
Wie machen die das bloß? Als die legendäre Queercore-Band Team Dresch zum letzten Mal in Deutschland gastierte, war Helmut Kohl noch Bundeskanzler, aber auch sage und schreibe 30 Jahre später begeistert das bahnbrechende Quintett aus Portland, Oregon, bei seiner Rückkehr auf hiesige Bühnen mit einem ungebrochenen Bekenntnis zu alten Werten und einer Performance, die so druckvoll und frisch ist, dass man sich verwundert die Augen reiben möchte. Aufhänger für die Rückkehr nach Europa ist die just erschienene neue LP "Furthermore", doch obwohl eindringliche neue Nummern wie "One Song" oder "Growing Underground" auch in Bremen schmerzlich daran erinnern, dass selbst nach drei Dekaden immer noch vieles auf der Welt im Argen liegt – Stichwort Patriarchat, Rechtskonservativismus, Homophobie –, sind es doch die alten Klassiker der beiden unkaputtbaren 90er-Jahre-Werke "Personal Best" und "Captain My Captain", die – wie schon beim ersten Abstecher der Band in die Hansestadt 1996 – im Mittelpunkt des knackig kurzen 60-Minuten-Auftritts stehen. Vielleicht auch, weil Team Dresch, anders als vielen Riot-Grrrl-Wegbegleiterinnen, die Musik schon immer genauso wichtig wie die Message war, zünden die alten Lieder fernab jeglicher nostalgischen Gefühle genauso wie damals – und treffen zwischen roher Punkrock-Wucht und politischem Gewissen auch heute noch den Nerv des bunt gemischten Publikums. "Fake Fight", "Don‘t Try Suicide" und – ganz zum Schluss – "Fagetarian And Dyke" sind nur drei der Nummern, die im gut besuchten Tower für eine geradezu elektrisierende Stimmung sorgen. Als Publikumswunsch rutscht an diesem Donnerstagabend sogar noch die inzwischen selten gespielte Debütsingle "Hand Grenade" ins Programm! "You guys are fucking incredible", ruft Gitarristin und Sängerin Kaia Wilson danach ob der Welle der Begeisterung, die durch den Saal schwappt. Das Gemeinschaftsgefühl, das Team Dresch schon immer ein Anliegen war, ist dabei geradezu greifbar. Überhaupt ist bisweilen nicht ganz klar, ob jetzt die Menschen auf oder die vor der Bühne glücklicher über diesen Konzertabend sind, und genau das sorgt für das gewisse Etwas. So sagt Bassistin und Sängerin Jody Bleyle nach "Remember Who You Are" sichtlich bewegt: "Ich fühlte mich unglaublich einsam, als ich den Song damals geschrieben habe, und nach all den Jahren jetzt Menschen, die viel jünger sind als ich, dieses Lied mitsingen zu sehen, bringt mich fast zum Weinen." In der Tat hätte man sich die Rückkehr von Team Dresch nach Bremen kaum schöner und emotionaler ausmalen können!
Weitere Infos: https://www.teamdresch.com/

