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ORANGE BLOSSOM SPECIAL 2026 (22.–24.05.2026, Beverungen)

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Beginnen wir diesen Bericht doch einmal so, als gäbe es ein Morgen: Wir schreiben das Pfingstwochenende 2027, alle „Gartenfreunde Beverungen“ stehen freudestrahlend auf ihrer Lieblingswiese und jubeln der Band Agassi zu, die gerade ihren Auftritt auf der Hauptbühne beendet hat. Zuvor hatte Lener die 29. Ausgabe des Festivals an gleicher Stelle eröffnet und ebenfalls viel Applaus geerntet.

von links o. nach rechts u.: Annie Taylor, Man/Woman/Chainsaw, Agassi, Lener, Grote Geelstaart, Mel D

So oder so ähnlich könnte der Festivalrückblick des nächsten Jahres anfangen, und wenn auch nur ein Bruchteil dieser spontanen Zukunftsvision zuträfe, so wäre das schön, würde es doch zugleich bedeuten, dass dieses wunderbare Festival erneut stattfinden kann – wonach es gerade glücklicherweise aussieht (bitte merkt Euch schon einmal den 14. bis 16. Mai 2027 vor – und den VVK-Start am 1. November 2026!). Das ist allerdings in diesen auch abseits der Musikbranche mehr als herausfordernden Zeiten leider keine Selbstverständlichkeit mehr, und dass man nun auch schon um die liebgewonnenen Konstanten eines jeden Festivalsommers zittern muss, stimmt traurig und nachdenklich. Es ist logisch, dass das Geld heutzutage bei Preissteigerungen in nahezu allen Bereichen alles andere als locker sitzt, aber wer zum Beispiel trotzdem noch immer Flugtickets und Benzin kauft, sollte überlegen, ob es nicht sinnvoll(er) ist, auch (oder stattdessen!) in die „Lebenstankstelle“ zu investieren. Diese treffende Eigenbezeichnung, begleitet von der süßen ‚Wappen-Vampirin‘ Bella Lugobsi, hat sich das Orange Blossom Special in diesem Jahr gegeben, und jede*r, die*der das Festival aus eigener Anschauung kennt, wird verstehen, warum das mindestens genauso gut passte wie etwa das Motto „Herzensangelegenheit“ vor zwei Jahren: Wer einmal hier war, der möchte (und darf auch oft) wiederkommen. Das gilt für Besucher*innen ebenso wie für die Menschen hinter und auf der Bühne.

Die eingangs erwähnten Künstler*innen bespielten in diesem Jahr die Minibühne und dürften dadurch gute Aussichten haben, wenn nicht im nächsten Jahr, so doch bei einer der folgenden OBS-Ausgaben (möge es noch unzählige geben!) den Sprung auf die Hauptbühne zu schaffen. Magdalena „Lena“ Haslberger und ihre beiden Mitstreiter begannen ihr erstes Lener-Set am Freitag mit englischsprachigen Songs wie dem Ohrwurm „Another Life“. Lena verriet, dass sie ihre deutschen Texte lange Zeit als zu direkt empfand, sich irgendwann dann aber (zum Glück!) doch getraut hat, in ihrer Muttersprache zu singen. Beeindruckenderweise erzeugten deutschsprachige Songs wie „Uns hat die Zeit verloren“ eine viel größere Nähe zum Publikum, und so war man am Ende fast ein bisschen beruhigt, als Lena ankündigte, dass ihr erstes Album ausschließlich Songs auf Deutsch enthalten wird – Selbiges galt übrigens auch schon für ihr zweites Set auf der OBS-Minibühne. Neben ihren Eigenkompositionen streuten Lener in ihre beiden Auftritte übrigens auch zwei Coverversionen ein: Element Of Crimes „Delmenhorst“ und Wir sind Heldens „Nur ein Wort“.

Apropos ‚Wir sind Helden‘: Ex-Mitglied Mark Tavassol stattete dem diesjährigen OBS am Sonntag einen Besuch mit seiner neuen Band Agassi ab, die als Merch nicht nur – bereits zwei Wochen vor dem eigentlichen Veröffentlichungstermin – ihr Debütalbum „Arcade Melodies“ dabeihatte, sondern auch – passend zu ihrem schlägerschwingenden Namensgeber – Tennissocken! Musikalisch überzeugte die Band mit einem treibenden Indie-Mix, der ein wenig an Bloc Party oder Two Door Cinema Club erinnerte – auch das dürfte es sicherlich bald noch einmal ‚in groß‘ auf der Hauptbühne zu bestaunen geben.

Den Weg von der kleinen auf die große Bühne haben auch Willow Parlo hinter sich, die das diesjährige Festival mit ihrem melodischen Dream-Indie-Pop eröffnen durften. Dem perfekt mit ihren eigenen Songs harmonierenden Donna Lewis-Cover „I Love You Always Forever“ konnte man sich irgendwie auch dann nicht entziehen, wenn man diesen Song eigentlich gar nicht so gerne mag. Danach gab es mit Bikini Beach erst ordentlich Energie auf der Bühne und Krach auf die Ohren, bevor mit Israel Nash ein Act folgte, der insbesondere die aus den Anfangstagen des Festivals verbliebenen Americana-Fans im Publikum glücklich gemacht haben dürfte. Im Zentrum seines Sets stand das Album „Rain Plans“ von 2013, was sich für OBS-Stammbesucher*innen dann ein bisschen so angefühlt haben muss, als wäre die Zeit stehen geblieben bzw. sehr langsam vergangen, denn Israel Nash hatte dem Festival im Jahr vor dem Release dieses Albums zum ersten Mal einen Besuch abgestattet.

Der erste Besuch von Marlo Grosshardt liegt dagegen nicht einmal annähernd so lange zurück: Nach seinem Debüt im Jahr 2024 vermittelte er dieses Jahr einen Eindruck davon, wie es ungefähr klingen könnte, wenn Faber sich seine pseudo-chauvinistischen (offensichtlich ironisch gedachten, aber leider nicht immer so wirkenden) Ausrutscher verkneifen und sich ganz auf seine (tollen) politischen Songs konzentrieren würde. Grosshardts klare Positionierung gegen braun-blaue Umtriebe passt perfekt zum OBS und sorgte dafür, dass er erneut viele Sympathiepunkte sammeln konnte.

Die letzte Band am Freitagabend bot dann noch ein Konzerterlebnis der ganz besonderen Sorte: Das Sextett Man/Woman/Chainsaw allein wäre schon das Eintrittsgeld für alle drei Tage wert gewesen, so dynamisch und zugleich manisch ging die Band zu Werke. Es war die reinste Freude, den sechs Bandmitgliedern dabei zuzusehen, wie sie miteinander interagierten, sich gegenseitig zu Höchstleistungen an Geige und Gitarre anstachelten und dadurch phasenreiche Songs entstehen ließen, die an Bands wie Arcade Fire, (British) Sea Power oder Sorry erinnern. Der Schreiber dieser Zeilen fühlte sich ein wenig an den ersten OBS-Auftritt von Cash Savage & The Last Drinks erinnert, als er noch während des Konzertes zum Merch-Stand flitzte, um nahezu die gesamte Diskographie der Band zu erwerben (eines ihrer Alben hatten sie damals leider nicht dabei). Dass sich diese Geschichte nicht wiederholte, lag einzig und allein daran, dass „Cannonball“, das Debütalbum von Man/Woman/Chainsaw, erst im August erscheinen wird – und dann wohl ein gewichtiges Wörtchen in sämtlichen Jahresbestenlisten mitzureden haben dürfte.

Am Samstag ging es dann wieder mit einer Band los, die im Vorjahr auf der Minibühne zu sehen war – und daneben in den letzten Jahren wohl auch so ziemlich jeden anderen denkbaren Spielort auf und neben dem Festivalgelände mit ihrer Anwesenheit beglückt hat: Schreng Schreng & La La, Jörkk Mechenbier und Lasse Paulus, haben auf dem OBS laut Eigenaussage schon „an jeder Steckdose“ gespielt und wurden nun endlich auch mal auf die Hauptbühne gelassen („Das ist ja wie vorm Wandgemälde, nur mit Schatten!“), wo sie ihrem Publikum mit Ansagen wie „Wir wollten proben, aber für Beverungen reicht's!“ größte Wertschätzung entgegenbrachten. Songs wie „Du kaputt, ich kaputt“ (mit Simone Sohn als Gastsängerin) rühren auch nach unzähligen Hördurchgängen und Liveaufführungen noch genauso wie beim ersten Mal, und philosophisch wurde es manchmal auch, wenn Jörkk beispielsweise feststellte: „Vieles, was schlecht klingt, ist am Ende vielleicht auch gar nicht mal so gut.“ Zum Schluss des Sets brachte er sich selbst dann noch als Co-Moderator für das OBS ins Spiel – das wäre nicht nur praktisch (er ist ja eh da!), sondern irgendwie auch folgerichtig und zweifellos eine perfekte Ergänzung für das bewährte Team aus Simon Baranowski und ‚Festivalpapa‘ Rembert Stiewe.

Ohne rekonstruieren zu können, ob ich diesen – wie ich finde: perfekt passenden – Spitznamen für Rembert irgendwann mal woanders aufgeschnappt und dann adaptiert habe (vermutlich) oder einfach nur seit Jahren bei mir selbst abschreibe (vielleicht), bringt er in meinen Augen perfekt auf den Punkt, mit welcher Umsicht, Fürsorge und Liebe er bei der Organisation des Festivals jedes Mal in Erscheinung tritt – so wünscht man sich das von Eltern!

Nachhaltigkeit und Rücksichtnahme werden beim OBS traditionell großgeschrieben. Das beginnt bei (vermeintlichen) Kleinigkeiten wie der Tatsache, dass hier überall auf dem Gelände kleine Blechdosen herumhängen (und sogar fleißig genutzt werden!), damit Zigarettenstummel nicht arglos auf dem Boden landen, und endet noch lange nicht dabei, dass die Käufer*innen von Festivalshirts nicht nur für das OBS werben (in Zeiten ohne Maximalauslastung wichtig wie nie, also Augen auf bei der Klamottenwahl!), sondern aufgrund des Schriftzuges im Nackenbereich zugleich immer auch auf Sea Watch e.V. hinweisen, eine Organisation, die sich seit nunmehr über zehn Jahren für die Rettung flüchtender Menschen in Seenot einsetzt. Zudem wurde auch dieses Jahr wieder am letzten Abend des Festivals ein Gemälde mit Unterschriften aller Künstler*innen zu Gunsten von Viva con Agua e.V. versteigert und brachte erneut eine stattliche Summe ein.

Als Beitrag zur Nachhaltigkeit nicht zu unterschätzen ist aber auch das an diesem Festivalwochenende mehrfach umgesetzte ‚musikalische Mehrwegsystem‘, das – Achtung: Kalauer! – selbstverständlich völlig ohne Flaschen auskam. So wirkte etwa OBS-Crewmitglied Kilian Bungert dieses Jahr nicht nur erneut als Gastmusiker bei Schreng Schreng & La La mit, sondern war mit seinem eigenen Projekt Stoic Mind zugleich einer der Walking Acts. Dieses Modell scheint Schule zu machen, denn mit Milena Wagner, einem Drittel der Band animat, war dieses Jahr noch ein weiteres Crewmitglied zugleich Teil des Programms. Komplettiert wurde die Riege der Walking Acts von einem anderen alten Bekannten: Stefan Honig. Der bekam während seiner Auftritte gesangliche Unterstützung von Isa, der Keyboarderin von Kekse & Kakao, die am Samstag neben der Band Schnuppe die Minibühne bespielte und vor allem die jüngsten Festivalbesucher*innen glücklich machte.

Egal, wie gut Du eine Veranstaltung im Vorfeld planst: Am Ende ist dann doch wieder Improvisationstalent gefragt. Nachdem Frazey Ford wegen Stimmproblemen absagen musste, konnten kurzfristig Annie Taylor als Nachrücker verpflichtet werden. Kleiner Haken: Sie mussten am Samstag noch von Zürich nach Beverungen reisen und hatten zu allem Überfluss auf ihrer Fahrt eine Autopanne. Kurzerhand wurde ein Shuttleservice organisiert und so dafür gesorgt, dass die Band doch noch ‚just in time‘ die Hauptbühne betreten konnte. Der Auftritt wirkte dann so, als wolle sich die Band den ganzen Frust über die hindernisreiche Anreise von der Seele spielen und aus den Gliedern schütteln – wer das Konzert (und vor allem den Ausflug der Sängerin Gini Jungi ins Publikum) gesehen hat, weiß: Das dürfte ihnen gelungen sein!

Zuvor hatten am Samstag auf der Hauptbühne schon Landsleute von Annie Taylor begeistert: Worries And Other Plants nahmen das OBS-Publikum zur Mittagszeit mit auf einen einstündigen, entspannt-psychedelischen Trip, nach dem sich niemand mehr gewundert haben dürfte, dass diese Band auch schon beim renommierten Montreux Jazz Festival aufgetreten ist.

Als anschließend die fünf Niederländer von Grote Geelstaart die Bühne enterten, war es mit der Beschaulichkeit dann aber erst einmal vorbei und der Wahnsinn hielt Einzug. Man hatte streckenweise das Gefühl, dass man es hier mit einer Art Black Metal-Version von Sigur Rós zu tun hat (darauf komme ich vermutlich, weil es bei beiden Bands völlig aussichtslos ist, die Texte verstehen zu wollen), es ließen sich aber noch beliebig viele weitere, sich auf den ersten Blick ausschließende Formulierungen finden, um das Unbeschreibliche zu beschreiben. Fest steht jedenfalls, dass es die Band darauf angelegt zu haben scheint, den Gehörschutz förmlich aus den Ohren ihres Publikums herauszuspielen – für Auftritte wie diesen wurde das Adjektiv ‚irrwitzig‘ erfunden! Irgendwie fast ein bisschen erstaunlich, dass es die Musik der Band auch auf Schallplatte fürs heimische Wohnzimmer gibt, auch wenn das vielleicht die einzige halbwegs faire Chance ist, als Zuhörer*in irgendwann auch nur ansatzweise zu durchschauen, was sich die Band mit ihrer Musik gedacht hat. Wahrscheinlich ist das aber aussichtslos, was jedoch durchaus als Qualitätsmerkmal angesehen werden sollte.

Eine Art feministisches Pendant zu Grote Geelstaart gab es dann am Sonntag mit Maria Iskariot zu bestaunen: Wer das OBS verpasst hat, aber eine Idee davon bekommen möchte, wie es bei dieser Band abgeht, der suche doch einmal auf der Videoplattform seines Vertrauens nach Live-Mitschnitten von – zum Beispiel – „Dat vind ik lekker“. Immer wieder spannend zu beobachten ist, wie sich ‚Rampensäue‘ nach ihren Auftritten am Meet & Greet-Stand des Festivals verhalten, der auch dieses Jahr wieder eine bewährte Anlaufstelle für Autogrammjäger*innen und all diejenigen bot, die zwischen zwei Auftritten gerne eine Erdbeere oder etwas Industriezuckernaschwerk zu sich nehmen wollten. Während Grote Geelstaart abseits der Bühne beispielsweise eher wie eine Gruppe schüchterner Konfirmanden wirkten (was allerdings auch ihren Bühnenoutfits geschuldet gewesen sein dürfte), erwiesen sich Maria Iskariot auch am Stand als auf sympathische Weise durchgedrehte Zeitgenoss*innen, die ihren Fans dadurch diverse Schnappschüsse ermöglichten.

Mitunter kommt es am erwähnten Stand auch zu recht kuriosen Situationen: So forderte etwa ein junges Mädchen Jerry Leger und seinen Schlagzeuger Kyle Sullivan dazu auf, den Zungenbrecher „Fischers Fritz fischt frische Fische“ nachzusprechen. Wenn ich es richtig mitbekommen habe, nahmen Suzan Köcher und Julian Müller, die Jerry Leger bei seinem Set am Samstagnachmittag auf der Bühne unterstützten, nachdem sie letztes Jahr bereits mit Suzan Köcher’s Suprafon auf der Hauptbühne gespielt hatten, an diesem spontanen Wettbewerb übrigens nicht teil – auch wenn dieser Satz ja durchaus auch bei Muttersprachler*innen für den einen oder anderen Knoten in der Zunge sorgen kann.

Während die Songs des Kanadiers Jerry Leger, der seinen Nachnamen selbst übrigens französisch ausspricht, so dass er eigentlich eine Handvoll Akzente vertragen könnte, perfekt zur samstäglichen Nachmittagssonne passten, wirkte der anschließend folgende Auftritt von Nils Keppel irgendwie deplatziert, denn die düsteren Songs, die ein wenig an Die Nerven oder Max Riegers Soloprojekt All diese Gewalt denken ließen, hätten deutlich besser in die späten Abendstunden oder wenigstens zu grauem Himmel und Nieselregen gepasst – darauf wartete an diesem Wochenende aber ehrlich gesagt niemand, und falls doch, wartete dieser jemand vergeblich, denn das Wetter war für OBS-Verhältnisse geradezu unfassbar gut.

Als Herrenmagazin 2023 auf dem OBS einen umjubelten Comeback-Auftritt nach langer Live- und Veröffentlichungspause feierten, legte das einen sicherlich nicht unwesentlichen Grundstein dafür, dass die Band inzwischen wieder ganze Touren spielt und 2025 mit „Du hast hier nichts verloren“ ein neues Album vorgelegt hat. Da erschien es nur folgerichtig, dass das Quartett sich dieses Jahr noch einmal auf den Weg nach Beverungen machte. Der geradlinige Indierock von Herrenmagazin und der eher vertrackte Postpunk von Tramhaus, die am Samstag als letzte Band die Hauptbühne betraten, sorgten für einen gelungenen Abschluss des zweiten Festivaltages.

Der Sonntag begann traditionell mit dem Surprise Act: Viele Besucher*innen hatten wohl bis zuletzt auf die wiedervereinten 16 Horsepower gehofft, obwohl Rembert dieses Gerücht zuvor stets vehement dementiert hatte. Richtig an dieser vielgeäußerten Vermutung war allerdings, dass es sich auch bei der tatsächlich verpflichteten Band um ein Comeback der ganz besonderen Sorte handelte: Young Rebel Set kehrten, nachdem sie 2011 schon einmal beim OBS aufgetreten waren und 2019 den Tod ihres Gründers Matthew Chipchase verkraften mussten, mit ihrem neuen Sänger Tom Blackwell nach Beverungen zurück. Neben Songs der im vergangenen Jahr veröffentlichten EP „Sun“ gab es allerdings auch reichlich alte Hits zu hören. Wenn man sich bei einer zuvor nicht angekündigten Band im Publikum umsieht und in lauter strahlende Gesichter (und auf nach all den Jahren noch immer textsichere Münder) blickt, hat man als Booker wohl (wieder einmal) alles richtig gemacht!

Auch die nachfolgenden Acts auf der Hauptbühne wussten zu begeistern: Die Schweizerin Mel D, die bei ihrer Anreise übrigens ebenfalls eine Autopanne hatte, sich davon aber genauso wenig stoppen ließ wie Annie Taylor, sorgte für einen der markantesten Momente des Festivals, als sie das Publikum an einer Stelle ihres Sets zum ‚Freestyle-Pfeifen‘ aufforderte und damit das vermutlich schönste (möglicherweise aber zugleich auch erste) menschengemachte Pseudo-Vogelgezwitscher der OBS-Geschichte erzeugte. Ebenfalls erwähnenswert ist, dass der bekannte Schlagzeuger Arthur Hnatek an diesem Tag zum ersten Mal ein Livekonzert mit Mel D spielte, was angesichts seiner souveränen Performance ohne den entsprechenden Hinweis der Sängerin wohl niemand für möglich gehalten hätte.

Katja Seiffert und ihr Bandprojekt Blush Always feierten anschließend in gewohnt überzeugender Manier den Indierock der Neunziger Jahre, bevor Alela Diane ein perfektes, vielleicht sogar ein wenig zu glattes Country-Folk-Set auf die Bühne brachte. Etwas aus dem Rahmen fiel dann später der Auftritt von Gringo Mayer, der mit seiner Kegelband eine für das OBS ungewohnt volkstümliche (jedoch keineswegs volkstümelnde) Atmosphäre verbreitete, die beim Publikum allerdings trotzdem großen Anklang fand.

Die letzten beiden Bands des Festivals hätten dann unterschiedlicher kaum sein können: Während die Punk-Institution Turbostaat für den letzten (aber keinesfalls einzigen) Moshpit des Wochenendes sorgte, bescherte die schottische Band Wrest dem Festival mit ihrem an Snow Patrol oder die frühen Coldplay erinnernden Sound einen traditionell deutlich ruhigeren, feierlich-melancholischen Abschluss. Zugleich lieferte dieser Auftritt den perfekten Soundtrack für den alljährlich einsetzenden, leider unvermeidbaren OBS-Blues, gegen den kein Drei-Tages-Witz und kein belegtes Brötchen dieser Welt etwas ausrichten können; dagegen hilft allenfalls die Aussicht auf ein Wiedersehen: Bella ciao und bis nächstes Jahr!



Fotos: © Ullrich Maurer
Weitere Infos: https://orangeblossomspecial.de/


Juni 2026
DEARY (23.05.2026, Ratinger Hof, Düsseldorf)
JULIA CUMMING (18.05.2026, Mikropol, Berlin)
LAKECIA BENJAMIN (25.05.2026, Kastellplatz, Moers)
ORANGE BLOSSOM SPECIAL 2026 (22.–24.05.2026, Beverungen)
RATBOYS, BROCKHOFF (12.05.2026, Aalhaus, Hamburg)
REAL FARMER, SØWT (07.05.2026, Bumann & Sohn, Köln)
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