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CHRISTIAN HERZOG

Aktion Phoenix

(Wunderlich/Rowohlt, 508 S., 25,00 Euro)

Vielleicht lag es an den geschmacklosen Überlegungen einiger Berliner Lokalpolitiker, es ausgerechnet für 2036 nochmal mit einer Bewerbung um die Ausrichtung des Olympische-Spiele-Spektakels zu versuchen, vielleicht kam die Inspiration aber auch ganz woanders her - auf jeden Fall bildet die sich auf "Olympia 1936" vorbereitende Hauptstadt des Nazi-Reichs die Kulisse für diesen nicht unbedingt auf wahren Begebenheiten beruhenden, aber eben auch nicht komplett kontrafaktischen Krimi. Da ist eine studentische Widerstandsgruppe, die nach riskanten nächtlichen Plakataktionen als Höhepunkt die Verteilung Tausender Anti-Hitler-Flugblätter während der Eröffnungsfeier plant. Da ist ein Mitarbeiter von Goebbels’ Propagandaministerium (hier gern als "Promi" abgekürzt), der aus Liebes- und (zumindest leichten) Gewissens-Gründen in einen Loyalitätskonflikt geworfen wird. Und da ist ein junger Kellner aus dem Schwarzwald, der mehr oder minder zufällig Mitglied der Crew des Zeppelins "Hindenburg" wird und mit selbigem über dem Olympiastadion kreisen soll, während "der Führer" die Spiele eröffnet. Wie es sich für einen ordentlichen KriminalRoman gehört, sind deren Schicksal auf geheimnisvolle Weise miteinander verflochten: der mit einer Industriellentochter verheiratete Promi-Mann liebt die rebellische Kunststudentin, die wiederum assistiert Leni Riefenstahl beim "Olympia"-Kunstfilmen, wobei die resolute Nazi-Regisseurin großen Wert darauf legt, auch vom Luftschiff aus drehen zu können. In selbigem findet der Stewart erst über Berlin heraus, dass die "Hindenburg" gezielt zum Absturz gebracht werden soll… wir wollen aber nicht zu viel verraten. "Phoenix" sind dabei eigentlich zwei Aktionen, denn ironischerweise geben die Nazis ihrem perfiden Plan den gleichen Decknamen wie die Kunststudenten. Das um diese Aktionen kreisende Buch ist zwar ein Unterhaltungsroman, aber einer mit dem Anspruch, seine Leser auch zur Reflexion über Gewissenskonflikte, politische Abhängigkeiten, (un)moralische Karriereoptionen und Mut zum Widerstand anzuregen. Gut unterhalten werden sie (die Leser) hier sowieso.
Weitere Infos: › www.rowohlt.de/buch/9783805201063


Februar 2024
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