
Veränderung als konstanter Begleiter: "Devotion", die neue EP von Bloodflowers, markiert einen weiteren Wendepunkt in der Karriere der Düsseldorfer Psych-Rock-Band. Die bisweilen sphärischen Träumereien früherer Veröffentlichungen weichen nun einem spürbar direkteren, raueren Sound, bei dem der Weg von waberndem Weltraum-Nebel zu einem reinigenden Fuzz-Gewitter oft nicht weit ist. Die psychedelische Tiefe ist geblieben, trifft jetzt aber auf die rohe Energie des Stoner Rock.
Die Single "String Of Hearts" im Jahre 2021 und das auch an dieser Stelle ausführlich gewürdigte Album "Nebula" (2023) zeigte Bloodflowers als Band, die auf der Suche nach einer eigenen Klangfarbe ist. Auf "Devotion" merkt man dem in der Vergangenheit mehrfach umbesetzten Quartett aus Düsseldorf nun mehr denn je an, dass es sich und seinen Sound gefunden hat und inzwischen vor allem an den Details feilt."Die musikalischen Vorbilder haben sich nicht groß verändert, deswegen ist das Thema eher, an den Feinheiten zu schrauben", bestätigt Schlagzeuger Matthias Köhnen im WESTZEIT-Interview.
"Ich denke, wir bieten mit 'Nebula' und 'Devotion' ein gutes Spektrum und zeigen damit, was wir draufhaben und wo wir uns bewegen wollen."
Inzwischen gehören neben Nadia Wardi, der Gitarristin und Sängerin mit indonesischen Wurzeln, die Bloodflowers bereits 2018 aus der Taufe gehoben hatte, und Drummer Köhnen auch Tristan Müller an der Gitarre und Yanco Przyborowski am Bass zur aktuellen Besetzung, während Gereon Gründer, der der Band auf dem vorangegangenen Album als Keyboarder neue Möglichkeiten für ihre hypnotischen Soundscapes zwischen Traum und Realität eröffnet hatte, bei "Devotion" vom aktiven Bandmitglied zum Produzenten "befördert" wurde.
"Natürlich war sein Beitrag auf 'Nebula' unverzichtbar, und im Grunde war er sogar bei der Entstehung des ein oder anderen Songs von 'Devotion' noch dabei", sagt Köhnen über Gründers Rollenwechsel. "Deswegen war es eigentlich leicht, sich für ihn als Produzenten zu entscheiden."
Während die Songs "Magma Red" und "Ocean Of Creation" zumindest streckenweise dafür sorgen, dass das Band zur Vergangenheit nicht vollends abreißt, faszinieren "Scented" und das Titelstück mit ihrer Hinwendung zu einem wuchtigeren und gleichzeitig bisweilen auch düsteren Sound. Die Unmittelbarkeit der neuen Songs betont derweil sehr schön, wie viel Emotionen auch weiterhin in der Musik - und in den Texten - von Bloodflowers stecken. Doch gibt es dabei eine gewisses "Lieblingsgefühl", die sich für das Quartett musikalisch oder textlich besonders gut in Songs "übersetzen" lässt?
"Das ist eine interessante Frage, über die ich vorher noch nicht so nachgedacht habe. Es ist eine Mischung aus allem, aber momentan finde ich Kraft und Intensität sehr interessant", verrät Wardi. "Das ist gerade mein Thema. Energie und Kraftquelle, und der Ausdruck dieser Transformation, die wir gerade durchmachen.“
Weil dabei die Texte der Songs stets ein Spiegel der musikalischen Evolution der Band sind, symbolisieren sie auf der neuen EP ebenfalls mehr Mut und Kraft.
"Wenn die Musik da ist, versuche ich sie zu spüren und zu fühlen, und daraus entsteht eine Vision und der Text dazu", erklärt Wardi. "Es ist mehr ein Gefühl, ein Ausdruck, als dass ich drüber nachdenke. Mit Intuition versuche ich, die Musik in Worte zu fassen. Genau das spiegelt sich in 'Devotion' wider. Wir gehen von dieser Kraft des Universums, dieser Stille und diesem Schwebenden hinein in die Dunkelheit, weil wir erkennen, dass das Leben nicht nur schön ist. Das Dunkle gehört dazu, und in dieser Dunkelheit findet sich auch die tiefste Liebe und Hingabe. Licht und Schatten verschmelzen ineinander."
Obwohl man ohne rot zu werden behaupten darf, dass Bloodflowers mit "Devotion" ein neues Kapitel aufschlagen und in eine neue Ära aufbrechen, ist die neue EP dennoch kein Bruch mit der Vergangenheit, sondern vielmehr eine organische Weiterentwicklung, oder wie Przyborowski es ausdrückt:
"Es gab keinen konkreten Wunsch, uns verändern zu wollen. Der Sound der neuen Stücke hat sich natürlich entwickelt. Ein Baum wünscht sich nicht zu wachsen, er tut es einfach!"
Aktuelle EP: Devotion (Eigenveröffentlichung)
Weitere Infos: bloodflowers.de Foto: Pati Ekkert

