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MARC-UWE KLING

Die Känguru-Rebellion

(Ullstein, 287 S., 14,99 Euro)

Zwar meine ich mich zu erinnern, dass der Herr Kleinkünstler Kling vor Jahren der Meinung war, seine Berichte aus dem Zusammenleben mit dem anarchistischen Känguru wären nach den Chroniken, dem Manifest, der Offenbarung und schließlich den Apokryphen nunmehr auserzählt – aber zum einen mag ich mich täuschen und zum anderen braucht(e) die Welt vielleicht tatsächlich neue ... ähm, …, hm, …, naja – Anregungen? Die liefert dieser kleine Aufruf zur allgemeinen Rebellion ("Gegen die Zustände.") durchaus. Denn neben den diversen, inzwischen an vielen Stellen angesichts der gerade erwähnten "Zustände" kaum noch satirisch zu nennenden Darstellungen allgemeiner und konkreter Ungerechtigkeiten, Schweinereien und Widrigkeiten enthält das Buch nicht nur einen "Anhang für Faktenfreunde" mit untersetzenden Quellenangaben zu einigen in den einzelnen Texten aufgeführten "Zuständen" sondern – sozusagen als Serviceleistung für Faule oder Begriffsstutzige – einen "Anhang für Leute, die gegen die Zustände rebellieren wollen" mit ganz konkreten Initiativen, die etwas ebenso Konkretes tun. Das reicht von "Digital Independence Day" bis "Finanzwende" und ist durchweg unterstützenswert. Gut auch, dass der Autor nicht nur zum Spenden, sondern ("noch besser") zum Mitmachen aufruft. Kritik ist aber nicht nur an den "Zuständen" zu üben, sondern – zumindest hier und da – auch an diesem Text. Denn auch wenn wohl jeder an einigen Stellen unwillkürlich laut lachen muss – diese Stellen werden im Vergleich zu den voran gegangenen Bänden weniger. Wohl auch, weil Kling deutlicher wird in der Beschreibung der "Zustände", was wohl zwangsläufig zu einem trockene(re)m Ton führt. Zudem sind die einzelnen Kapitel eher Anekdoten als Teile einer irgendwie zusammenhängenden Handlung, die dicksten rote Fäden sind da noch die von Herta in ihrer Eckkneipe aus dem Rebellionsstammtisch entwickelte "Pottkaast"-Reihe "Bei Herta" (das "unrejelmäßije Rebellionsformat mit die üblichen Verdächtige" samt wechselnder Sponsorendurchsage), der legendäre letzte Mangojoghurt und CDU-Mitglied Herr Schmulmann. So entwickelt sich die Rebellion zu einer Nummernrevue aus als Satire verkleideten Tatsachenbeschreibungen – nicht unähnlich der legendären ZDF-"Anstalt". Was nebenbei bezeichnend für den traurigen Zustand der für solcherlei Darstellungen der noch traurigeren Realität ja eigentlich zuständigen "vierten Gewalt" ist – der deutsche Qualitätsjournalismus liegt ganz offenkundig siech darnieder (ich z.B. habe mein ZEIT-Abo vor einigen Tagen gekündigt). Mangojoghurt, Kaffeesucht und Merz-Wortspiele sind also die letzten Running Gags, aber schlecht sind diese Texte deshalb noch lange nicht. Känguru-Kenner freuen sich sicher, wenn an einer Stelle Julia Müller in ihrer Talkshow mal wieder grundlos "Ahahamuhmuhmuh" lacht und vermissen ebenso den antagonistischen Pinguin; Känguru-Fans kaufen dieses Buch (hoffentlich) sowieso und alle anderen irgendwie am Welterhalt Interessierten sollten genau das auch tun. Dümmer wird man hier auf keinen Fall!
Weitere Infos: www.ullstein.de/werke/die-kaenguru-rebellion/taschenbuch/9783548074108


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