
Ihr letztes Album stand ganz im Zeichen von "Change", und auf ihrem aktuellen Werk ist sogar von "A Different Life" die Rede, doch auf ihrer aktuellen Tournee blickt Catharina Schorling alias CATT trotzdem einmal kurz zurück. Statt mit voller Band in rasant größer werdenden Locations macht die derzeit wohl bemerkenswerteste aller deutschen Singer/Songwriterinnen auf ihrer aktuellen Europa-Tournee bewusst einen Schritt zurück. Im Duo mit Gitarrist Birk Buttchereyt kehrt sie in deutlich kleinere, noch dazu bestuhlte Säle zurück, um all das zu betonen, was ihre Songs schon immer besonders gemacht hat: die sagenhafte Intimität, die sanfte Poesie und die musikalische Leichtigkeit. Im bis auf den letzten Platz gefüllten kleinen Café des Zollhauses in Leer vermitteln große altmodische Fenster und ein echter Holzbohlenboden genauso eine heimelige Stimmung wie Sofa und Stehlampe in der Ecke. Es ist das perfekte Ambiente für eine intensive musikalische Reise, zu der CATT ihr andächtig-aufmerksames Publikum zwei Stunden lang mitnimmt. So reduziert, wie man das von Duo-Konzerten anderer Acts kennt, ist der Auftritt indes nicht. Im musikalischen Dialog der zwei spielt Buttchereyt gleich fünf Strom- und Akustikgitarren im Wechsel, und dass CATT selbst immer noch beeindruckender Selbstverständlichkeit zwischen Piano, Akustikgitarre, Trompete, Posaune und verschiedenen Percussioninstrumenten wechselt und bisweilen diese Instrumente auch noch loopt, sorgt bei fröhlichen Uptempo-Songs wie "Jungle Of Abundance" oder "Willow Tree" mehr als einmal für echtes Band-Feeling ohne echte Band. Im Mittelpunkt stehen an diesem Abend dennoch nicht die Sounds, sondern die Songs und die Geschichten dahinter. Es sind Geschichten, die CATT von ihren Ursprüngen im Wendland (in Gedanken) sogar nach New York ("If It's A Blues That's Okay") und bis hinauf zum Mond (ihr allererster Song "Moon" ist immer noch einer ihrer schönsten) führen und – das gilt natürlich ganz besonders für ihren Song für die Ewigkeit, "Curve A Line" – ungemein berührend sind und bleiben. Obwohl es eigentlich ein Konzertabend mit Aufführungscharakter ist, der einer festgelegten Chronologie und darauf abgestimmten Ansagen folgt, darf sich das Publikum bei der Zugabe sogar noch ein Lied – die Wahl fällt auf "No One Ever Tells You" – wünschen, bevor CATT ganz am Ende mit "A Different Life", ihrer Ode an eine bessere Zukunft, den Blick nach vorn richtet. Standing Ovations sind danach der verdiente Dank für ein emotionales Konzerterlebnis mit dem gewissen Etwas.
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