
Die jungen Wilden sind da: An diesem Abend sind gleich zwei Bands aus den Niederlanden zu Gast im Bumann & Sohn, die musikalisch keine Gefangenen machen. So liefert schon der Supportact SØWT aus Eindhoven eine fesselnde Show ab, die mit rohem Noise-Rock zwischen sägenden Gitarren und verzerrten Bässen direkt unter die Haut geht. Frontfrau Danielle Warners balanciert perfekt zwischen zerbrechlichen, schönen Melodien und eruptiven, emotionalen Schreien, die das Publikum bisweilen im Stile der alten US-Helden Mission Of Burma in ein Wechselbad aus hypnotischer Post-Punk-Düsternis und purer, unbändiger Energie taucht. Intensiv, wuchtig und kompromisslos sind danach auch Real Farmer, die an diesem Abend ihre ausgiebige "I Will Be Alive"-Europa-Tournee zu ihrem neuen Album "Two Wrongs Don't Make A Right" beginnen. Dass das Quartett aus Groningen gerade live solch eine enorme Kraft entfaltet, liegt nicht zuletzt an seiner Rhythmusgruppe. Leon Harms, einigen vielleicht als Drummer von Personal Trainer bekannt, prügelt wie besessen und bisweilen mit MC5-Vibes auf sein Schlagzeug ein, während Marrit Meinema – ihrerseits Drummerin der letzten Besetzung von Lewsberg – ihren Bass oft als Leadinstrument interpretiert. Jaap van der Veldes Gitarrensound ist dagegen geradezu schlank, doch das betont, wie messerscharf die Riffs sind, die durch den Wall of Noise schneiden. Sänger Jeroen Klootsema dagegen hat eine Hardcore-Vergangenheit und sorgt nun auch bei Real Farmer für ein manisches Chaos à la Iggy Pop, das man sonst so in der Welt des Post-Punk nur ganz selten findet, wenn er schon bei den ersten Songs rastlos umhertigert und mit durchdringender Stimme und gestenreichem Bühnengebaren dafür sorgt, dass diesen Auftritt niemand im Raum so schnell vergessen wird. Bereits beim Opener "Heart Out" peitschen die messerscharfen Riffs und das treibende, fast mechanische Schlagzeug unerbittlich nach vorne. Der Sound ist dreckig, laut und herrlich ungeschliffen und hat in bester DIY-Punk-Manier oft mit einer tiefdüsteren Note, wenn zwischen wütenden Garage-Rock-Ausbrüchen und melancholischen Post-Punk-Passagen authentische, explosive Energie Trumpf ist. Neben den zumeist knackig kurzen Hits ihrer ersten beiden Alben gibt es in Köln auch ein bisschen Zukunftsmusik zu hören, die Real Farmer in Gedanken schon bei ihrer dritten LP zeigt. Unter den neuen Liedern findet sich mit "Western" auch die einzige Nummer, die dem Publikum kurz eine Atempause gönnt, um nach einem verhaltenen Beginn mit Johnny-Cash-Gitarre am Ende doch noch zu explodieren. Nach kaum mehr als 50 Minuten soll das Feuerwerk nach 13 Songs eigentlich schon enden, bevor das kleine, aber nach dieser Energieleistung richtig aufgestachelte Publikum dafür sorgt, dass es noch ein paar Songs – "The Pressure Of Others" von der allerersten EP von 2019 genauso wie das klanglich zweckentfremdete Cover "Gin House Blues" – ungeplant obendrauf gibt. So wird das Konzert auf und vor der Bühne ein schweißtreibendes Erlebnis.
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