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RATBOYS, BROCKHOFF (12.05.2026, Aalhaus, Hamburg)

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Schöner kann es gar nicht sein: Als vor einigen Monaten die aktuelle Ratboys-Glanztat "Singin' For An Empty Chair" auf dem WESTZEIT-Olymp thronte, nannten wir das Indierock-Quartett aus Chicago eine der besten Bands ihrer Genration. Dass das nicht geflunkert war, unterstreicht die Band bei ihrem explosiven Auftritt im seit Wochen ausverkauften Aalhaus in Hamburg. In der winzigen Eckkeipe in Altona trennt die Band um Frontfrau Julia Steiner weniger als eine Armlänge vom Publikum, und auch wenn der Sound direkt vor der Bühne natürlich etwas leidet, sind die rohe Live-Energie und pure Leidenschaft, mit der sich die Band in ihr 75-minütiges Set wirft, doch vom ersten Ton an spürbar. Diese Band, da gibt es kein Vertun, ist nach 15 gemeinsamen Jahren so eng zusammengeschweißt und dynamisch wie nie zuvor. Wie auf dem neuen Album ist auch live "Open Up" die Ouvertüre, doch gleich danach steht "Anywhere" auf dem Programm, und der punkige Power-Pop-Ohrwurm hätte sicherlich einen Moshpit ausgelöst, wenn denn Platz dafür gewesen wäre. Auch sonst stehen die Songs des weltweit von der Kritik gefeierten neuen Albums im Mittelpunkt und begeistern auf der Bühne noch mehr als auf der Platte insbesondere durch die hypnotischen, scheinbar endlosen Soli von Leadgitarrist Dave Sagan –ausufernde Songs wie "Light Night Mountain All That" früh am Abend oder "Black Night, WI" ganz zum Schluss fegen wie ein Sturmtief durch das Aalhaus. Die Rhythmusgruppe mit Bassist Sean Neumann und Drummer Marcus Nuccio treibt derweil unerbittlich an und sorgt immer wieder für mitreißende, krachige Crescendos. Dennoch bleibt zwischen den wuchtigen Indie-Rock-Bangern auch Platz für emotionale Tiefe mit mitten aus Steiners Familienleben gegriffenen Songs und ein bisschen Alt-Country-Twang. Der Ratboys-Song für die Ewigkeit, das bittersüße "The Window", wird genauso zu einem echten Gänsehautmoment wie das intime "I Just Want You To Know The Truth", bevor bei alten Heulern wie "Elvis Is In The Freezer" oder "I Go Out At Night" die Melancholie wieder ein Stück weit beiseitegeschoben wird. Das i-Tüpfelchen dieses fabelhaft-unprätentiösen Konzertabends ist die Lokalmatadorin Brockhoff im Vorprogramm, die gemeinsam mit Max Nielsen an der Stromgitarre so locker wie sonst selten Ausblicke auf ihr fabelhaftes Debütalbum "Easy Peeler" gibt, das Anfang Juni endlich, endlich erscheint. Dabei begeistert sie selbst in der eingedampften Duo-Besetzung mit genau der Melange aus unbedingter Hingabe, inhaltlichem Realismus und unaufdringlicher Eingängigkeit, die Phoebe Bridgers schon zu Beginn ihrer Karriere perfektioniert hat und die hierzulande niemand so brillant – und durchaus eigen – für sich adaptiert wie eben Brockhoff.


Weitere Infos: https://www.ratboysband.com/


Juni 2026
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