
Ihre Laufbahn als Songwriterin begann die englische Musikerin Katherine Priddy 2018 nach einem Literaturstudium, mit dem sie zunächst die Grundlagen für ihre Fähigkeiten als Geschichtenerzählerin und Lyrikerin legte, bevor sie sich dann daran ging, diese Fähigkeiten als Folk-Sängerin mit ihrer Debüt EP "Wolf" praktisch anzuwenden. Mit ihrem Debütalbum "The Eternal Rocks Beneath" gelangte sie dann auch gleich auf die Nummer 1 der UK-Folk-Charts, wurde vom Guardian als neues "Folk Wunderkind" ausgelobt und von Richard Thompson als "das Beste, was er im letzten Jahr gehört hatte" bezeichnet.
Diese Position festigte sie 2024 mit ihrem zweiten Album "The Pendulum Swing" - auf dem sie aber bereits das stilistische Angebot deutlich ausweitete. Mit dem nun vorliegenden, dritten Album "These Frightening Machines" schlug Priddy nun mit Hilfe des Produzenten Rob Ellis - der für seine enge Zusammenarbeit mit PJ Harvey bekannt ist - und des Songwriter-Kollegen und Multiinstrumentalisten Ben Christophers ein neues musikalisches Kapitel auf und führte ihre musikalische Darbietung in eine experimentellere Indie-Pop-Richtung. Welche Rolle spielte denn Rob Ellis in dem Zusammenhang? Hatte er einen großen Einfluss auf den Sound des Projektes?"Zu 100%", bestätigt Katherine, "ich denke er war sehr gut darin, mich zu ermutigen mich aus meiner Komfortzone hinaus zu bewegen. Einige seiner Vorschläge waren sehr überraschend für mich, denn er drängte mich immer ein bisschen weiter, als ich von mir aus selbst gegangen wäre. Es war auch Robs Idee, Torres als Gesangspartnerin für das Duett 'Madeleine' zu engagieren, dass ich über Frauen in der Musikbranche geschrieben habe. Dann ist es ja auch so, dass mein Songwriter-Kollege und Multiinstrumentalist Ben Christophers, der auch bei der Produktion des Albums mitmachte, mit interessanten Sound-Ideen aufwartete. Ich sagte mir dann immer: Ich bin mir jetzt zwar nicht sicher, ob das funktioniert, aber wir sollten es ausprobieren. Und oft genug war es dann auch perfekt."
Dabei nahm Katherine ja gewisse Risiken in Kauf - indem zum Beispiel die Aufnahmen vergleichsweise unpoliert klingen und auch klanglich mit ungewöhnlichen Spielereien angereichert sind.
"Obwohl die Musik, die ich bislang gemacht habe, schon grundsätzlich folky war und ich auch das Genre und die Szene mag - und das auch die Art von Musik ist, zu der ich mich grundsätzlich hingezogen fühle - bin ich aber doch diesem Genre nicht loyal gegenüber und habe ich mich nie einem bestimmten Genre verpflichtet gesehen. Ich habe mich also nie hingesetzt und gesagt: 'Das soll jetzt aber folky klingen'. Es ist einfach nicht gut, sich auf diese Weise zu limitieren. Anstatt zu sagen, wie etwas klingen sollte, sollte man sich fragen, wie ein Song - oder ein ganzes Album - klingen möchte. Nehmen wir zum Beispiel den Song 'Hurricane'. Der sollte nie wie ein traditioneller Folksong klingen, weil ich ihn nicht wie einen solchen geschrieben habe. Man muss offen für alles Mögliche sein. Ich höre zum Beispiel privat gerne Rock und Metal-Musik. Auch wenn sich das in meiner Musik nicht niederschlägt, beeinflusst mich das dann doch irgendwie. Man muss wirklich dem Gefühl widerstehen, sich von Genres und Erwartungshaltungen einengen zu lassen."
Katherine Priddy ist keine Songwriterin, die sich mit ihrem Material alleine auf sich selbst fokussiert, sondern stattdessen einen universellen Ansatz verfolgt, übergeordnete Konzepte zu thematisieren - oft verwoben mit philosophischen, mythologischen und spirituellen Aspekten. Wie sieht sie selbst die Art, in der sie ihre Songs anlegt?
"In vielerlei Hinsicht betrachte ich mich als ziemlich private Person", führt sie aus, "ich würde auch sogar sagen, dass dieses Album mein bislang persönlichstes ist. Es gibt einige Songs, die ich als ziemlich persönlich bezeichnen würde. Aber ich möchte nicht, dass die Leute die Songs als Songs über mich hören, sondern ich möchte, dass sie das Material auf ihr eigenes Leben beziehen können. Meine Songs sollen immer offen für eine eigene Interpretation sein. Deswegen verwende ich auch gerne Elemente aus der Mythologie oder Folklore, denn dort werden Geschichten ja oft über Metaphern erzählt."
Welche Funktion hat denn Katherine's Songwriting für sie selbst? Viele ihrer KollegInnen betrachten die Musik ja als therapeutisches Hilfsmittel.
"Das ist schwierig zu beantworten", zögert Katherine, "ich betrachte Musik nicht als Therapie. Ich habe nie das Gefühl, dass ich über dieses oder jenes schreiben muss, um damit klar zu kommen. Es geht eher darum, dass ich über Dinge schreibe, die mich interessieren oder die ich gerade untersuche. Natürlich hat das eine gewisse kathartische Wirkung. Ich sage immer, dass ein Song so lange Dir gehört, wie Du daran arbeitest; aber in dem Moment, in dem Du ihn veröffentlichst, er allen anderen gehört. Das ist sehr heilsam. Ich erkläre den Leuten auch nicht, was genau ein Song bedeutet. Das spielt keine Rolle, denn er kann Dir ja etwas ganz anderes bedeuten als mir. Auch das ist heilsam. Songs zu schreiben ist ja auf der einen Seite auch eine ganz schön egoistische Sache. Es ist aber auf der anderen auch auch eine großartige Weise, sich auszudrücken. Ich denke auch, ich bin besser darin, mich über meine Songs auszudrücken, als etwa in Konversationen."
Was Katherine's Songs auch auszeichnet ist, wie sie - mit Hilfe von Metaphern und Aphorismen - Erinnerungen verwaltet.
"Da stimme ich total zu", meint sie, "Ich bin geradezu besessen von diesem Gefühl von Nostalgie, die mit dem Schreiben von Songs einhergeht. Mein letztes Album beschäftigte sich zum Beispiel viel mit meiner Kindheit und den Umständen meines Erwachsenwerdens. Ich wollte da zum Beispiel die Geräusche von quietschenden Bodendielen und des Hauses, in dem ich aufgewachsen bin einbinden. Auch auf diesem Album gibt es noch Elemente der Nostalgie zu finden. Ich liebe so etwas - denn das sind Gefühle, die man nicht so recht in Worte packen kann - wohl aber mit der Musik einfangen. Das ist ein großer Teil meiner Musik."
Das Thema des Albums ist ja eine Art Reflexion über die verschiedenen Aspekte der Weiblichkeit. Was will uns denn in diesem Zusammenhang das Artwork des Albums sagen - das aus einem unscharfen, verwackelten Foto von Katherine besteht.
"Das Foto ist entstanden, als wir das Video zu dem Song 'Matches' geht, in dem ich über die Wahrnehmung von Hexen spreche", berichtet Katherine, "auf den letzten beiden Alben war einfach immer mein Gesicht zu sehen - das wollte ich dieses Mal aber nicht. Ich wollte vielmehr, dass es dieses Mal etwas verwaschener, flüchtiger, verzerrt und abstrakter aussehen sollte. Es sollte dabei auch keineswegs wie ein Folk-Album aussehen - eher wie ein Hardrock-Album. Wie gesagt, mögen meine Songs ja persönlich sein - aber es sollte ja nicht um mich gehen - wie noch auf dem letzten Album 'The Pendulum Swing' - sondern um das Album als Ganzes und größere Zusammenhänge."
Mit dem neuen Album "These Frightening Machines" betritt Katherine Priddy also nicht nur musikalisches, sondern auch inhaltliches Neuland und überrascht somit mit einem Folk-Album, das aber eigentlich keines mehr ist - und auch für Freunde des Indie-Pop einige interessante und spannende Aspekte birgt. Eine Tour ist allerdings erst für den Herbst angesetzt - wird dann aber auch in unsere Breiten führen.
Aktuelles Album: These Frightening Machines (Cooking Vinyl / Indigo)
Weitere Infos: https://www.katherinepriddy.co.uk Foto: Matty Deveson

