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JAZZJANZKURZ

V.A.

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Echtzeit/ImprovisationsMusik lebt oft sehr vom unmittelbaren Live-Eindruck, von der Resonanz der Kraftfelder der beteiligten Musiker, die sich idealerweise auf das Publikum überträgt. Einer jener Künstler, denen dieses Kunststück nach meiner Wahrnehmung sehr oft gelingt ist der Trompeter AXEL DÖRNER, den die Jungs vom Bohemian Drips-Label zusammen mit dem Elektroniker RICHARD SCOTT 2017 im Rahmen ihres ersten "Speicher"-Festivals im Wasserturm am Prenzlauer Berg spielen ließen. Schön, dass dieses Event jetzt als "A Journal of Elasticity"(Bohemian Drips) auf Vinyl dokumentiert wird, denn wie sich Dörners BlechAtmen mit den wilden SchaltkreisSounds aus Scotts Gerätepark verschränkt, ist unbedingt hörenswert. 5
Der belgische drummer Teun Verbruggen, den wir nicht nur bei The Bureau Of Atomic Tourism schätzen gelernt haben, bringt mit CRAM RATION ein neues Projekt an den Start. Gemeinsam mit den beiden Gitarristen Vitja Pauwels und Cesar De Sutter-Pinoy entwirft er auf "Cram Ration"(RAT) ein dystopisches Gebilde aus martialen SaitenEinwürfen, filigranen NoiseWaschungen und mal ruppiger, mal schmeichelnder Perkussion. 4
Auch der SaxMan QUENTIN ROLLET gräbt sich seit Jahren durch den Untergrund, mit dem ComputerSpieler ANDREW SHARPLEY firmiert er als Q&A und das ist "The New Me". Vielleicht sind die SaxImpros zu RechnerWolken etwas vorhersehbar, aber unterhaltsam anstrengend ist das schon. 3
Mit ALEXEI BORISOV (git), JÉRÔME LORICHON (electr.) und OLGA NOSOVA (dr) formt QUENTIN ROLLET einen anderen KlangKörper, dessen "Shampanskoye"(beide ReQords) mehr prickelt. Hier reiben sich analog vibrierende Luftsäulen an den überhitzten Schaltkreisen und auch die Stimmen der Beteiligten kommen zwischen all den rauschenden Effekten gern zu Gehör. Avantgarde zum verlieben. 4
Auch keine Alltagsware ist "NA-REUL"(Corbett vs. Dempsey), die 3. Folge der Black Cross Solo Sessions der koreanischen Cellistin OKKYUNG LEE. Das Instrument heult ganz wundervoll durch die Szenerie, manchmal klingt das nach WolfsMeute, dann wieder (z.B. bei "Mountains") klassisch-melancholisch, manchmal nach ElektroAkustik und oft ist das Knarren des CelloKörpers ein wesentliches AusdrucksMoment. 5
Die Kölnerin JULIA BRÜSSEL wird vom Info als (Free)Jazz-Geigerin vorgestellt, doch ist die von The Dorf oder hilde bekannte ImprovKünstlerin alles andere als Puristin. Mit dem (ersten) Ton Steine Scherben-drummer WOLFGANG SEIDEL, FRANK GRATKOWSKI (bcl – unter wirklich vielem anderen auch immer wieder bei Zeitkratzter aktiv) und LOTHAR OHLMEIER (sax, fl) entfaltet sie auf "TOC"(Umland) einen faszinierenden Kontrast aus eher schwebend-getragenen SemiMelodieBögen von Geige oder Bassklarinette und der fraktalen Struktur der rhythmusgebenden Abteilung, im freien Rollentausch durch hochnervöse Bläsereien konterkariert. Jedes Stück spielt im Titel mit der Buchstabenfolge TOC (selbst am "Kottbusser Toc") und auch der Liedfetzen zerrauschende heftige SynthNoise am Ende von "Toctophon" (und damit auch am abrupten Ende dieser schönen Platte) macht großen Appetit auf mehr. 5
"Slåttesong"(Heilo) heißt die Kollaboration der Sängerin MARGIT MYHR mit dem Hardangerfidel-Meister ERLEND APNESETH. Skandinavische FolkloreTunes, sehr puristisch und traditionell und deshalb – bei aller unbestreitbaren Qualität – tatsächlich Spezialistenprogramm. 3
Auch fordernd, aber deutlich experimenteller sind die 9 Stücke aus GesangsKunst und Elektronik+"prepared zither", die SISSEL VERA PETTERSEN & RANDI PONTOPPIDAN auf "Inner Lift"(Chant) präsentieren. Ätherisch-strenge Schönheit, Askese und KlangReichtum in einem. "All Tracks improvised live, no overdubs." 5
Wechseln wir mal zu eher akademischen Ansätzen: Die schwedische Violinistin EVA LINDAL und der Pianist VIRG DZURINKO entdecken gemeinsam "The Hidden Music of Sofia G."(Sharakan), wobei mir der Name der armenischen Komponistin Sofia Ganeshian nichts sagt(e), einiges kann man jetzt aus dem CD-booklet lernen. Die Duette, die hier erklingen, entstanden in den 1930er bis 50er Jahren und überraschen mit einer (für diese Zeit) sehr aufregenden Mischung aus Lethargie und Experiment. 4
BRAD MEHLDAU hat mit dem ORPHEUS CHAMBER ORCHESTRA (s)eine Vision umgesetzt: "Brahms wachte eines Morgens auf und hatte den Blues." Die aus diesem Ansatz entwickelten "Variations on a Melancholy Theme"(Nonesuch) fusionieren klassische Formen mit JazzHarmonien, bleiben aber sehr "überlegt". 3
Aus einer Unmenge von kaum benennbaren Einflüssen schöpfen MARRIAGE MATERIAL auf ihrer s/t-CD(Leopard). Mit git-dr-b-vib/marimba/synth schüttelt das Quartett Funk, Fusion, Rock, Jazz und und und in den Mixer, schüttelt gut durch und spielt ganz unbeschwert auf. Ja, Weather Report/Zawinul hört man raus, aber das hier geht weit über Epigonisches hinaus. 4
Traditionsbewusst ist auch MICHEL PORTAL (bcl, sax), der gemeinsam mit Nils Wogram (tb), Bojan Z (p, key), Bruno Chevillon (b) und Lander Gyselinck (dr) ein luftig-leichtes JazzClubJazz-Kleid webt. "MP85" heißt so, weil der Mann inzwischen unglaubliche 85 ist und dennoch voller SchöpferKraft. 4
Mit einem klassisch besetzten JazzTrio tritt EDWARD PERRAUD an. "Hors-Temps"(beide Label Bleu) zeigt die eher lyrische Seite des DAS KAPITAL-drummers, denn hier regiert sanfte p-b-dr-Schönheit, bei zwei Stücken unterstützt durch Erik Truffaz’ Melancho-Trompete. 4
Und verabschieden wollen wir uns mit einer schön schrägen Zusammenarbeit des in JazzKreisen bestens eingeführten norwegischen Kitchen Orchestra mit slowakischen Roma-Musikern und der großen Iva Bittová. Das BandProjekt heißt ANGRUSORI und "Live at Tou"(Hudson) ist ein sehr spannender Hybrid aus RomaTunes, AvantJazz und großer GesangsKunst. 4

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