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ATTIC OCEAN

Songs als Versprechen

ATTIC OCEAN

Flirrende Gitarrenwände, nostalgische Elemente aus Shoegaze und Dream-Pop und eine bisweilen ätherisch anmutende Stimme: Mit ihrer neuen EP "I Promise I'll Try Everyday" untermauern Attic Ocean aus Düsseldorf ihren Status als eine der spannendsten Indie-Entdeckungen des Landes.

Egal, ob mit den beiden vorangegangenen EPs "The Heavy Blue And Then After“ (2023) und "Retriever" (2024) oder auf der Bühne als Headliner oder als Support für Genre-Giganten wie Ride: In den vergangenen fünf Jahren haben Hanni Nasirat (Gesang), Niels Baumgarten (Gitarre), Philip Marx (Bass), Lukas Moore (Schlagzeug) und Camila Agudelo (Gitarre) bereits eine Menge Staub aufgewirbelt. Doch wie kommt eine junge Band eigentlich auf die Idee, sich einem Sound zu widmen, den nicht nur ältere Semester vor allem mit den späten 80er- und frühen 90er-Jahren verbinden?

"Jeder und jede von uns kann bestimmt eine eigene Geschichte vom ersten Kontakt mit Shoegaze erzählen", ist Drummer Lukas im WESTZEIT-Interview überzeugt. "So ein bisschen haben wir alle dieses Genre individuell entdeckt und uns später als Band nach und nach durch die gemeinsame Liebe zu diesem Sound gefunden. Das ist natürlich ein Riesenglück und ein Benefit, in einer Großstadt wie Düsseldorf die anderen vier, fünf Nerds zu finden, die ähnliche Bands wie man selbst feiern."

Dass das ohne Frage blendend funktioniert hat, unterstreicht auch die neue EP. Auf "I Promise I'll Try Everyday" erleben wir eine Band, deren Sound sich hörbar weiterentwickelt hat. Das sieht auch Lukas so, als wir ihn nach dem wichtigsten Unterschied zwischen der neuen EP und den Vorgängern fragen.

"Es ist definitiv die Reife der Musik", sagt er. "Unser Songwriting ist erwachsener, und das gilt auch für die Texte. Damit soll nicht gemeint sein, dass unsere Musik ihre Verspieltheit eingebüßt hat, diese findet sich nach wie vor in Songs wie 'Aurora' oder 'Coastal'. Der Unterschied liegt darin, dass wir seit den letzten beiden EPs mehr Lebenserfahrungen gemacht haben und als Menschen gewachsen sind, wodurch unser Songwriting nachhaltig beeinflusst wurde."

Die bereits erwähnten Songs "Aurora" und "Coastal" zeigen Attic Ocean als auch musikalisch gereifte Band, die weiß, wie man emotionale Ausnahmezustände in faszinierende Songs übersetzt, die kompakt im Songwriting sind, aber trotzdem mit cineastischer Größe glänzen. Mit „Love Spells“ gibt es derweil auch eine Nummer, die aus gewohnten Mustern ausbricht und mit einem fast balladesken Touch und "Twin Peaks"-Vibes überraschen kann.

Obwohl die Melancholie untrennbar zu Attic Ocean dazugehört, badet die Band aber längst nicht nur im (Selbstmit-)Leid. Vielmehr führt sie die Trauer über persönliche Rückschlage am Ende zum Licht am Horizont. Nicht zuletzt deshalb ist der Titel der EP mit Bedacht gewählt.

"Der Titel bietet bewusst genau diesen interpretierbaren Spielraum und soll auch die Dualität ausdrücken", erklärt Lukas. "Wir haben leider im letzten Jahr ein paar wichtige Personen in unserem Leben verloren. Für uns ist das Ansporn, uns genau diesen Stellenwert von Kreativität immer wieder vor Augen zu führen und auch danach zu leben, weil wir das uns selbst und den Menschen, die uns nahestanden, schuldig sind. Wir sind froh, wenn Leute ihre eigene Bedeutung in dem Titel finden. An der Stelle haben unsere Songs auch dieses Versprechen: Die schönen Momente werden die schlimmen Phasen überleben!"

In unseren modernen Zeiten klagen immer wieder Bands darüber, dass sie zu wenig Zeit fürs eigentliche Musikmachen haben und sich zu sehr mit dem Drumherum – vom DIY-Management über Konzertbookings bis hin zu Videodrehs und Social Media-Aktivitäten – beschäftigen müssen. Auch Attic Ocean können ein Lied davon singen, sind aber am Ende doch froh, sich nichts vorschreiben lassen zu müssen.

"Wir haben jetzt das erste Mal die Gelegenheit, mit dem 'upcoming label' Super 78 zusammenzuarbeiten", erzählt Lukas. "Da sind wir unfassbar dankbar, dass uns beispielsweise Großteile der Promo-Phase abgenommen werden. Das war wirklich frustrierend, wochenlang Radiosender und Playlist-Kurator*innen anzuschreiben und nicht mal eine Antwort zurückzubekommen. Leider ist dieses ganze Musikbusiness ein Riesen-Gatekeeper-Haufen, dem am Ende aber auch einfach Ressourcen fehlen, sich mit neuen Dingen zu beschäftigen. Wir genießen es sehr, bei allem immer noch die künstlerische Freiheit zu haben. Beim Booking haben wir Riesenglück, eine tolle DIY-Community in Deutschland und den Niederlanden zu haben, die wir über unterschiedliche Zusammenhänge kennen. Es ist total das Privileg, dass wir stetig größere Auftritte in Städten und Ländern bekommen, wo wir vorher noch nie waren."

Ein Erfolgsgarant für Attic Ocean ist vielleicht auch, dass das Quintett, anders als viele andere Acts ihres Genres, eine betont visuelle Band ist. Angefangen bei den Abschlussball-inspirierten Outfits ihrer Live-Auftritte bis hin zu mit Kollaborateur*innen in Paris oder Tokio verwirklichten Videoclips, die den kosmopolitischen Anspruch der fünf unterstreichen – das Auge hört stets mit.

Nicht zuletzt, weil sich Attic Ocean mit vielen Auftritten auch außerhalb von Deutschland schon so einige Träume erfüllen konnten, denen viele andere Bands ein Leben lang hinterherlaufen, sind die Erwartungen und Hoffnungen, die die fünf mit der neuen EP verknüpfen, vergleichsweise bescheiden.

"Unsere Erwartungen haben sich eigentlich bereits weitestgehend erfüllt", verrät Lukas abschließend. "Es entdecken schon jetzt Tag für Tag mehr Menschen unsere neuen Songs, und dafür sind wir einfach absolut dankbar!"

Aktuelle EP: I Promise I'll Try Everyday (Super 78 / Kontor / edel)


Weitere Infos: https://atticocean.bandcamp.com/ Foto: Timo Vogts

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