
(Satyr, 408 S., 25,00 Euro)
Das Buch ist in UK schon 2020 erschienen und offenbar traute sich zunächst kein deutscher Verlag an eine Übersetzung (was nicht verwundert, wo doch dtv schon den letzten, 2012 erschienenen Band von Ffordes Thursday-Next-Reihe nicht mehr auf Deutsch herausbrachte). Gut, dass man bei Satyr mehr Mut hatte (und hat) – und wahrscheinlich auch die Lizenz vor diesem Hintergrund erschwinglicher war. Jedenfalls beauftragten die Berliner Miriam Neidhardt und die übertrug die satirische Fabel des Walisers recht gelungen ins Deutsche (ich wurde trotzdem erst bei der Leipziger Buchmesse auf das schon im letzten Herbst erschienene Buch aufmerksam). Fforde wählt einen für Leute, die nur mal schnell die ersten Seiten überfliegen, vielleicht etwas abschreckenden Einstieg, denn das dort beschriebene "Speed Librarying" hat mit dem Rest der Geschichte nur am Rande zu tun (aber Fforde ist eben auch ein großer Büchernarr – s. Thursday Next – er muß vermutlich solche Szenen in seine Bücher einbauen). Es dient im Wesentlichen dazu, die Begegnung des Helden Peter Knox mit der von ihm zu längst vergangenen Uni-Zeiten durchaus angeschmachteten Connie zu inszenieren. Erstaunlicherweise ist Connie aber kein Mensch, sondern eine ca. 1,70 m große Kaninchen-Dame. Die kann – wie sehr viele andere ihrer Spezies – sprechen und denken und fühlen. Und vermutlich auch lieben (mit der für Kaninchen typischen sexuellen Aufgeschlossenheit). Dass es "vermenschte" Kaninchen, aber auch entsprechend mutierte Füchse und Wiesel, gibt, ist einem nicht näher definierten "Ereignis" in den 1960ern zu verdanken (das sich u.a. auch auf einige Meerschweinchen, Bienen und Elefanten entsprechend auswirkte, aber das tut wenig zur Sache) und weil sich die Kaninchen wie eben solche vermehrten, bekommt der brave englische Bürger Angst um sein schönes Land. Wer hier irgendwelche Parallelen zu den tagesaktuellen Entwicklungen, die z.B. in den zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Textes in Nordirland stattfindenden Pogromen kulminieren, sieht, liegt leider nicht ganz verkehrt. Jedenfalls werden die Kaninchen angefeindet und drangsaliert – stets im Namen dessen, was man hierzulande mal "Gesundes Volksempfinden" genannt hat. Fforde strickt daraus eine ziemlich fein gesponnene, immer wieder überraschende, wenn auch hin und wieder die Metapher etwas arg strapazierende, dennoch stets bestens unterhaltende (aber im Kern eben leider auch sehr bittere) Geschichte mit einem selbst für Kenner von Fforde-Twists verblüffenden Ende. Weil der Mann aber mit einer Riesenportion britischen Humors gesegnet ist (herrlich z.B. auch die eingestreuten Fußnoten) lässt einen die Lektüre bei aller Dystopie auch immer wieder schmunzeln. Nein: laut lachen!Weitere Infos: www.shoptyr.de/epages/82748427.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/82748427/Products/9783910775350

