
Die Älteren werde sich (vielleicht) erinnern: Sage und schreibe 33 Jahre ist es her, seit The Wedding zum letzten Mal auf der Bühne der Zeche Carl gestanden haben. Damals war die britische Kultband um das unverwüstliche Mastermind David Gedge gerade auf dem Weg ins Guinness Buch der Rekorde, denn zwölf Top-40-Singles in den britischen Charts in einem Jahr, das war zuvor nur einem gewissen Elvis Presley geglückt! Seitdem ist viel passiert, jede Menge Personal kam und ging, eine kleine Verschnaufpause Ende der 90er gab es auch, aber irgendwie sind The Wedding Present dann doch nicht nur unverwechselbar, sondern auch unkaputtbar. 40 Jahre gibt es die Schrammel-Indie-Institution aus Leeds inzwischen und passend zu diesem Jubiläum geht es im Best-of-Set in der Zeche Carl chronologisch rückwärts. Los geht es deshalb gleich mit einem Song aus der wenige Stunden nach der Show offiziell erscheinenden EP "Maxi", dem programmatisch betitelten "Two For The Road", mit dem der Wedding-Present-Vordenker einmal mehr unterstreicht, dass sein untrügliches Gespür für eingängige Melodien ohne Höllentempo vielleicht sogar noch besser zur Geltung kommt. 90 Minuten lang gibt es praktisch aus jedem Studioalbum der letzten 30 Jahre eine Nummer zu hören - herausragend dabei immer noch "Interstate 5", das vielleicht emotionalste und erschütterndste Lied der gesamten Bandkarriere! -, bevor die zweite Hälfte dann den Songs vorbehalten ist, die der Großteil der Menschen in den besten Jahren, die sich im erstaunlich gut besuchten Saal tummeln, aus ihrer Jugend in den späten 80ern und frühen 90ern kennt. Dass zur Songmitte wie ein Düsenjet abhebende "Dalliance" - zugegebenermaßen eine Beschreibung, die an diesem Abend gleich für ein halbes Dutzend Songs zutrifft! - ist genauso dabei wie "Brassneck" und "Kennedy", die es damals sogar via MTV ins Fernsehen geschafft hatten, bevor gleich drei Songs aus dem sagenumwobenen Debüt "George Best" das rasante Finale einläuten. Danach endet es dort, wo vor vier Jahrzehnten alles angefangen hat: in Leeds, mit "Go Out And Get 'Em, Boy!" Soll heißen? Es war ein durch und durch nostalgischer, aber trotzdem fast schon unerwartet mitreißender Abend!
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