
Es braucht jetzt gar nicht mal so viel prophetisches Geschick, das aus Elfi Wildgrube und Fabian Melfort bestehende Berliner Duo-Projekt Elfi als Next Big Thing in Sachen Indie-Deutsch-Pop auszuloben. Dabei haben Elfi (die Band) gerade mal eine handvoll Singles, die offizielle Debüt-EP "Emo Deluxe" und ein paar Live-Auftritte vorzuweisen - dafür dann aber ansonsten so ziemlich alles, was es braucht, um das Projekt zu der interessantesten deutschsprachigen Band seit Wir Sind Helden zu machen. Bevor sich Elfi und Fabian nun daran begeben, ihre Debüt-LP in Angriff zu nehmen, wollen wir schon mal abklopfen, was es mit den jungen Wilden so auf sich hat, die etwa beim letztjährigen Pop-Kultur-Festival das überraschte Publikum mit einer mächtig rockenden Live-Show begeisterten.
Dem Vernehmen nach haben sich Elfi und Fabian bei einer Jam-Session kennen und schätzen gelernt. Das legt nahe, dass es auch schon ein "Vorher" gegeben hat, oder? Was hat Elfi und Fabian denn überhaupt zur Musik gebracht?"Wir kommen beide aus musikalischen Haushalten und haben immer schon Musik gemacht", berichtet Elfi, "Musik ist einfach das geilste Medium um Menschen zu erreichen. Es ist einfach auch am persönlichsten und zugänglichsten von allem. Wir haben uns dann auf einer Jam-Session kennengelernt. Die werden hier in Berlin oft in sozialen Kulturzentren, Jugendhäusern oder Privat organisiert. Ich habe vorher Jazz-Gesang studiert und das Projekt Elfi zunächst alleine angefangen indem ich die beiden Songs 'Karussell' und 'Venus / Mars' geschrieben habe. Fabian hat dann bei diesem Track als Produzent mitgewirkt. Wir haben uns dann entschieden das Projekt zusammen zu machen und haben dabei den Kanal beibehalten. Deshalb auch der Name,"
"Und ich habe vorher in einer Jazz-Cover-Band gespielt", ergänzt Fabian, "und habe auch mein eigenes Projekt gemacht. Musik war für mich einfach immer da. Elfi hatte übrigens noch keine Live-Erfahrung bevor wir uns zusammen getan haben."
Das ist ein Umstand, der im Rückblick kaum vorstellbar erscheint, denn bei einem ihrer ersten Live-Konzerte - im letzten Jahr auf dem Pop-Kultur-Festival - überzeugten Elfi ja gerade eben mit ihrer Live-Präsenz. Wie setzte sich dann die Zusammenarbeit fort?
"Wir haben dann gemerkt, dass wir beide durch die gleiche Situation gingen", führt Fabian aus, "das war dann mehr als die Situation Künstler und Produzent erkennen ließ. Ich habe dann auch am Songwriting und an den Texten mitgearbeitet und auch eine eigene Identität als Instrumentalist entwickelt."
Das bringt uns zu einem interessanten Punkt: Warum hören sich alle bisher verfügbaren Elfi-Tracks jeweils vollkommen unterschiedlich an?
"Haha - also das ist den Umständen geschuldet, würde ich sagen", führt Fabian aus, "nachdem ich die Sachen ja produziert habe, kann ich ganz gut verstehen, wie das gekommen ist. Die Songs sind nämlich alle in unterschiedlichen Kontexten entstanden und auch an verschiedenen Orten produziert worden - mal im Studio, mal zu Hause am Laptop. Und die Songs haben ganz unterschiedliche Entstehungsgeschichten. Einige Sachen haben wir zum Beispiel mit Drums aufgenommen, andere ganz ohne. Die Songs sind dann so etwas wie Frankenstein-Monster geworden in der Art wie sie entstanden sind. Und wir sind ja auch dabei, unseren Sound erst zu finden und haben uns entschlossen erst mal alles auszuprobieren, was wir cool finden."
"Das war also auch ein bisschen Absicht", erklärt Elfi, "es kam auch dazu, dass wir dann neue Pedal-Boards ausprobiert und vor allen Dingen erstmals live gespielt haben. Wir sind auch der Meinung, dass es in Deutschland wenig unterschiedliche Arten von Genres gibt. Und da wollten wir ein bisschen Emo ins Deutsche reinbringen - beispielsweise indem wir auch Shoegaze-Elemente aufgenommen haben. Alles was wir im Englischen cool finden, haben wir dann für das Deutsche verwendet. Damit ist dann aber nicht gemeint, dass wir Emo-Musik machen, sondern mehr Emotionalität ins Spiel bringen wollten. Deswegen haben wir die EP auch 'Emo Deluxe' genannt."
Geht es dann auch darum, die druckvolle Live-Energie irgendwie im Studio einzufangen?
"Auf jeden Fall", bestätigt Fabian, "bei der EP ging es ja darum, in alle Richtungen auszuschwärmen. Nun weiß ich ja jetzt, welche Gitarrensounds ich behalten will und wie das Drum-Set-Up aussieht. Da habe ich dann eine Produktions-Basis und dann können wir einen Sound für das Album erzeugen. Wir wollen dabei auf jeden Fall organisch arbeiten und mit unserer Band aufnehmen. Wir haben neulich auch mal ohne Click im Studio gespielt - und ich denke, das werden wir auch beibehalten."
"Der Zeitgeist geht ja gerade dahin, Bedroom-Pop im Home Studio minimal und modern zu produzieren, Hip-Hop-Elemente, gleichbleibende, wenig dynamische Schwankungen zu verwenden und das Mikro gut zu komprimieren", erläutert Elfi, "da werden wir uns sicher etwas abgucken müssen weil wir ja auch in den Zeitgeist wollen - aber uns ist es auch wichtig lebendige, imperfekte Live-Elemente zu verwenden."
Was - neben des rauen, druckvollen Sounds von Fabians Gitarrenarbeit - sowohl die Studioproduktionen wie auch den Live-Vortrag betreffend - besonders auszeichnet, ist Elfi's Gesang, der einen hohen Wiedererkennungswert hat, weil sie die Silben und Vokale auf eigentümlich sehnsüchtige Weise zu dehnen versteht. Woher kommt denn das?
"Ich glaube, dass das sehr intuitiv so entsteht", erklärt Elfi, "aber ich komme vom klassischen Gesang. Ich habe viele Arien und Opern gesungen - und ich glaube, dass daher dieses Leidenschaftliche kommt. Für das Release Konzert haben wir zum Beispiel eine Arie geschrieben und da habe ich mal so richtig gezeigt, wie ich eigentlich Opern singen kann. Da waren einige sicher geschockt - wenn auch im positiven Sinne. Ich glaube aber, weil ich immer schon klassische Musik und Opern gehört habe, dass ich dieses Leidende auch heute gerne bei meinem Gesang verwende."
Bisher ging es ja nur um die Musik: Welche Funktion haben aber Elfi's Texte?
"Das ist auch wieder so ein Ding", gibt Elfi zu Protokoll, "ich finde, dass die deutsche Sprache eine schöne Sprache ist. Wenn man sie richtig anwendet, kann man das super-poetisch machen. Viele haben immer Angst davor und gehen dann automatisch auf Englisch. Für mich war das aber so, dass ich mit deutscher Musik aufgewachsen bin - mit Element Of Crime, Tocotronic oder den Ärzten. Für mich war immer klar, dass wenn ich etwas zu sagen hätte, ich das auch auf Deutsch tun wollte. Diese Peinlichkeitshürde, die viele haben, hatte ich eigentlich gar nicht. Ich kann auch einfach nicht so gut Englisch. Das muss ich ehrlich zugeben. Was mir wichtig ist, ist die deutsche Sprache nicht zu anglifizieren und zu nuscheln, wie das viele tun. Das passt einfach nicht. Deutsch ist eine komplizierte, präzise, direkte aber auch lyrische Sprache. So muss ich dann auch singen."
Wovon lassen sich Elfi dann inspirieren?
"Vom Leben", meint Elfi, "es ist nur so, dass wir uns überlegt haben, in Zukunft nicht mehr ausschließlich über persönliche Sachen zu schreiben, sondern uns auch mal als Autoren zu versuchen und andere Geschichten einzufangen - einfach um den Druck herauszunehmen, denn wenn man nur über sich selbst schreibt, dann muss man ja erst mal etwas Neues erleben, bevor es weitergehen kann. Das geht nicht, wenn man ständig Musik machen möchte."
Wie geht es dann jetzt weiter mit Elfi?
"Dieses Jahr kommen jetzt erst mal noch zwei Singles raus", erklärt Elfi, "dann beantragen wir eine Förderung. Wenn alles gut läuft, dann starten wir mit der Produktion des Albums im Juni. Wir wollen dann mit Band aufnehmen. Zur Zeit arbeiten wir an neuen Songs und im April spielen wir auf der c/o Pop in Köln."
Aktuelle EP "Emo Deluxe" (Staatsakt)
Foto: Jeremy John

