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DANA GAVANSKI

„Songs schreiben sich nicht von selbst“

DANA GAVANSKI

Derzeit scheint sich alles in Gold zu verwandeln, was Dana Gavanski anfasst. Nach ihrem fabelhaften LP-Debüt ´Yesterday Is Gone´ im Frühjahr, auf dem sie beindruckend gelassen ihre Emotionen in herrlich sanfte, aber doch betont selbstbewusste Indie-Folk-Nummern mit dezentem Vintage-Charme fließen ließ, lässt die heimliche Newcomerin des Jahres mit der EP ´Wind Songs´ nun fünf während des Lockdowns in ihrer Wahlheimat London aufgenommene Coverversionen folgen, die ihren bisherigen Weg nachzeichnen.

Mit ihren ´Wind Songs´ zieht Dana Gavanski nah am Sound ihres Erstlings den Hut vor Inspirationen wie King Crimson (´I Talk To The Wind´) und Tim Hardin (´Never Too Far´), definiert aber auch weiter ihren eigenen Stil und findet neue klangliche Ideen für ihr nächstes Album. So überträgt sie bei ´The Kiss´ die einnehmenden Orchesterparts Judee Sills fantasievoll in ein simples, aber effektives Synthesizer-Arrangement oder vereint bei ´At Last I Am Free´ subtilen Indie-Folk mit dem souligen Charme des Chic-Originals. Ganz nebenbei hat sie hier auch noch die Gelegenheit, mit der feinen A-cappella-Version des mazedonischen Volkslieds ´Jano Mome´ den Einfluss ihrer Großmutter auf ihr Tun zu unterstreichen. ´Wind Songs´, das wird schnell klar, ist Gavanskis Biografie in fünf wunderschönen Songs.

Damit schließt die EP praktisch nahtlos an das Ende März erschienene LP-Debüt an, denn hier wie da gilt: Was andere selbst mit größten Anstrengungen nicht schaffen, klingt bei Gavanski ganz leicht, wenn sie mit bemerkenswerter Sachlichkeit und Abgeklärtheit weit jenseits ihrer jungen Jahre brilliert.

„Ich denke, der Ausgangspunkt dafür ist mein Bestreben, mein Bedürfnis nach Kontrolle zu überwinden!“, erklärt sie im Westzeit-Interview, „zu lernen, loszulassen und mich und meinen Verstand besser zu behandeln, weil ich zuvor sehr darunter gelitten habe, ständig Kontrolle zu brauchen und haben zu wollen. Es kommt auch davon, zu schüchtern zu sein, Dinge zu fordern und absolutistische Aussagen in meinen Texten zu machen, auch wenn ich die Schüchternheit in diesem Punkt langsam ablege.“

Während viele ähnlich inspirierte Singer/Songwriterinnen heutzutage gerade auf ihren ersten Platten gerne auf die ungefilterte Emotionalität ihres Tagebuchs zurückgreifen, versucht Gavanski, selbst in Liedern mit autobiografischem Kern eine gewisse emotionale Distanz zu wahren und sich das Erlebte wie eine Beobachterin von außen anzuschauen.

Geboren in Vancouver als Kind einer serbischen Familie, wuchs Gavanski in einem künstlerisch geprägten Umfeld mit einem als Filmproduzent arbeitenden Vater und einer als Malerin aktiven Mutter auf. Obwohl sie schon früh ihre Liebe zum Gesang entdeckte, dauerte es bis zum Abschlussjahr an der Universität von Montreal, bis sie sich wirklich der Musik zuwendete. Im Frühjahr 2017 erschien ihre DIY-EP ´Spring Demos´, und danach ließen begeisterte Kritikerstimmen und ein Deal mit dem britischen Connaisseur-Label Full Time Hobby nicht lange auf sich warten. Kein Wunder also, dass Gavanski für ihr Debütalbum von Anfang an größere Ideen hatte.

„Ich habe viel über Melodien nachgedacht und darüber, wie Melodien und Worte zusammenwirken“, erklärt sie ihre runderneuerte Herangehensweise.

„Daher schätze ich Songs, die in dieser Hinsicht erfinderischer, explorativer und performativer sind, zum Beispiel die Musik von David Bowie, Cate le Bon, Kate Bush oder Aldous Harding. Jetzt, da sich mein Sound ausdehnt und ich mehr über mich erfahre und eine bessere Musikerin werde, fange ich an, Dinge zu hören und zu bedenken, die ich mir vorher nicht vorstellen konnte."

Gleichzeitig betrachtet sie das Liederschreiben inzwischen mehr als Job, als tägliche Routine, und auch das hat sie nach vorn gebracht.

„Ich habe irgendwo gelesen, dass Nick Cave Songwriting wie einen regulären Job behandelt, und das ergab damals wirklich Sinn für mich“, sagt sie. „Es war die Erkenntnis, dass ein Song sich nicht von selbst schreibt. Es braucht viel konsequente Arbeit, um etwas Gutes zu erschaffen.“

Aktuelle EP: ´Wind Songs´ (Full Time Hobby / RTD)


Weitere Infos: danagavanski.com Foto: Tess Roby

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