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THOMAS MEYER

Was soll an meiner Nase bitte jüdisch sein?

(Elster & Salis, 127 S., 18,00 Euro)

Thomas Meyer – so viel für die, die bei diesem Namen nicht ohnehin interessiert aufhorchen – ist jener Buchautor aus Zürich, dessen Erstling 2012 so erfolgreich war, dass es für "Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse" nicht nur die Nominierung für den Schweizer Buchpreis und wenig später eine (für Herrn Meyer sicher und verdientermaßen lukrative) Taschenbuchausgabe bei "Diogenes" inkl. Fortsetzung und Verwertung als Hörbuch und Spielfilm, kurz eine ganze Menge Blumen für ein zunächst eher exotisch erscheinendes Thema, nämlich die AdoleszensProbleme eines jungen orthodoxen Juden in Zürich-Wiedikon, gab. Aber wo viel Licht, da auch viel Schatten, denn durch dieses "Outing" als Schweizer Jude wurde Meyer mehr oder weniger freiwillig zum Experten, ohne wirklich gläubig zu sein, geschweige denn den Mizwot zu folgen. Zum Experten für Minderheiten, für Ressentiments, für Diskriminierung, für Ungerechtigkeiten und Vorurteile aller Art. Neuerdings sicher auch für Fake News und modernes Brunnenvergiften. Obschon alles andere als religiöser Eiferer oder gar Anwalt zionistischer Machtdemonstrationen (gerade lodert der unlösbare Israel/Palästina-Konflikt wieder auf), erfuhr Meyer im Privaten wie Öffentlichen vielfach persönliche Angriffe, bisher gottlob nie physischer Art, aber mit subtilen oder ganz platten Voreingenommenheiten, missglückten Witzen und (im besten Fall) Gedankenlosigkeiten. Diesen "Antisemitismus im Alltag" prangert Meyer mit seinem gelungenen Essay an, nicht ohne sich im letzten Drittel des Buches auch Gedanken darüber zu machen, wo bei ihm selbst die Vorurteile sitzen und was gegen jene zu unternehmen ist. Lesen, Nachdenken, Schlüsse ziehen, Verhalten ändern!
Weitere Infos: › www.thomasmeyer.ch


Juni 2021
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