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THOMAS LEHR

Kafkas Schere

(Wallstein, 86 S., 18,00 Euro)

Thomas Lehr? Das ist doch der mit "Manfred", dem von einem außerirdischen WeltenRetter Besessenen, den wir in WZ 12/23 sehr gut fanden (wobei wir den Autoren so unerklärlich wie unverzeihlich nicht Lehr, sondern Leer buchstabierten)? Was hat der mit Kafka zu tun? Außer, dass er schon bei Manfred ein feines Gespür für die Absurdität des Alltags aufblitzen ließ? Und außer dass er höchst elegant und elaboriert zu formulieren weiß, ohne an Lesbarkeit zu verlieren? Reicht doch eigentlich – dachte Lehr wahrscheinlich auch und brachte über die Jahre einige Fingerübungen zu Papier, die den Prager Meister nicht kopieren oder nachahmen, sondern nachfühlen und adaptieren. Insgesamt 10 Etüden (die Lehr auch als solche bezeichnet) finden sich, einige erschienen in zuerst "Sinn und Form", die siebte in "Literaturen" und in einem Kafka-Sammelband. Es geht um gruselige Hunde ("Tage ohne Kopf" vermengt Kafka mit Poe) und Menschen, die plötzlich anfangen zu fliegen; man sinniert über den "Verborgene(n) Sisyphos" und "Das Kinesische Zimmer" – immer schwingt kafkaeske Bedrängtheit und surreale Symbolik durch die Texte. Die sind handwerklich perfekt, eigenständig und doch als auch Hommage zu verstehen. Vielleicht bis auf die abschließende Geschichte "Orpheus / Gesang der Köpfe im Styx" in der es genau um das geht, was der Titel verspricht. Die ist eher Überleitung in "Manfred"s Welt...Ein schönes, kunstvoll gestaltetes (wenn auch dünnes) und tatsächlich sehr kafkaeskes Buch.
Weitere Infos: › www.wallstein-verlag.de/9783835355866-kafkas-schere.html


April 2024
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