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DOWNPILOT

Eine eigene Definition von Erfolg

DOWNPILOT

Da weiß man, was man hat: Auch nach 20 Jahren macht Paul Hiraga alias Downpilot keinen Hehl aus seinem Faible für einen zeitlos schönen Sound zwischen Indie-Pop-Dynamik und Americana-Melancholie. Mit seinem just veröffentlichten achten Album, "Strange Horses", kommt der amerikanische Sänger, Songwriter, Multiinstrumentalist und Produzent Ende Oktober nun auf Deutschland-Tournee und wird zwischen Helmbrechts und Lüneburg an neun Abenden live zu erleben sein.

Einst vertonte der in Seattle lebende Paul Hiraga auf seinem brillanten Debütalbum "Leaving Not Arriving" (2005) ein prägendes Gefühl von Rastlosigkeit. Seitdem blickt er in seinen Werken immer wieder auf die Unausweichlichkeit des Wandels. Auch mit seinem mittlerweile achten Studioalbum für das Hamburger Label Tapete Records, "Strange Horses", führt Hiraga diesen roten Faden fort.

Anstatt sich nach Trends zu richten, zoomt er tiefer in die Details seines bisweilen cineastisch anmutenden Songwritings hinein. Das neue Werk reflektiert die Herausforderungen einer sich rasant verändernden Gegenwart – getragen von akustischer Wärme, analogen Synthesizern und dem Drang, sich künstlerisch ausdrücken zu wollen.

Hinter den eleganten Arrangements verbirgt sich ein zutiefst instinktiver Entstehungsprozess, denn die treibende Kraft hinter Downpilot lässt sich ungern von starren Konzepten einschränken. Vielmehr entsteht seine Musik unbewusst und "freihändig".

"Der Wunsch, etwas aus dem Nichts zu erschaffen, ist ein künstlerischer Instinkt, der ebenso geheimnisvoll und magisch ist. Das ist ein Segen und manchmal auch ein Fluch", gesteht Hiraga im WESTZEIT-Interview. "Es ist unvorhersehbar, wann er auftaucht, und wenn er es tut, kann er mich wirklich völlig vereinnahmen."

Besonders in seiner Jugend bot das Songwriting Hiraga einen emotionalen Schutzraum: "Wenn man jung ist und so sehr von seinen sich entwickelnden Emotionen beherrscht wird und versucht, die Welt zu verstehen, findet man verschiedene Wege, das zu verarbeiten. In meinen frühen Teenagerjahren hatte ich das Gefühl, dass mir das Spielen von Instrumenten und das Singen Halt gaben, und dann wurde mir allmählich klar, dass ich meine eigenen Worte und Musik schreiben konnte, anstatt nur die Lieder von jemand anderem zu singen. Das machte es noch persönlicher."

Doch obwohl Hiraga weiterhin den alten Tugenden verpflichtet ist, unterscheidet sich "Strange Horses" musikalisch doch spürbar vom eher klavierlastigen Vorgänger "The Forecast" (2023). Diesmal treibt wieder die Gitarre die Songs an. Das liegt laut Hiraga auch daran, dass er kurz vor den Aufnahmen eine neue Akustikgitarre erwarb und daran, dass er die emotionale Bandbreite des Instruments schätzt. Auf die Frage, welche Gefühle sich am leichtesten in Musik übersetzen lassen, nennt er eine bunte Palette:

"Angst, Staunen, Traurigkeit, Verwirrung, Frustration, Hoffnung, Humor. Viele davon können gleichzeitig präsent sein. Am schwersten fällt mir dagegen, ein echtes Liebeslied ohne Zweifel oder Zögern zu schreiben."

Apropos Zweifel: Mehr als einmal hat Hiraga in der Vergangenheit daran gedacht, nicht weiter auf Tour zu gehen, doch am Ende kommt es dann doch immer wieder anders, wie die in Kürze anstehenden Deutschland-Termine beweisen.

"Das Live-Spielen liegt mir im Blut, es gibt nichts anderes, das mich so lebendig fühlen lässt", verrät er. "Tapete Records ist schon seit langer Zeit mein Label, daher wird Deutschland für mich immer wichtig sein. Ich habe hier viele Freunde gefunden, die Teil meines Lebens sind und die zu sehen mir wichtig ist. Es ist außerdem in vielerlei Hinsicht viel einfacher, in Europa zu touren als in den USA. Das deutsche Publikum kann so viel besser zuhören als an vielen anderen Orten. Es hat mir anfangs ein wenig Angst gemacht, und ich musste mich erst daran gewöhnen."

Nach acht Alben blickt Hiraga inzwischen ohne wehmütige "Bucket List", sondern mit tiefer Dankbarkeit auf seine Karriere. Der klassische Traum von großem Ruhm und Reichtum ist für ihn ein altes Paradigma. Inspiriert von befreundeten Bands wie den Walkabouts fand er seine eigene Definition von Erfolg: Musik auf einem Label zu veröffentlichen, mit dem er seit Jahren eng verbunden ist, durch Europa zu reisen und eine beständige Karriere zu haben, bei der die Menschen zu den Konzerten erscheinen. Mit "Strange Horses" beweist Downpilot, dass diese Reise noch lange nicht vorbei ist.

Aktuelles Album: Strange Horses (Tapete Records/Indigo)


Weitere Infos: http://www.downpilot.com/ Foto: Ernie Sapiro

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