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FRANCIS OF DELIRIUM

Sinnstiftende Kreativität

FRANCIS OF DELIRIUM

Schon in ihrer Jugend war die in Luxemburg lebende Kanadierin Jana Bahrich hörbar vom Sound der 90er-Jahre fasziniert, trotzdem lässt sie sich bei den Werken ihres Bandprojekts Francis Of Delirium nicht davon abhalten, ihre Musik in immer wieder neuen Settings zu präsentieren. Auf dem nun erscheinenden zweiten Werk erweitert sie ihr Klangspektrum mit einer Fülle an Harmonien und einem breit gefächerten Instrumentarium jenseits des üblichen Indierock-Bestecks. So zeigt sie sich interessiert am Entdecken der Möglichkeiten und erklimmt mit orchestralen Art-Pop-Elementen und indie-poppiger Eingängigkeit neue Höhen.

Ihre Band hob Jana Bahrich vor mehr als zehn Jahren gemeinsam mit ihrem rund 30 Jahre älteren Musiklehrer Chris Hewlett als Drummer, Produzent und Co-Songwriter aus der Taufe, und bei ihren Konzerten – im Oktober sind Francis Of Delirium auch in Deutschland an sechs Abenden live zu erleben – wird sie von Bassist Jeff Hennico und Schlagzeuger Denis Schumacher unterstützt, aber trotzdem macht Bahrich auch heute noch die meisten Dinge selbst, die es braucht, um ihre Musik mit der Welt zu teilen: Songs schreiben, Alben produzieren, bei Videoclips Regie führen und auch die visuelle Gestaltung von Plattencovern und Merchandise – all das liegt in ihrer Hand.

Warum Bahrich an den DIY-Tugenden auch vor dem Hintergrund ihrer expandierenden Band festhält, ist schnell erklärt. Es ist ihre Art, der Verlangsamung der Prozesse zu begegnen, die eintritt, wenn jede Entscheidung erst von einer ganzen Reihe von Instanzen abgesegnet werden muss.

"Ein stärkerer DIY-Ansatz bedeutet für mich mehr Flexibilität", erklärt sie. "Er gibt mir die Möglichkeit, bei Bedarf etwas mehr Zeit zu haben, um etwas zu schaffen, auf das ich stolz bin, und die auch Gelegenheit, eine Idee zu entwickeln und sie in letzter Minute auszuprobieren."

Trotzdem ist es ihr wichtig zu unterstreichen, dass sie im Entstehungsprozess der neuen Platte dennoch Hilfe hatte und nicht alles allein machen musste.

"Ich hatte großartige Unterstützung von einem Mann namens Jesse Simon, der meine gesamte Photoshop-Arbeit in puncto Auflösung und Formatierung überprüft hat und sichergestellt hat, dass sie druckfertig war", verrät sie. "Diese Art von Arbeit macht mir Angst. Ich glaube, ich bin am glücklichsten, wenn ich im Zentrum des kreativen Prozesses stehen kann, Dinge ausprobieren und auch mal Fehler machen darf, aber ich bin mir sicher, dass es irgendwann einfach nicht mehr tragbar ist, sich voll und ganz darauf zu konzentrieren, alles selbst zu machen."

Tatsächlich möchte sich Bahrich in Zukunft auch in musikalischer Hinsicht noch mehr für die Zusammenarbeit mit anderen öffnen.

"Für die neue Platte haben wir den Jazz-Bassist Pol Belardi engagiert, der bei einigen Songs wie 'Requiem For A Dying Day', 'Open Up Your Mouth To Love', 'Higher' und 'Run, Run Pure Beauty' den Bass spielt, und dieser Prozess ist immer sehr kollaborativ und wertet die Songs auf eine Weise auf, wie ich es allein niemals könnte."

Die Beiträge von Belardi auf "Run, Run Pure Beauty" sind allerdings nur die Spitze des Eisbergs. Denn obwohl Bahrich hier den Tugenden ihres LP-Erstlings "Lighthouse" treu bleibt, gibt sie ihren Ideen nun eine deutlich größere Bühne. So bekennt sie sich zwar weiterhin zu ihrer Liebe zum Grunge der 90er-Jahre, rückt im Spannungsfeld von Wucht und Zerbrechlichkeit nun aber auch stärker orchestrale Elemente in den Mittelpunkt und auch (indie-)poppige Eingängigkeit ist inzwischen kein Fremdwort mehr für sie. Doch wie kamen die Veränderungen zustande?

"Manchmal sagen einem die Songs einfach, was sie wollen", ist sie überzeugt. "Ich lasse mich von viel Filmmusik und Kunstmusik bzw. klassischer Musik inspirieren. Howard Shores Filmmusik zu 'Der Herr der Ringe' war für mich ziemlich prägend, ebenso wie das Waldhornspielen und die Musik von Brahms und Mahler in meiner Jugend. Als ich dann Sufjan Stevens entdeckte und sah, wie er orchestrale Klangwelten mit Pop-Songwriting verband, war ich begeistert. Also habe ich einfach versucht, Waldhorn und Streicher nach und nach dort in meine Musik einzubauen, wo es Sinn ergibt und wo die Songs es zulassen."

Textlich gewährt uns Bahrich derweil auch auf der neuen LP, kompromisslos und emotional aufgeladen, Einblicke in ihr (Seelen-)Leben. Ihre neuen Lieder lässt sie um Selbstfindung, Verzweiflung und Durchhaltevermögen kreisen und rückt so Hoffnung und innere Stärke in unsicheren Zeiten in den Fokus.

"Ich glaube, dieses Album wurde zu einer großen Suche nach Sinn. Eine Zeit lang konnte ich dieses Album nicht wirklich einordnen. Es kamen zwar fertige Songideen auf, aber ich konnte bis zum Schluss nicht sagen, wohin das führen sollte. Die Antwort, die ich gefunden habe, lag im Schaffensprozess selbst: Sinn finden durch den Akt des Schaffens."

Aktuelles Album: Run, Run Pure Beauty (Dalliance Recordings)


Weitere Infos: https://www.francisofdelirium.com/ Foto: Shade Cumini

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