
Es war mal wieder einer dieser Konzertabende, an denen die Unterteilung in Support und Hauptact der sogenannten Vorband nicht so ganz gerecht wurde. Die Band Acua kann bereits auf zahlreiche Konzerte in Kanada, Japan und Großbritannien zurückblicken und wirkt dadurch fast ein bisschen zu groß, um lediglich ‚Beiwerk‘ zu sein. Ermöglicht wurde diese in jedem Fall sehr reizvolle Bandkombination durch die Tatsache, dass Acua zwei Tage später ein Headline-Konzert in Bremen spielen sollten. Dadurch ließ sich ein Zwischenstopp in Münster perfekt in den Tourplan einbauen, während Culk sich für ihr Konzert in der Acua-Homebase Köln drei Tage später nach einer anderen Begleitung umsehen mussten.
Acua sind seit ihrem aktuellen, dritten Longplayer „Flood My Eyes“ zu einem Quartett angewachsen: Neben Gitarrist und Sänger Patrick Braun, Schlagzeugerin Caroline Prinz und Bassist Igor Franjić ist nun auch Maja Bjeljac festes Mitglied und bereichert den Bandsound mit Synthies und Gesang.Das neue Album hatte auf der Setlist für den Auftritt im Gleis 22 eine stabile Zwei-Drittel-Mehrheit, während der Vorgänger „Is There More Past Or More Future“ lediglich mit „Ghost Train“ und „Orange World“ vertreten war. Für den letzten Song „Fearing And Facing The World“ tauschten Patrick und Caro die Rollen und Instrumente und bewiesen damit eindrucksvoll die Wandlungsfähigkeit dieser Band.
Nach der Umbaupause betraten Culk zu einem Loop aus dem Stück „Weiß nur wer ich nicht bin“ die Bühne. Die Setlist stand an diesem Abend ganz im Zeichen des neuen Albums „Smogstar“ – so auch das Bühnenbild und das Outfit von Sängerin Sophie Löw, deren Oberkörper von einem großen Stern umspannt wurde.
Songs der anderen drei Platten kamen nur vergleichsweise selten und vor allem dort zum Einsatz, wo sie mithelfen konnten, die Geschichte des jüngsten Werkes zu erzählen: So erklärte Sophie etwa, dass „Begierde/Scham“ für die Entwicklung der Band ein besonders wichtiges Stück gewesen sei, während „Flutlicht“ vom Vorgänger „Generation Maximum“, das es an diesem Abend in einer deutlich wuchtigeren Version zu hören gab, den neuen Longplayer durch die Schilderung des Gefühls, sich inmitten von Menschen einsam zu fühlen, gewissermaßen inhaltlich vorbereitet habe.
Das Konzert war lichttechnisch eine sehr schummrige und klangtechnisch eine sehr laute Angelegenheit: Man könnte fast sagen, dass Sophie Löws stimmliches Ankämpfen gegen die sie umgebenden Schlagzeug- und Gitarrenwände das Thema des Albums – die Verlorenheit des Individuums in der Stadt und die Suche nach der eigenen Identität – geradezu perfekt in Szene setzte. Eine etwas ausgewogenere Abmischung hätte diesem ansonsten tollen Konzert trotzdem gutgetan.
Beendet wird der Abend dann durch eine etwas kuriose Situation: Nach „Twenty, Eighteen“ scheinen drei Viertel der Band die Bühne verlassen zu wollen, während Sophie versucht, ihre Mitstreiter mit eindringlichen Blicken genau davon abzuhalten: „Wir haben noch einen Song auf der Setlist, der steht schon die ganze Tour drauf, aber wir haben ihn noch nie gespielt. Heute habe ich aber irgendwie Bock!“, erklärt Sophie dem Publikum das unentschlossene Agieren ihrer Bandkollegen. Nach einer kurzen spontanen Nachhilfestunde, bei der Bassist Jakob Herber Drummer Christoph Kuhn noch einmal schnell die Melodie des nun folgenden Songs vorzusingen scheint, ertönt das vertraute Intro des Sugababes-Hits „Overload“ aus dem Jahr 2000. Diese Coverversion hatte die Band ursprünglich vor zwei Jahren für eine Compilation namens „Death To The 00’s“ aufgenommen. Wer nicht in den Genuss der Live-Darbietung kommen konnte (besonders brilliant: Johannes Blindhofers originalgetreue Umsetzung des Gitarrengewitters am Ende), hat so also wenigstens noch die Chance, sich dieses Schmankerl in einer Studioversion anzuhören. Den Besuch eines Culk-Konzertes ersetzt das freilich nicht im Geringsten.
Fotos: © Achim Fischelmanns
Weitere Infos: https://www.culk.at/

