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FLAWES

Wer das liest wird jung



Es gibt junge Bands, die irgendwie alt wirken, alt wirken wollen oder mit Ende der nächsten Minute plötzlich stark gealtert sind. Auf Flawes aus England trifft das nicht zu. Sie sind jung – so Anfang 20. Innerlich sind sie sogar so jung, dass für sie ein Jahr noch einen riesen Unterschied macht. Richtig – diese Art von jung. Schamlos versprühen sie Optimismus und Energie, noch unwissend darüber, dass sie besser sparsam damit verfahren sollten.

Vielleicht hält ihre elektronische-Pop-Musik aber auch gerade deshalb ein kleines Schlupfloch zur dunklen Seite bereit. Über allen Songs und dem emotionalen Dancefloor-Pathos der Achtziger liegt ein Schleier der Melancholie. Ihr Debüt ´Highlights´ erscheint dieser Tage und bietet tanzen und weinen gleichermaßen. 

Ihr seid aktuell mit AJR auf Tour. Was habt ihr bisher erlebt?

Josh Carruthers (JC, voc): „Wir sind gerade aus Warschau gekommen. Da hatten wir gestern die erste Show der Tour und es war einfach grandios. Die Leute sind so abgegangen! An der Grenze nach Deutschland wurden wir heute zweimal kontrolliert. Sie haben unseren Kram gecheckt und uns am Ende nach Gästelistenplätzen gefragt (lacht).“

Wie würdet ihr eure Musik jemandem bildlich beschreiben, der nicht hören kann?

Freddie Edwards (g): „Ich denke anhand menschlicher Eigenschaften wie sanft, treu, intelligent, nett und lustig.“

Josh Hussey (dr): „So wie Fred!”

Ihr spielt seit 2015 zusammen in der Band. Doch zwei von euch kennen sich schon deutlich länger.

JC: „Huss und ich kennen uns aus der Schule, seit wir elf oder zwölf sind. Heißt es nicht, man müsse sich sieben Jahre kennen, dann bleibt man für immer befreundet? Wie lange kennen wir dich jetzt Freddie? Dreieinhalb Jahre?“

Freddie: „Nein! Nein, nein, nein (protestiert heftig). Es sind viereinhalb Jahre! Fast fünf!“

Huss: „Naja, aber dann stehst du ja immer noch auf der Kippe (lacht).“ 

Was ist eure größte musikalische Inspiration? 

Freddie: „Ich bin Fan von Blues-Gitarristen wie BB King, Stevie Ray Vaughan, Jimi Hendrix. Moderne Pop-Sachen und Country mag ich auch. Es ist wichtig, sich nicht zu limitieren, sondern viele verschiedenen Dinge zu mögen. Meine Basis ist jedoch Blues.“

JC: „Ich mag Pop, Alternative-Pop und Indie und habe mich mit Radiohead und Jeff Buckley großgezogen.“

Huss: „Ich hatte früher Pop, Punk und Rock gehört. Als Drummer habe ich später eine natürliche Anziehung zu Hip Hop und Beats verspürt. Im Studio ist es cool, so viele verschiedene Einflüsse zu haben und Ideen zwischen den Genres hin und her schwingen zu können.“

Welche Band liebt ihr alle?

Freddie: „Es gibt immer nur das: Zwei Jungs sind wirklich begeistert und einer schwimmt zögerlich mit.” 

Huss: “Letztens sind wir alle drei zu einem John Mayer Konzert gegangen. Das war die Nacht, nachdem wir unsere Album-VÖ angekündigt hatten. Wir wollten ein bisschen feiern. Bei John Mayer. Es wurde ein ruhiger Abend.“

Welchen Song hättet ihr gern selbst geschrieben?

JC: „Irgendetwas wie ´Wonderwall´ oder ´Don’t Look Back in Anger´, das wirklich jeden mitreißen kann.“

Freddie: “Für mich wäre es ´Tears in Heaven´ von Eric Clapton. Die Akkordfolge ist unglaublich.”

Wodurch fühlt ihr euch gefangen?

Freddie: „Das Potenzial, dass unsere Band hat, löst bei mir gerade das Gegenteil davon aus. Ich sehe so viele Möglichkeiten, die wir nutzen können... Der Gedanke, in einem normalen 9-to-5-Job arbeiten zu müssen, lässt mich aber klaustrophobisch werden. Ich fürchte mich vor dem Bekannten. In unserem Leben ist kein Tag gleich.“

Welche Gedanken halten euch nachts wach?

Huss: „Wenn ich im Vorfeld dieser Tour nicht schlafen konnte, habe ich an jedes Einzelteil meines Schlagzeugs gedacht. Ich habe gegrübelt, wie ich es besser zusammensetzen konnte und so. Das hat mich ewig wach gehalten.“

Wer ist der beste Tänzer?

JC: „Ich bin eher der Typ, der auf Partys und Hochzeiten nicht in die Nähe der Tanzfläche kommt und dann mit einem Schlag, wenn ich genug getrunken habe, bin ich nicht mehr wegzukriegen. Dann tanze ich mit der Krawatte um den Kopf und zwar die ganze Nacht.“

Wer ist der größte Grübler in der Band?

Freddie: „Wir sind eine sehr optimistische Band. Das braucht man in dem Business auch.“

Huss: „Positiv denken! Ich bin eigentlich ein Life-Coach (lacht).“

Aktuelles Album: Highlights (Red Bull Recs. / Sony) Vö: 31.01.

Foto: Eva Pantel


Februar 2020
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