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HERMANN MENSING

Das grüne Kleid

(Elsinor, 196 S., 20,00 Euro)

Mensing ist Jahrgang 1949 und stammt aus dem Münsterland – der Verdacht, dass es sich bei diesem Roman um einen autobiografisch (ein)gefärbten handelt, liegt da nahe. Denn der Held Paul ist selbst ein (Wort)Künstler und scheint seine wilde Jugend in den frühen 70ern im Westphälischen erlebt zu haben. Inkl. Hippie-WG und TrampTouren nach Holland. Oder unbeschwerten Reisen nach Griechenland. Gern mit seiner LebensLiebe Charlotte. Was mich aber übrigens schon da (auf der ägäischen Insel, auf der die beiden stranden) stört, ist die – Verzeihung!, aber für mich typisch 70er-Jahre-westdeutsche-Möchtegernaussteiger – Lösung für die plötzlich eingetretene Geldnot: "EC-Karten gab es noch nicht, es blieb also nichts, als ein Telegramm an die Eltern zu schicken mit der Bitte um eine Anweisung an den Amerikan Express." Der solvente Papa wird’s schon richten! Tat er auch brav, so dass die wilde (Rück)Reise unbeschwert fortgesetzt werden konnte. Später muss Paul denn doch auf eigenen Beinen stehen – zumindest halbwegs, denn er stellt fest: "Paul hat jetzt auch einen Beruf. Einen halben zwar, aber der reichte ihm. Schon ein halber Lehrer ließ seinen Kopf schwirren. Er war verwöhnt vom Luxusleben an Charlottes Seite, das er so geliebt und manchmal verachtet hatte." An anderer Stelle stellt Paul fest, dass ein ihn versorgender Mäzen auch eine feine Sache wäre… egal. Weil: es geht hier nicht (nur) um einen Rückblick auf ein HippieLeben mit Rückversicherung, sondern auch um das sehr ernste Thema Tod. Denn Charlotte ist an Krebs gestorben. Bzw. wird sie das tun - der Text ist in unterschiedlichen Zeitebenen montiert und wechselt durchaus kunstvoll zwischen Damals, Gestern und Heute. Mensing beschreibt Liebe und Lust (Sex spielt eine enorme Rolle für Paul!), aber auch Trauer und Verlust. Das in einer Sprache, die mir etwas zu "literarisch" erscheint, die eher leicht verschwurbelte Kunst als lebensnahe Beschreibung sein möchte. Was per se nicht schlecht ist, aber doch etwas altbacken wirkt. Wenn zu Beginn mal "Kühe in Halbtrauer mit verschissenen Ärschen" erwähnt werden, will Mensing also wahrscheinlich auf Arno Schmidt verweisen (und denkt – anders als ich – nicht an P16D4). Doch wenn ich mit meiner Vermutung zum autobiografischen Hintergrund richtig liegen sollte, ist dieser Text sicher auch eine recht gelungene Form der literarischen Trauerbewältigung. Und insofern – besonders für Leser, die vielleicht emphatischer sind als ich – womöglich auch ein emotionaler (Zu)Gewinn.
Weitere Infos: www.elsinor.de/buch-mensing-k-ieid


September 2026
ANDREW O'HAGAN
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DORA KAPRÁLOVÁ
FRANZISKA ZU REVENTLOW
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