
Mit ihren geradezu spirituellen Live-Auftritten hat sich die britische Blues-Rock-Formation These Wicked Rivers in der Vergangenheit bereits eine treue Fangemeinde erspielt. Mit ihrem dritten Album "Fire And Folklore" hebt die Band aus Derbyshire ihren detailverliebten Sound nun auf das nächste Level. In Deutschland und BeNeLux ist die Band im Februar des kommenden Jahres zu Gast.
These Wicked Rivers scheuen keine harte Arbeit: Die fünf Musiker aus Derby und Belper haben sich seit ihrer Gründung im Jahr 2014 unaufhaltsam nach oben gearbeitet. Nach dem von der Kritik gefeierten Vorgänger "Force of Nature" legen These Wicked Rivers nun mit "Fire And Folklore" ihr bisher ambitioniertestes Werk vor.Hört man die facettenreichen, tief im Classic Rock verwurzelten Retro-Arrangements der Gruppe, drängt sich die Frage auf, ob die Musiker nicht vielleicht einfach im falschen Jahrzehnt geboren wurden. Keyboarder Rich Wilson gesteht im WESTZEIT-Interview: "Ich bin ein riesiger Fan der Musik aus den 60er und 70er Jahren, und unser Gitarrist Arran Day ebenfalls. Ein riesiger Teil seiner Einflüsse stammt aus dieser Ära, dieser Art des echten Classic Rocks: Jimi Hendrix, Free, Led Zeppelin – und ich bin auch ein großer Fan der Rolling Stones. Ich denke, dass wir diesen Einfluss in uns tragen und versuchen, ihn auf unsere Weise am Leben zu erhalten!"
Sänger und Frontmann John Hartwell bringt hingegen eine ganz andere, modernere Facette in das Songwriting ein: "Was mich betrifft, so stammen die meisten meiner Einflüsse von Bands aus den 90ern wie Pearl Jam oder Alice In Chains, die natürlich auch von den erwähnten 70er-Jahre-Bands beeinflusst waren. Letztendlich habe ich es aber zu sehr geliebt, in den 90ern aufzuwachsen, als dass ich in die 70er zurückgehen wollte."
Genau dieses Spannungsfeld macht den organischen Sound der Briten aus. Rückblickend auf ihre bisherige Reise mit den Alben "Eden" (2020) und "Force of Nature" (2024) schaut die Band mit großem Stolz auf ihre Entwicklung, wenngleich der Weg zu "Fire And Folklore" ein intensiver Reifeprozess war, der den Musikern viel Geduld abverlangte. Auf die größte Lektion aus der Vergangenheit angesprochen, sagt Wilson: "Ich denke, es ging darum, uns Zeit zu nehmen. Wir wollten, dass das Album aus zehn Songs besteht, und ich glaube, wir haben 16 geschrieben. Wir wären damit wahrscheinlich schon glücklich gewesen, weil sie eine gewisse Qualität hatten, aber das Label und unser Management sagten: 'Ihr könnt das besser, ihr müsst euch noch einmal dransetzen und etwas mehr Zeit investieren.' Das kann wehtun zu hören, wenn man viel Zeit damit verbracht hat, sein Herz und seine Seele in seine Kunst zu gießen, und manche Acts könnten das vielleicht in den falschen Hals bekommen. Aber ich denke, wir haben uns dadurch erst recht angetrieben gefühlt. Wir sind zurück in den Proberaum gegangen und haben an weiterem Material gearbeitet. Rückblickend bin ich froh, dass wir das getan haben, denn es ist nun so viel besser als das, was es vorher war!"
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für diese kreative Dichte ist das demokratische Gefüge innerhalb der Band. Wilson hebt die kollektive Dynamik hervor: "Was ich an der Band liebe, ist, dass es mehrere Songwriter in der Band gibt. Die Leute bringen unterschiedliche Ideen, unterschiedliche Strukturen, unterschiedliche Refrains und so weiter ein. Das hält es für mich wirklich frisch und interessant, und es fühlt sich immer so an, als würde man sich damit vorwärtsbewegen."
Aufgenommen in ihrer Heimat, setzte die Band dieses Mal auf geballte Studio-Expertise. Keine Geringeren als die Grammy-prämierten Metal-Produzenten Andy Sneap (u. a. Judas Priest) und Colin Richardson (u. a. Trivium, Slipknot) saßen an den Reglern, um das Maximum aus den neuen Songs herauszuholen.
Das Resultat dieser harten Arbeit ist eine Platte, bei der jeder Track bis zur Perfektion geschliffen wurde. Wilson blickt deshalb dankbar auf die Studiozeit zurück: "Ich denke, wir haben viel Zeit damit verbracht, die Songs zu verfeinern, aber wir haben dieses Mal eben auch mit berühmten Produzenten zusammengearbeitet, was den gesamten Prozess definitiv auf ein neues Niveau gehoben hat. Colin Richardson und Andy Sneap dabei zu haben, und auch Pete Newdeck für den Mix – er hat ein so scharfes Ohr für Details, nur um sicherzustellen, dass alles perfekt passt. Außerdem sind wir mittlerweile auch als Musiker, als Songwriter und als Kollektiv von Menschen erfahrener geworden."
Stilistisch zeigt sich das Quintett auf "Fire And Folklore" offener denn je. Die harten, treibenden Blues-Rock-Wurzeln verschmelzen mit spürbaren Country-Einflüssen und einer kräftigen Dosis Southern Rock – unterstrichen durch ein Gastfeature der britischen Country-Größe Kezia Gill im Song "Sing Another Song". Zudem stechen Balladen hervor, die ganz bewusst minimalistisch gehalten sind.
"Oft ist es die Emotion", sagt Wilson über die Inspiration dahinter. "Die neue Platte steckt voller Emotionen und es fließen auch viele Erfahrungen in die Geschichten der Songs ein. In den letzten paar Jahren sind einige Dinge passiert, die unser Leben wirklich verändert haben, und manchmal möchte man das widerspiegeln und dem Ganzen ein fast melancholisches Gefühl verleihen, weil das repräsentativ für die Texte ist. Wir versuchen nie, etwas zu erzwingen. Was auch immer sich im Proberaum natürlich anfühlt, gibt die Richtung vor."
Lieder wie "Horse To Water", das sich mit den schmerzhaften Facetten der Sucht auseinandersetzt, verdeutlichen diese neue lyrische und musikalische Tiefe.
Trotz des wachsenden Erfolgs, ausverkaufter Tourneen in Europa und Charterfolgen in Großbritannien bleiben die Musiker erfrischend bodenständig. Auf die Frage, was passieren muss, damit das Album für sie ein Erfolg wird, antwortet Hartwell bescheiden: "Ich denke, es geht einfach darum, dass die Leute es genauso gerne hören, wie wir es gerne gemacht haben. Ich glaube nicht, dass man nach mehr Erfolg verlangen kann, als dass die Leute einfach das genießen, was man da rausbringt!"
"Ja, das stimmt", pflichtet Wilson seinem Bandkollegen uneingeschränkt bei. "Das ist das größte Kompliment. Wir schauen nicht darauf und denken: Wir wollen zu bestimmten Festivals eingeladen werden, oder wir wollen vor Publikum einer bestimmten Größe spielen, oder wir wollen so und so viele Alben verkaufen. Wir sind einfach Musiker, die gerne zusammen in einem Raum sitzen, Songs schreiben, sie aufnehmen und sie herausbringen. Wir werden das unabhängig von jeglicher Art von Erfolg, den wir erreichen oder nicht erreichen, weitermachen. Wir müssen die Songs einfach rausbringen, wir müssen diese Musik einfach veröffentlichen!"
Aktuelles Album: Fire And Folklore (Fat Earth Records)
Weitere Infos: https://www.thesewickedrivers.com/ Foto: Rob Blackham

