
deary sind ganz sicher nicht die einzige Band, die derzeit ihre Liebe zu My Bloody Valentine, Slowdive oder Cocteau Twins offen auslebt, doch allein die Tatsache, dass das hoch gehandelte Trio aus London ein bisschen tiefer gräbt als viele Seelenverwandte, verlieh schon dem just veröffentlichten Debütalbum "Birding" eine besondere Note und sorgt nun auch beim allerersten Deutschland-Konzert der live zum Quintett erweiterten Band im Ratinger Hof in Düsseldorf für viele strahlende Gesichter vor der Bühne. Denn während viele andere Acts in der Heldenverehrung für die immer gleichen Lichtgestalten des Shoegaze und Dream-Pop der 80er und 90er verharren, sind deary spürbar breiter aufgestellt und verschmelzen in ihren herrlich effektschwangeren Songs eine Vielzahl unterschiedlicher Einflüsse. Auf der Bühne tauschen deary all das, was im Studio intim und schwebend wirkte, gegen einen spürbar wuchtigen, hypnotisierenden Sound ein, in dem die glasklare, ätherische Stimme von Dottie Cockram mit den hallversetzten Gitarrenwänden von Ben Easton verschmilzt, um dynamisch im Spannungsfeld von fragiler Stille und euphorischen Ausbrüchen zu faszinieren. Das unterstreicht direkt die erste Nummer, "Seabird", eindrucksvoll, die das Publikum zunächst in verträumter Melancholie wiegt, bevor sich zur Hälfte ein gewaltiges Shoegaze-Gewitter entlädt, ddas manche im Saal vermutlich an die goldenen Zeiten des Genres in den 90ern denken lässt. Für viele weitere Songs ist "atmosphärisch" das Zauberwort, aber obwohl deary nur rund 60 Minuten auf der Bühne stehen und keine Zugabe geben wollen, bleibt noch Zeit für Kontrastprogramm. Als Cockram zur Mitte des Sets "Garden Of Eden" praktisch allein spielt, reicht die simple Folk-Magie einer Stimme und einer Akustikgitarre, bevor die Shoegaze-Tugenden und Effektgeräte wieder in den Mittelpunkt rücken und dem Finale mit den ganz besonderen Highlights "Fairground" und "Alfie" nichts mehr im Wege steht. Zwischen Melancholie und Hoffnung finden deary so an diesem Abend mühelos ihren Weg in die Herzen der rheinischen Shoegaze-Gemeinde.
Weitere Infos: https://www.dearyband.com/

