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COURTNEY MARIE ANDREWS

Eine sichere Sprache

COURTNEY MARIE ANDREWS

Verlässlich in Bezug auf das Erfüllen von Erwartungshaltungen war die inzwischen in Nashville lebende Songwriterin Courtney Marie Andrews eigentlich stets nur in der Hinsicht, als das sie die Freunde der gediegenen Songwriter-Kunst mit jeder neuen Veröffentlichung stets zu überzeugen und zu begeistern wusste – allerdings nicht auf die Weise, die jeweils auf der Hand gelegen hätte. Mit jedem neuen Projekt wechselte Courtney die Perspektive und die musikalische Handschrift und fand so immer wieder neue Facetten für ihre meist melancholisch/nachdenklichen Selbstfindungs- und Storyteller-Songs.

Das ist natürlich auch mit ihrem zehnten Studioalbum „Valentine“ nicht anders. Formte sie die Alben ab ihrem Durchbruch-Werk „Honest Life“ jeweils situationsbedingt in Richtung Folk-Songwriting, Indie-Pop oder Country, so überrascht sie dieses Mal mit einem eher poppigen Ansatz mit Westcoast Flair. Das mag unter anderem daran liegen, dass sie mit ihrem neuen Partner in Crime & Life - Jerry Bernhardt (Yola, Ron Gallo, Andrew Combs, Erin Rae, The Bernhardt Family Band) - die neuen Songs in Los Angeles einspielte und bedeutet nicht, dass sie selbst das mit dem poppigen Ansatz selbst so sieht – es zeugt aber vor allem von der musikalischen Neugier, mit der sich die Künstlerin in immer neue Herausforderungen stürzt, um ihre Kunst zu verfeinern.

Wie bereits angedeutet: Courtney Marie Andrews hatte anderes im Sinn, als ein versöhnliches Pop-Album zu schreiben.

„Das ist so interessant, dass Du das so siehst – und Du bist bereits der zweite, der meint, dass das neue Material besonders erhebend rüberkommt“, meint Courtney, „denn als ich das Album machte, fühlte sich das gar nicht so erhebend an. Es fühlte sich eher düster im Sinne Lee Hazelwood’s an – und eine solche Ästhetik strebte ich selber auch an. Ich hatte mir vorgenommen, dieses epische, melancholische Album zu machen. Mit ‚episch‘ meine ich damit, dass es vielschichtig sein sollte – besonders was die Arrangements betrifft – und nicht, dass es besonders ausufernd im Sinne von ‚Wow‘ werden sollte. Was ich aber sagen kann, ist, dass wir es nun mal in L.A. aufgenommen haben – wo es ja meist sonnig ist. Das wird sich schon irgendwie ausgewirkt haben.“

Für „Valentine“ tat sich Courtney mit ihrem neuen Partner Jerry Bernhardt (Yola, Ron Gallo, Andrew Combs, Erin Rae, The Bernhardt Family Band) zusammen, mit dem zusammen sie das Album dann auch produzierte – und (bis auf ein paar Drumtracks von Chris Bear (dem Drummer und Namenspate von Grizzly Bear) alle Instrumente selbst einspielte – allerdings nicht in ihrer Homebase in Nashville, sondern im Valentine-Studio in L.A. Zusammen mit Jerry Bernhardt absolvierte sie auch bereits Live-Konzerte im Duo-Format, bei denen sie dann auch einige Songs des Albums bereits vorstellte. Wie kam das Projekt in dieser Form zustande?

„Wir wollten, dass sich dieses Album wie eine Reise – mit allen Höhen und Tiefen – anfühlt“, erzählt Courtney, „das wollten wir klanglich dann auch entsprechend ausloten und haben dann viele verschiedene Instrumente und Klangfarben eingesetzt. In dem Studio fanden sich viele Vintage Synthesizer und Keyboards und Jerry brachte auch noch einige mit, so dass wir eine breite Paletter zur Auswahl hatten.“ 



„Valentine“ nannte Courtney das neue Album wegen der Ambivalenz und der romantischen Konnotation des Begriffes. Dass das Studio, in dem Courtney und Jerry die neuen Songs einspielten, dann ebenfalls „Valentine“ heißt ist dabei eher ein Zufall, denn auf dem Album geht es doch um das Suchen und Finden der Liebe, oder?

„Ich würde eher sagen, es geht um die Limerenz – also das obsessive Sehnen nach der Liebe, das nicht unbedingt immer erwidert wird. Der Begriff ‚Valentine‘ ist dabei die Objektifizierung dieser Liebe. Etwas, was man nicht erreichen kann und dann darob verzweifelt. Andererseits ist das bloß ein Begriff. Die Liebe selbst ist so viel mehr als das, und das ist es, worauf es auf dem Album geht.“

Der Spannungsbogen des Albums, der von der noch fragenden und zögerlichen Eröffnungs-Hymne „Pendulum Swing“ bis hin zur Auflösung in der versöhnlichen Schlussballade „Hangman“ führt, zeichnet diesen Prozess dann anschaulich nach.

„Der Spannungsbogen spiegelt verschiedene Phasen wieder“, erläutert Courtney, „zunächst geht es darum, sich auf diese verzehrende Art zu verlieben wie in ‚Cons & Clowns‘ und ‚Keeper‘ thematisiert. Als dann ‚Picture Of A Butterfly‘ daherkommt, habe ich – die Erzählerin – dann die Nase voll davon - was dann zu einer Art Meditation in einem psychedelischen Drone führt. Zu dem Zeitpunkt bin ich dann erschöpft von dem, was das Leben und die Liebe bietet. Mit den Songs ‚Outsider‘ und ‚Best Friend‘ blicke ich dann reflektierend auf die Sache zurück. Es geht um das Gefühl, ein Außenseiter und alleine zu sein – wie ich in meiner Kindheit. ‚Best Friend‘ habe ich dann für mein 7-jähriges Ich geschrieben. Mit dem Song ‚Hangman‘ erfasse ich dann das ganze Bild und realisiere, woher dieses Gefühl der Limerenz überhaupt stammt.“ 


Das erklärt dann die spirituelle Note der neuen Songs. Wirkt sich diese Art von Spiritualität auch auf das Songwriting aus?

„Sicher“, bestätigt Courtney, „es ist ja auch so, dass als Songwriterin zu arbeiten so etwas wie ein mythisches Ding ist. Man versteht nicht wirklich, was das Unterbewusstsein fühlt, bis man einen Song schreibt. Das ist sehr interessant. Letztlich ist die Musik eine Sprache mit der man sich in Sicherheit ausdrücken und in Unterhaltungen zur Kommunikation verwenden kann.“

Das hängt vermutlich damit zusammen, dass Musik ohne Logik und Vernunft auskommt, oder?

„Ja – da gibt es viel mehr. Musik ist die menschliche Seele. Das ist ein Gefühl, was man nicht erklären kann. Es bringt Dich zum Lachen oder zum Weinen – und zwar auf einer sehr grundlegenden Ebene.“

Wenn man den Ansatz des neuen Albums betrachtet: Ist das der Weg, den Courtney auch in der Zukunft beschreiten möchte?

„Musikalisch meinst Du?“ fragt sie zurück, „ich denke eher doch, dass ich mich immer wieder verändern werde. Ich habe während der Zeit in der ich wegen der Pandemie nicht touren konnte, ein ganzes Repertoire an neuen Songs zusammengestellt, dass ich umsetzen könnte. Aber all diese Musik existiert auf ganz verschiedenen Ebenen. Du wirst vermutlich genauso überrascht darüber sein wie ich, was ich als nächstes mache.“

Gibt es dabei einen bestimmten Wunsch oder Traum, den sich Courtney bislang noch nicht hatte erfüllen können?

„Weißt Du ich mache das jetzt schon so lange, dass mir da jetzt wirklich nichts einfällt. Aber ich kann Dir sagen, dass ich jeden Tag dankbar dafür bin, das, was ich mache tun zu können. Wenn ich einfach nur in dieser Weise weitermachen kann, dann bin ich wirklich glücklich.“

Aktuelles Album: Valentine (Loose Future / Thirty Tigers)


Weitere Infos: https://www.courtneymarieandrews.com Foto: Wyndham Garnett

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