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ALIN COEN

Kein Tagebuch

ALIN COEN

2010 veröffentlichte Alin Coen zusammen mit ihrer Band ihr Debütalbum „Wer bist Du?“ und präsentierte sich weiland als multilinguale Songwriterin mit einem eigenständigen musikalischen Konzept. Jedoch suchte sie schon damals nicht nach einer typischen Pop-Star-Karriere und vermied die üblichen Mechanismen des Business. Den Kontakt zu ihren zahlreichen Fans suchte sie stets über ihre Live-Auftritte und die Erfüllung sah sie nicht in der regelmäßigen Veröffentlichung von Tonträgern, sondern anderweitig – etwa als Mutter, durch Arbeit für Greenpeace oder ein Studium in den Niederlanden.

Heutzutage lebt Alin in Berlin und hat – nach sieben Jahren Veröffentlichungspause – auch wieder Zeit und Muße gefunden, ihre Songs mal wieder auf einem Tonträger zu verewigen. Was war denn der Anlass dafür?

„Ich hatte das Gefühl, dass es jetzt weiter gehen kann“, erzählt Alin, „ich hatte ja auch für Greenpeace gearbeitet und mir überlegt, dass ich Umweltaktivistin werden könne, weil das sinnstiftender sein könnte, als Musikerin zu sein. Ich habe dann aber sehr schnell gemerkt, dass ich als Musikerin sehr viel inspirierter bin, denn als Umweltaktivistin.“ 
Auf dem neuen Album präsentiert sich Alin als Liedermacherin konsequent auf Deutsch. Hat das einen besonderen Grund?

„Früher war es ganz natürlich für mich, auf Englisch zu singen“, erinnert sich Alin, „und zwar deswegen, weil ich mich in einer Umgebung bewegte, mit der ich auf Englisch gesprochen habe. Englisch war also damals für mich eine Gebrauchssprache und im Moment ist das eben nicht mehr so.“

Es haben sich ja mittlerweile auch die Hörgewohnheiten gehört. Heute ist es ja auch selbstverständlicher Deutsch zu singen.

„Ja, das kann sehr gut sein“, bestätigt Alin, „ich höre mir selbst allerdings gar nicht so viele Deutsche Musik an – außer vielleicht von den Kollegen, um zu wissen, was die so machen.“ 

Was war denn dieses Mal die musikalische Motivation für Alin? Das meiste ist ja auf klassischer Piano-Basis entstanden – aber es gibt auch druckvolle, poppige Up-Tempo-Songs.

„Puh – das ist das, was aus mir so rauskam“, überlegt Alin, „das Problem ist, dass ich am Klavier schnell in so einen elegischen Modus reinfalle – einfach weil sich das so schön anhört - und mir deswegen überlegt hatte, dass ich ja nicht gut ein ganzes Album mit Balladen machen könnte. Deswegen habe ich mir auch mal meine E-Gitarre genommen und diese an den Verstärker angeschlossen - und dabei sind dann spaßige, rockige Lieder wie 'Held' dabei rausgekommen.“ 
Einen großen Anteil am Sound der Scheibe hat mit Sicherheit auch der schwedische Produzent Tobias Fröberg, der vorgeschlagen hatte, die Songs mit Band live im Studio einzuspielen.

„Ja, das hat mir sehr gefallen“, bestätigt Alin, „denn das Produzieren war für mich bis dahin immer ein sehr kräftezehrender, langwieriger Prozess gewesen. Live einzuspielen und dann abzuschließen hat etwas sehr Befreiendes, weil man nämlich ansonsten zu sehr ins puzzlen gerät und sich dann alles zu lange hinzieht. Was im Studio entstanden ist, ist dann sehr spontan entstanden – wir hatten die Songs vorher nicht als Band geprobt.“ 
Ist der Titel des Albums - „Nah“ - gleichzeitig das Leitmotiv?

„Der Titel ist erst ganz spät dazu gekommen“, räumt Alin ein, „der Titel war für mich zunächst ein großes Fragezeichen, weil ich normalerweise einen Songtitel nehme. Zu dem Titel bin ich eigentlich nur gekommen, weil mir vorgenommen hatte, jenen Titel zu nehmen, mit dem im Kopf ich morgens aufwache.“

Nun passt der Titel doch recht gut zu den Songinhalten. Dabei geht Alin ziemlich selbstkritisch mit sich um und räumt auf persönliche Weise eigene Fehler ein. Gibt es eine Technik in Bezug auf die Inhalte?

„Das ist schwierig zu sagen“, zögert Alin, „es ist alles nicht autobiographisch im Sinne einer Dokumentation – aber es ist insofern autobiographisch, als dass ich eine Ansammlung von Erfahrungen mit mir herumschleppe, die ich dann aus einer Stimmung heraus als Beginn einer Geschichte verwende, wenn ich mich hinsetze, um Songs zu schreiben. Es geht aber nicht um das Erklärung dessen, was mir passiert ist. Das hat natürlich viel mit mir zu tun, es ist aber kein Tagebuch.“
Wollen wir hoffen, dass Alin Coen sich bis zum nächsten Album dann nicht wieder 7 Jahre Zeit lässt. Bereits angepeilte Tourpläne mussten Corona-bedingt ja leider erst ein Mal ins nächste Jahr verschoben werden.

Aktuelles Album: Nah (Pflanz einen Baum / RTD ) VÖ: 28.08.

Foto: Sandra Ludewig

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