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BEN WATT

Spiritualität, Tod und Hoffnung

BEN WATT

„Alles erinnert uns an irgendetwas“, erwidert Ben Watt auf die Frage, ob er zustimme, dass einige wenige Passagen auf ´Storm Damage´ latent an die Musik von John Lennon erinnern. Auch sonst erweist sich der Musiker als intelligenter Interviewpartner. „Die wichtigste Information zum neuen Album? Diese Frage darfst du selbst beantworten…“

´Storm Damage´ wird von der Plattenfirma als letzter Teil einer Trilogie bezeichnet, die Watts bisherige Solowerke ´Hendra´ (2014) und ´Fever Dream´ (2016) einschließt, das 1983er Solo-Debut ´North Marine Drive´ jedoch ausklammert.

Watt: „Der einzige Grund, diese Alben nachträglich als Trilogie zu bezeichnen, ist der, eine Verbindung zwischen drei Alben aufzuzeichnen, die allesamt aus verschiedenen Perioden meines Lebens stammen. Aus der Mid-life-Periode. Mit sich auf den Alben teilweise wiederholenden Themen.“

Auch Watt´s Halbbruder, der 2016 verstarb, bzw. seine Halbschwester, die vier Jahre zuvor gestorben ist, haben sich nicht eingemischt, obwohl beide z.B. das neue Werk ´Storm Damage´ beeinflusst haben. Dessen warmer, organischer Sound untermalt Worte, die von Ängsten und Verlusten handeln.

Watt: „Ich weiß nicht, welche Songs die beiden am meisten gemocht hätten. Solange sie gelebt haben, haben wir uns nie über Musik unterhalten. Manchmal kamen sie zu einer Show, fanden anschließend freundliche Worte diesbezüglich. Doch ich weiß nicht wirklich, was sie gemocht, oder was sie nicht gemocht haben.“

Arbeit sei eine einsame Angelegenheit, findet Watt. Familie dagegen bedeute Gemeinschaft. Er mag es, wenn die Familie ihn auffordert, Ideen aus seinem Kopf mit ihnen zu teilen. Vielleicht haben in seine verstorbenen Geschwister posthum dazu angeregt, ein Lied wie ´Retreat To Find´ zu schreiben.

“´Retreat To Find´ handelt von verschiedenen Antworten auf den Tod, von spirituellen Veränderungen, von Angst, von Zorn. Vieles auf dem Album handelt jedoch zudem davon, dass aus der Dunkelheit ein Licht entsteht, dass Hoffnung aufblüht.“

Für einen Song auf ´Storm Damage´ hat sich Watt dennoch Hilfe von außen dazu geholt.

“Alan Sparhawk von Low spielt Gitarre, singt backing vocals zu ´Irene´. Ich kenne ihn seit fünfzehn Jahren, seit 2004, als ich einen Song für Low remixte. Als wir uns kürzlich in Minneapolis trafen, fragte ich ihn, ob er sich an dem Album beteiligen möchte. ´Irene´ handelt von Nostalgie, und davon, wie wir etwas verändern können. In dem Lied ist Irene eine Nachtclubsängerin, die sich entscheidet, fortzugehen, um ihr Leben zu ändern. Einige der Gäste akzeptieren diesen Wunsch, andere trauern den guten alten Zeiten nach…“

Gern antwortet Watt allerdings auf Fragen mit Gegenfragen (s.o.).

“Warum ich im Winter Lieder wie `Summer Ghosts´ veröffentliche? Darf ich jetzt annehmen, meine Album-Themen nach den Jahreszeiten ausrichten zu müssen?“

Fest steht auf jeden Fall schon einmal, dass noch nicht feststeht, was nach ´Storm Damage´ folgt.

“Ich plane nie für die Zukunft“, verrät Watt. „Es kommt einfach, wie es kommt. Dann erst entscheide ich…“

Watt prägte zusammen mit seiner Partnerin und Ehefrau Tracey Thorn in den 80er/90er Jahren als Everything But The Girl eine musikalische Ära. Der größte Hit, ´Missing´, findet sich immer noch auf den Playlists von unzähligen Radiostationen. Thorn veröffentlichte 2018 ein Soloalbum (´Record´), und sie hat gerade ihre Biographie (Arbeitstitel: ´Ein anderer Planet´) abgeschlossen, die am 17.08. in Deutschland bei Heyne Hardcore erscheinen soll. Da stellt sich die Frage, ob beide Ehepartner sich bei ihren individuellen Projekten gegenseitig helfen.

“Ich hatte bei ihrem Buch keinen Input. Ein Großteil von `Storm Damage´ entstand Ende 2018 / Anfang 2019 - auch hier war Tracey nicht involviert. Wie kooperieren nie bei unseren jeweiligen Arbeiten. Wir werkeln stets unabhängig voneinander. Seit den Tagen von Everything But The Girl haben wir nicht mehr gemeinsam an Songs gearbeitet. Wir komponieren stets getrennt voneinander - eine Melodie, Lyrics -, anschließend zeigen wir uns das Ergebnis, um einen Kommentar zu erhalten.“

Aktuelles Album: Storm Damage (Unmade Road / Caroline / Universal) VÖ: 31.01.


Weitere Infos: http://benwatt.com

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