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JULIA CUMMING (18.05.2026, Mikropol, Berlin)

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"Es sieht so aus, als hätte ich in Berlin noch eine Menge Arbeit vor mir, aber das hier ist ein guter Anfang, oder?", ruft Julia Cumming ihrem Publikum im Mikropol am Nollendorfplatz zu und muss lachen. Offensichtlich nimmt die Frontfrau der gefeierten Alternative-Rock-Heroen Sunflower Bean es mit Humor, dass ihr einziges Deutschland-Konzert, eines von nur rund einem halben Dutzend Solo-Shows weltweit, vor einer, nun ja, handverlesenen Schar Zuschauerinnen und Zuschauer stattfindet. Das macht Cumming kurzerhand zum Running Gag des Abends, zum Beispiel, als sie fragt, ob einer der 10.000 im Saal ihrer Bassistin einen Gin Tonic spendieren könnte… Musikalisch konzentriert sich die Amerikanerin gemeinsam mit drei Mitstreiterinnen an Gitarre, Bass und Schlagzeug an diesem Abend voll und ganz auf ihr vor wenigen Wochen erschienenes Debütalbum "Julia". Weil nichts außer allen elf Ohrwürmern der hinreißend schönen LP – "We are gonna play the whole motherfucking thing", erklärt Julia augenzwinkernd gleich zu Beginn – auf der Setlist steht, geht der Auftritt bereits nach ungewöhnlich kurzen 45 Minuten zu Ende, aber darüber würden sich wohl nur die beschweren, die den Unterschied zwischen Quantität und Qualität nicht kennen. Während bei Sunflower Beans Rock-Wucht und verzerrte Riffs im Mittelpunkt stehen, konzentriert sich Cumming als Solistin auf einen warmtönenden, von sanfter Nostalgie umwehten Klangkosmos, bei dem der Weg zum klassischen Songwriter-Pop der 60er- und dem Westcoast-Sound der 70er-Jahre nie weit ist, während sie in der Bühnenmitte, mal am Keyboard, oft aber nur mit dem Mikro in Händen, alle Blicke auf sich zieht. Ist der Uptempo-Opener "Revel In The Knowledge" klanglich noch dezent psychedelisch verschleiert, glänzen die weiteren Songs mit einem oft glasklaren Sound. Im bemerkenswerten "My Life" singt Cumming ungeschönt über Einsamkeit und kommt mit der sanften, sonnendurchfluteten Melodie den Giganten des Brill-Building-Sounds ganz nah. Ein echtes Highlight ist das herrlich melancholische "Please Let Me Remember This", in dem sich Cumming klanglich zwischen The Beach Boys und The Cardigans fragt, warum schlechte Erinnerungen verweilen, während die schönen Momente so schnell verpuffen. Kontrastprogramm bietet hingegen "Emotional Labor", das mit orchestraler Theatralik glänzt, während "Sounds Of A Secret" nicht zuletzt wegen seines auch live beeindruckend makellosen mehrstimmigen Harmoniegesangs in Erinnerung bleibt. Mit "Forget The Rest" geht dann ein feiner Auftritt zu Ende, der fraglos deutlich mehr Publikum verdient gehabt hätte.


Weitere Infos: https://www.juliacumming.com/


Juni 2026
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JULIA CUMMING (18.05.2026, Mikropol, Berlin)
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