
(Penguin, 302 S., 24,00 Euro)
Bekannt wurde der studierte Historiker Rebanks mit einem Buch über sein Leben als Schäfer im äußersten Nordwestens Englands und einem weiteren über "Mein englisches Bauernleben" – beide sollen recht eskapistisch und vielleicht sogar ein klein wenig reaktionär sein. Was ich aber nicht beurteilen kann, denn ich habe bisher keines davon gelesen. Die Ankündigung zur "Insel am Ende der Welt" hingegen las sich recht interessant: hier würde berichtet von einer Reise in "die raue Landschaft der norwegischen Inseln des abgelegenen Vega-Archipels, … deren wilde Natur von den Gezeiten geprägt ist. Dort machte er die Bekanntschaft von Anna, einer der letzten "Entenfrauen", die jedes Jahr mehrere Monate auf kleinen Eilanden fernab der Zivilisation verbringen." Solche Lebensweisen und -entwürfe erscheinen uns zentralheizungsgewärmten Mitteleuropäern mit (mehr oder minder) stabiler Mobilfunkversorgung exotisch, unkonventionell und – aus sicherer Entfernung – auch reizvoll. Die Beschreibung der überwältigenden Natur der in etwa auf der Höhe von Island westlich des norwegischen Festlands liegenden Inseln gelingt Rebanks sehr berührend, auch wenn diese hier und da von Melodramatik und Larmoyanz getränkt ist. Aber schon seine eigentliche Motivation, in das Leben der dort ansässigen Menschen einzutauchen, bleibt seltsam verschwommen: Mal wieder dem Berufsstress entkommen, raus aus der kapitalistischen Tretmühle, die gemachten Fehler im Lebensentwurf endlich korrigieren… ich denke, der Mann ist schon ein tiefenentspannter englischer Bauer und/oder Schäfer? Wie auch immer – ich habe aus diesem Buch zumindest gelernt, dass vor Vega tatsächlich Menschen (in aller Regel Frauen) ihren Lebensunterhalt damit verdienen, wilde Eiderenten anzulocken: "Sie bauen Häuser für die Eiderenten, deren kostbare Daunen sie sammeln, wenn die Jungen die Nester verlassen." Das ist eine schwere, kraftraubende und einsame Arbeit, die jedoch ganz sicher auch ihre schönen, quasi meditativen Momente hat. Beide Seiten beleuchtet Rebanks in diesem Buch, das den Alltag von "Anna" erzählt, einer in die Jahre gekommenen Entenfrau, die Rebanks in ihrer letzten Saison begleitete. Doch die Geschichte kommt nur zäh voran, dreht immer wieder die gleichen erzählerischen Runden – damit mag Rebanks zwar dem geschilderten LebensRhythmus nahekommen, er läuft aber zugleich Gefahr, seine Leser doch ein wenig zu langweilen. Die Sympathie, mit der er Annas Alltag und ihren Charakter schildert, ist reizend und nett, aber vielleicht auch etwas distanzlos und verklärend. Wie auch immer – für mich ist dieses Buch ein zweischneidiges Schwert, für andere womöglich ein großes Leseabenteuer.Weitere Infos: www.penguin.de/buecher/james-rebanks-insel-am-rand-der-welt/buch/9783328604198

