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PARIS PALOMA


The Fatal Flaw


(Nettwerk)


Einen klassischen Fall ungezügelter, überbordender musikalischer und songwriterischer Ambitionen haben wir mit dem zweiten Album der britischen Songwriterin Paris Paloma zu verzeichnen. Schon auf ihrem Debütalbum hat sich die musikalische Feministin nicht eben zurückgehalten, was das Umsetzen ihrer immens wortreichen politischen Positionsbestimmungen in musikalischer Hinsicht betraf. Damals gab es – zumindest in den Hitsingles wie „Labour“ oder „As Good A Reason“ noch songwriterische Fokusse und musikalische Anker. Auf dem nun vorliegenden zweiten Album wollten Paris und ihre Produzenten aber eindeutig zuviel – sozusagen alles auf ein Mal. Hier gibt es nur Opulenz und musikalische Überwältigung. Jeder einzelne Song strotzt nicht nur vor kleinteiligen Wortkaskaden, sondern auch vor überbordenden Arrangements in die alles reingepackt wurde, was die produktionstechnische Grabbelkiste hergab: Natürlich konventionelle Bandbesetzung, aber auch Orchester, Chöre, Elektronika, Rock-, Folk- und Pop-Elemente, Gitarren und Stimmen, Stimmen, Stimmen aller Art. Nur selten ein Mal – wie in der Single „Rothko“ oder dem Kook-Folk-Song „Get Her The Fucking Flowers“ - wird der musikalische Schwall ein Mal aufgebrochen, bleibt Zeit zum Durchatmen – und Zuhören. Was man Paris Paloma allerdings zu Gute halten muss, ist die organische Herangehensweise, mit der das Alles durch die Mangel gedreht wurde (anstatt dabei die Hilfe von AI oder Computertechnik songwriterisch einzusetzen). Wie sich das musikalisch im Live-Kontext wieder auseinanderdividieren ließe, bleibt rätselhaft. Nun wollen wir es aber mit der Kritik mal nicht übertreiben, denn was ihr kämpferisches, feministisches Sendungsbewusstsein und damit ihre Stellung als Leitbild für ihre Elevinnen betrifft, ist sich Paris Paloma durchaus treu geblieben – und das kann dann ja ein bisschen symphonischen Nachdruck ganz gut vertragen. VÖ 04.09. 4

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