOrchester in der Knitting Factory ZappaRock als Punk singen. Wow! 5
"KRAFFT" (zeitkratzer) ist der richtige Titel für das neue Werk von REINHOLD FRIEDL. Eingespielt von ZEITKRATZER und der renommierten Pariser Kammermusiktruppe ENSEMBLE 2E2M besteht die "Krafft" (es dürfen auch gern noch ein paar forte-fffff-s mehr sein!) aus der variierten Wiederholung von Unisono-Clustern – in jeweils anderer "Textur". Wobei dieser Begriff die vielgestaltige, über die reichlich 30minütige Laufzeit so beständig wie allmählich wechselnde KlangOberfläche wirklich gut beschreibt. 5
Der schwedische SaxImprovisator MARTIN KÜCHEN gab dem dritten und damit letzten Teil einer Werkreihe den sinnreichen Titel "Det försvunnas namn / The Name of that which is Lost / Der Name des Verlorenen" (Thanatosis). Von "Lieber Heiland, laß uns sterben"(Sofa 2017) waren wir ja sehr begeistert (s. WZ 09/17) – wir sind es weiterhin, denn diese zwischen SaxDrone und vielfältigem Experiment angesiedelte Soloarbeit (zu der auf sehr verdrehte Weise u.a. aber auch Vivaldi beigetragen hat) erschließt röchelnd-flatternd (beinahe) unbekannte KlangWelten. Der digitale Bonustrack "Die Katze von Bach" ist eine schöne Avantgardismus-Fingerübung, bei der Küchen die verzerrte Wiedergabe einer Glenn Gould-Aufnahme des Wohltemperierten Klaviers mit zarten SaxTönen und digital zerstörtem Miauen überstreicht. 5
Bei Sofa erscheint auch die neue Arbeit des StreicherDuos VILDE&INGA. Mit "How Forests Think" bedanken sich die beiden in frei improvisierter Nachdenklichkeit bei den Wäldern. "For providing our instruments". Ätherische Klänge gleiten durch die hallenden Räume, Vögel zwitschern, Saiten zirpen – es ist ein reiches Schweben im reinen Klang. 5
Die Nachbarn von Hubro schenken uns mit "Bow Shoulder" ein neues Werk des 3ers HUNTSVILLE mit YUKA HONDA, NELS CLINE, DARIN GRAY & GLENN KOTCHE als Gästen. Entstanden ist das Ganze schon vor 10 Jahren in Chicago im Proberaum von Wilco – was vielleicht den deutlichen Nachhall von PostRock in dieser improvisierten Schatzkiste erklärt. 5
Zum Schluss noch zwei Tipps aus der (vermeintlich) seriösen Welt eher akademisch orientierter Klaviermusik. Die große SABINE LIEBNER spielte 5 Jahre nach Nr. 9 und 10 nun auch GIACINTO SCELSIs "Suite 8 & 11 per pianoforte"(Wergo) ein. Triller-reich und voller Staccati steigen die Klänge aus dem Flügel und formen bei aller expressiven Wucht auch ein weiches Meditationsbett. 4
Die Klavierarbeiten des US-Komponisten GEORGE CRUMB entstammen einer verwandten GeistesSchule. Marcantonio Barone spielte die 2015-17 geschriebenen "Metamorphoses (Book I)" (Bridge) mit leichter Hand, aber auch tiefer Versenkung ein. Der Untertitel "Ten Fantasy-Pieces After Celebrated Paintings, For Amplified Piano" verweist auf die Inspirationsquellen dieser herrlichen Musik: Bilder, von Klee und Kandinski über Chagall und Gaugin bis Dali und Jasper Johns. Barones kunstvolles Spiel spornte den inzwischen 91jährigen Crumb sogar dazu an, Anfang des Jahres "Metamorphoses, Book II" abzuschließen. Wir bleiben also gespannt! 5

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