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MADI DIAZ & MAVI LOU (18.02.2026, Mikropol, Berlin)

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Wer schon immer mal wissen wollte, wieso seit der Pandemie kaum noch angesagte US- und UK-Acts in unseren Breiten touren, der fand am 18.02. im Berliner Mikropol-Club eine aussagekräftige Antwort. Madi Diaz gehört in den USA - zwar erst seit ihrem Durchbruchsalbum "History Of A Feeling" von 2021 - zu den angesagten Superstars der Indie-Szene. Die zweifach Grammy nominierte Songwriterin die 2023 als Gitarristin in der Harry Styles Band auch einem Mainstream-Publikum bekannt wurde, füllt in den USA inzwischen größere Hallen, kann es sich leisten auf klassische Promo-Aktivitäten zu verzichten, ihre Freundin Kacey Musgrave als Gaststar auf ihren eigenen Alben zu beschäftigen und veröffentlichte im Oktober letzten Jahres ihr gefeiertes Solo-Akustik-Album "Fatal Optimist". 

Nachdem das zunächst angekündigte Kölner Konzert wegen mangelnder Ticket-Verkäufe bereits abgesagt worden war, fanden sich beim verbleibenden, einzigen Deutschland-Konzert ihrer aktuellen Europa-Tour eine halbe Stunde vor der Show gerade mal 30 Leute im Berliner Mikropol-Club ein. Zwar kamen bis zum Auftritt von Madi Diaz noch ein paar Fans hinzu - aber dennoch dürfte der Zuspruch der (meist englischsprachigen) ZuschauerInnen nicht eben erfüllend für die Künstlerin gewesen sein - die vermutlich so schnell dann auch nicht mehr den Weg nach Deutschland finden wird. 

Sei es drum: Madi Diaz und ihre als Support-Act agierende, französische Kollegin Mavi Lou sind Profis genug, um sich etwaige Enttäuschungen nicht anmerken zu lassen und machten gute Miene zum bösen Spiel, indem sie einen musikalisch ansprechenden und performerisch unterhaltsamen Konzertabend inszenierten. 

Mavi Lou trug ihre fragilen Jazz-Balladen auf einer klassischen Akustik-Gitarre vor - also nicht einfach im Folk-Modus, sondern indem sie ihre Gitarre im klassischen spanischen Stil spielte. Inhaltlich beschäftigt sich Mavi Lou mit den Sorgen und Nöten des Musikerdaseins während sie musikalisch beim jazzig-balladesken Setting blieb, das im spröden Solo-Format dann doch die von den Studioproduktionen bekannten, elektronischen Arrangements vermissen ließ.

Madi Diaz freute sich zunächst ein Mal, bei ihrem ersten Gig in Berlin in einem gut geheizten Club auftreten zu können (denn der 18.02. lag am Tiefpunkt einer Kältewelle, die die Hauptstadt in dieser Woche im Griff hatte). Musikalisch machte Madi Diaz keine Gefangenen und spielte erst mal die Hälfte der Songs des aktuellen Albums "Fatal Optimist" - die ja von Haus aus bereits in optimierten Akustik-Versionen vorliegen und deshalb keiner grundsätzlichen Anpassung bedrften. Daher bestand der Reiz dann nicht in einer überraschenden musikalischen Veränderung, sondern darin, dass die Künstlerin das Material zwar mit konsequent geschlossenen Augen und performerischen Intensität präsentierte, aber mit lockeren Sprüchen und Inside-Geplaudere vergleichsweise leichtfüßig erscheinen ließ. Irgendwann kam die Gute dann auf das Thema "Lone Wolf" - so einer der Titel des neuen Albums - zu sprechen. Irgendwie scheint es ihr der Männertyp des einsamen Wolfes angetan zu haben und sie erklärte im Detail ihre Probleme mit dieser Spezies - auch im Zusammenhang mit weiteren Songs und Anekdötchen zu diesen. 

Erst zur Hälfte der Show kam sie dann auf ältere Tracks wie "Everything", "God Person", "Burn" oder "Resentment" zurück, die sie natürlich auch in ansprechenden Solo-Versionen präsentierte - was dann fast noch interessanter war, als sie mit Band zu hören (da man so als Zuhörer näher am ursprünglichen Song bleibt). Bei diesem Ansatz blieb Madi dann für den Rest der Show. Für die Ballade "Don't Do Me Good" von dem Album "Weird Faith", die Madi ursprünglich als Duett mit Kacy Musgrave angelegt hatte, bat sie dann noch ein Mal Mavi Lou zurück auf die Bühne. Als die Show dann mit "New Person, Old Place" zu Ende ging, hatte man als Zuschauer einen ganz guten Überblick über das Schaffen von Madi Diaz. Für die Fans war die Sache - trotz oder vielleicht sogar wegen der Umstände - eine durchaus angenehme Erfahrung, denn so konnten Sie die Künstlerin ja in einem intimen Rahmen erleben, wie das anderenorts kaum möglich gewesen wäre.

Weitere Infos: https://madidiaz.com




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