interviews kunst cartoon konserven liesmich.txt filmriss dvd cruiser live reviews stripshow lottofoon

MARY IN THE JUNKYARD (11.09.2026, Vera, Groningen)

_

Vom ersten Ton an elektrisierend: Das Londoner Art-Rock-Trio Mary In The Junkyard unterstreicht bei seinem Auftritt in Groningen eindrucksvoll, warum es nicht erst seit der Veröffentlichung seines famosen Debütalbums "Role Model Hermit" fraglos zu den aufregendsten Live-Acts des Jahres gehört. Obwohl man ja glauben könnte, dass es in unseren modernen Zeiten alles schon mal gegeben hat, zeigen Clari Freeman-Taylor (Gesang, Gitarre), Saya Barbaglia (Bass, Viola) und David Addison (Drums) bei ihrem One-off-Abstecher ins legendäre Vera – die eigentliche Europa-Tournee findet erst im Oktober statt –, dass es mit ein bisschen Fantasie gar nicht so schwierig ist, sich musikalisch zumindest ein Stück weit von der grauen Masse abzusetzen. Mit "Role Model Hermit" sprengt das Londoner Trio die Grenzen des klassischen Indierock und erschafft eine ganz eigene, magische Klangwelt im Spannungsfeld von intimer Zerbrechlichkeit und unberechenbarer Wucht. Denn obwohl ihr Set-up vergleichsweise minimal ist – ihr bisweilen verblüffend facettenreicher Sound ist alles andere als das. Auf der Bühne entfaltet der Angry Weepy Chaos Rock von Mary In The Junkyard an diesem spätsommerlichen Freitagabend deshalb eine fast beängstigende Dynamik. Die wahre Größe des Trios liegt dabei nicht zuletzt in ihrer unvorhersehbaren Instrumentierung. Mitten im Set wechselt Barbaglia zur Viola, was den ohnehin schon dichten Songs eine melancholische, klassisch-düstere Tiefe verleiht – ein Hauch von Velvet Underground trifft so auf modernen Experimental-Rock. Egal ob das vertrackte "Blood" gleich zu Beginn, das kribbelige "New Muscles" oder die verheißungsvolle neue Single "Jane" – praktisch jeder Song des Sets, das trotz fast 80 Minuten Länge wie im Fluge vergeht, unterstreicht die enorme Reife der jungen Band. Wenn sich Freeman-Taylor und Barbaglia immer wieder freudestrahlend in der Bühnenmitte zum "Duell" treffen, wird zudem deutlich, dass die drei auch noch einen Riesenspaß am eigenen Tun haben. Bei der ungeplanten Zugabe hieven sie deshalb auf Zuruf aus dem Publikum sogar noch das lange nicht gespielte Frühwerk "Midori" ins Programm, bevor dieses bemerkenswerte Gastspiel nach "Ghost" endgültig endet. In Zeiten, in denen immer mehr junge Acts auch bei ihren Konzerten nach glatter Perfektion streben, zeigen Mary In The Junkyard, dass es auch besser geht, und präsentieren sich live roh, hochintelligent und absolut mitreißend.


Weitere Infos: https://www.instagram.com/maryinthejunkyrd


Oktober 2026
CULK & ACUA (18.09.2026 Gleis 22 Münster)
JOHN ROBB, MARK REEDER & GÄSTE - A LIFE WITHOUT PUNK (25.09.2026 Markthalle Hamburg)
MARY IN THE JUNKYARD (11.09.2026, Vera, Groningen)
REEPERBAHN FESTIVAL 2026 (16.-19.09.2026 Hamburg)
TARA CLERKIN TRIO (04.09.2026 Eigelsteintorburg Köln)
TEAM DRESCH (24.09.2026, Tower, Bremen)
‹‹September November››