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ANNA DEPENBUSCH

Fest im Sattel

ANNA DEPENBUSCH

Anna Depenbusch möchte keine Zeit verlieren. Nicht, weil sie unter Termindruck steht oder weil ihr die Zeit davonzurennen droht, sondern weil sie mitten in der Produktion zu ihrem neuen Album steckt und schon jetzt so viel davon zu erzählen hat, dass sie nicht damit warten möchte, bis sie im nächsten Jahr damit auf Tour gehen wird. Denn es hat sich einiges weiterentwickelt, seit Anna 2017 und 2018 mit der „farbigen“ und „schwarz weißen“ Solo-Version ihres letzten Albums ´Das Alphabet der Anna Depenbusch´ unterwegs war. Eines hat sich freilich nicht geändert: Dass nämlich Anna nach wie vor am liebsten als Liedermacherin gesehen werden möchte.

„Genau, das neue Album wird nämlich ein klassisches Liedermacher-Album“, führt Anna aus, „das heißt, dass ich musikalisch wieder meine Geschichten erzähle und ich mir auch ein bisschen in dieser schwarz/weißen Tradition treu bleibe. Es gab ja sonst immer ein farbiges Album in Farbe mit Band, Orchester und Gästen und dann gab es das Ganze ja noch ein Mal reduziert. Beim letzten Mal habe ich gemerkt, dass mir live das Reduzierte am meisten Spaß bringt und ich bleibe jetzt auch dabei. Und Liedermacher nenne ich es deswegen, weil ich den Begriff so gerne mag, weil der so schön handwerklich ist und weil ich mich in dieser Tradition sehe - weniger politisch; sondern eher emotional.“

Gibt es denn schon einen Namen fürs Album?

„Die neue Platte wird 'Echtzeit' heißen, das Thema Zeit wird also eine wichtige Rolle spielen“, verrät Anna, „ich bin ganz begeistert von der der Quantenphysik. Inwieweit sich das in meiner Musik niederschlagen wird, weiß ich noch nicht genau. Was ich aber an diesem Thema so spannend finde, ist dass es da keine Eindeutigkeiten gibt, weil man noch nicht so genau weiß, wie alles ist – und das ist schon wieder ein poetischer Moment, der mich inspiriert, weil das die Phantasie anregt.“

Außerdem ist das natürlich auch ein klassisches philosophisches Konzept – also nicht nach Antworten zu suchen, sondern die richtigen Fragen zu stellen.

„Ja, und das passt für mich gut zu Heisenbergs Unschärfe-Relation“, begeistert sich Anna, „man kann es nicht eindeutig sagen, man muss sich annähern, schauen, dass man in Kontakt bleibt, in der Resonanz bleibt und in der Kommunikation. Und das passt politisch gesehen sehr zu unserer Zeit: Nicht den Kontakt abreißen lassen.“

Wie wird die Sache denn aussehen – bzw. eher ja klingen? „Also ich bin ja mitten in der Produktion des Albums – aber die Tour, die im März nächsten Jahres losgehen soll, steht ja schon. Ich denke also bei der Produktion des Albums die ganze Zeit das Publikum mit. Für mich ist die Situation und der Moment mit dem Publikum sehr analog und deswegen mag ich diesen Begriff auch sehr und arbeite in dieser Richtung.“

Dabei geht Anna in dieser Beziehung sogar noch einen gewaltigen Schritt weiter, denn sie entschloss sich bei der Produktion der neuen Songs für den sogenannten „Vinyl-Direktmitschnitt“. Das ist ein Prozess bei dem die Musik direkt und natürlich absolut analog mitgeschnitten und gleich in eine Vinyl-Matrize geritzt wird. Nachträgliche Korrekturen oder Veränderungen sind damit ausgeschlossen. Sehr viel unmittelbarer kann man Musik nicht „aufnehmen“ - und das ist genau in Anna's Sinn.

Pop-Musik im besten Sinne ist Anna's Musik aber dennoch, oder?

„Ich habe das Gefühl, dass ich jetzt in das Alter hineinwachse, in dem ich genau die Musik machen kann, die ich immer schon machen wollte“, erläutert Anna, „ich bin jetzt 41 und habe das Gefühl, dass man mir jetzt auch andere Geschichten als früher abnimmt. Du kannst mit 20 ja nicht über irgendwelche Dinge singen, die Du mit 40 erlebst und besingen kannst.“ Und um diesen Unterschied geht es dann?

„Ja, es geht um eine bestimmte Lebenserfahrung“, bestätigt Anna, „um die Fähigkeit, über bestimmte Sachen reflektieren zu können oder Dinge auch mal in einen Kontext zu stellen. Und da freue ich mich drauf – und da möchte ich mich in diesen Sattel auch richtig reinsetzen.“

Aktuelles Album: Echtzeit (Liedland) VÖ: 28.02.2020

Foto: Steven Haberland

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