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TARA CLERKIN TRIO

Offen für Ideen

TARA CLERKIN TRIO

Es gibt Musik, die sich wie ein sanfter Nebel über das Bewusstsein der Hörerinnen und Hörer legt – flüchtig, schwer zu greifen und gekennzeichnet von einem vagen Gefühl der Vertrautheit. In genau dieser atmosphärischen Zwischenwelt bewegt sich das aus Bristol stammende Tara Clerkin Trio auch mit seinem just erschienenen neuen Werk "Somewhere Good", einem fragilen Mosaik aus Lo-fi-Experimenten, verschachtelter Elektronik, hypnotischem Dream-Pop und Kammer-Jazz, das sich konsequent jeder vorschnellen Genre-Kategorisierung entzieht. Im September kommt das Tara Clerkin Trio für zwei Konzerte in Köln und Berlin dann auch wieder nach Deutschland.

Mit ihren sich langsam entfaltenden Songs möchte man fast meinen, das Tara Clerkin Trio – bestehend aus der Namensgeberin, ihrem Partner Sunny-Joe Paradisos und dessen Bruder Patrick Benjamin – sei ein Gegenentwurf zu unseren hektischen Zeiten.

"Ich glaube, ich bin generell eher ein langsamer Mensch, daher fühlt sich das für mich ganz natürlich an – natürlicher, als manchmal draußen in der hektischen Welt zu sein", verrät Tara Clerkin im WESTZEIT-Interview augenzwinkernd. "Vielleicht würde Sunny etwas anderes sagen, denn er ist ein ziemlich schneller Mensch. Pat liegt irgendwo dazwischen, er legt ein mittleres Tempo an den Tag. Wenn ich einen neuen Sound finde, mag ich es, den Klang wieder und wieder zu erzeugen und ihn wirklich kennenzulernen, um die verschiedenen Rhythmen, Melodien und Harmonien darin zu entdecken."

Trotzdem fällt es auch Clerkin bisweilen nicht immer leicht, den Alltag abzuschütteln. "Es ist ziemlich schwer, den richtigen Zeitpunkt zum Musikmachen zu finden – neben der Lohnarbeit und allem anderen", erklärt sie. "Ich glaube nicht, dass es für mich funktioniert, einfach zu beschließen, nach der Arbeit ein paar Stunden Musik zu machen, aber wenn ich dann einen ganzen Tag lang einen einzigen Loop in Dauerschleife höre, kann mich das ein bisschen in den Wahnsinn treiben."

Ein Rückblick auf die bisherige Diskografie der Band offenbart eine organische, fast scheue Evolution. Schon ihr selbstbetiteltes Debütalbum aus dem Jahr 2020 deutete an, dass hier eine Band am Werk ist, die Zeit anders wahrnimmt. Die Stücke wirkten bisweilen wie flüchtige Momentaufnahmen aus dem Leben der drei Musikerinnen und Musiker, und mit den nachfolgenden EPs "In Spring" (2021) und insbesondere dem famosen Album "On The Turning Ground" (2023) verfeinerten die drei diese Ästhetik dezent, aber stetig.

Auch die neue 7-Song-EP "Somewhere Good" zeigt die Band ständig in Bewegung und wird so zum Spiegel der unsteten Zeiten, denen sich die drei Protagonistinnen und Protagonisten in den vergangenen Jahren ausgesetzt sahen.

Die glücklichen Zufälle, die den luftigen, collagenartigen Sound des Trios seit jeher prägen und zu dem führen, was in den Pressematerialien als der "Frankenstein-Aspekt" beschrieben wird – das Rätsel, woher all die Elemente stammen und wie sie am Ende so organisch zusammenpassen – waren derweil auch bei der Arbeit an "Somewhere Good" ausdrücklich erlaubt. Vertrauen die drei inzwischen einfach dem Prozess, weil sie wissen, dass die Chemie zwischen ihnen zu etwas Außergewöhnlichem führen wird?

"Es ist ein echtes Durcheinander!", gesteht Clerkin. "Wer auch immer mit einem beliebigen Instrument einen Klang erzeugen möchte, macht es einfach – oder bittet einen der anderen, der dieses Instrument besser beherrscht, es zu übernehmen. Ich glaube, das Wichtigste ist, offen für Ideen zu bleiben und sich gegenseitig dabei zu helfen, das umzusetzen, was wir uns vorstellen."

Frei nach der alten Faustregel "Alles kann, nichts muss" haben die drei in der Vergangenheit ein bemerkenswertes Gespür dafür entwickelt, Loops und elektronische Elemente so bruchlos mit analogen Instrumenten zu kombinieren, dass die Grenzen zwischen Nostalgie und Futurismus bisweilen fließend waren – und nie gelang der Band dieser Brückenschlag so stimmig wie auf "Somewhere Good".

Die Musik, die dabei entstanden ist, klingt genauso echt und ehrlich wie die Texte, die sich mal um Verlust und Trauer ("Silently"), mal um die Folgen der Gentrifizierung ("Slow Island") drehen, aber stets nicht weit von der gelebten Realität der drei Protagonistinnen und Protagonisten entfernt sind.

"Ich glaube, ich suche beim Texten nach Gefühlen, die schwer zu beschreiben sind, und achte auf Dinge, über die ich viel nachdenke, und darauf, wie sie mich beeinflussen", verrät Clerkin. "Ich würde sagen, das war schon immer so – nur meine Gedanken und Gefühle haben sich verändert. Vielleicht denke ich in letzter Zeit auch mehr darüber nach, wie andere Menschen sich mit dem identifizieren können, was ich sage. Ich schreibe gerne Texte, um zu versuchen, ziemlich immaterielle Dinge sowie die Fluidität von Emotionen und Erfahrungen auszudrücken."

Genau das macht aus "Somewhere Good" mehr als nur eine Aneinanderreihung schöner Melodien. Vielmehr wird dieses Album so – allen Widrigkeiten zum Trotz – zu einem zutiefst menschlichen Dokument des Weitermachens und unterstreicht, dass sich das Tara Clerkin Trio inzwischen längst zu einer der eigenwilligsten, aber auch brillantesten Stimmen der britischen Avantgarde-Pop-Szene entwickelt hat.



Aktuelles Album: Somewhere Good (World Of Echo/Cargo)



Weitere Infos: https://taraclerkintrio.bandcamp.com/ Foto: Peter Eason Daniels

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