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MARK BLAKE

Pink Floyd – Shine On

(Hannibal, 475 S., 30,00 Euro)

Bevor mich (Post)Punk packte, hatte ich als junger Ost-Teenager eine intensive Pink-Floyd-Phase. Die von Amiga lizensierte "The Dark Side Of The Moon"-Kassette bekam ich zum 13. Geburtstag geschenkt. "The Wall" und "Wish You Were Here" hatte ich mir da schon von irgendwoher überspielt, aber als letztere LP 1983 endlich ihren Weg in den Staatlichen Fachhandel der DDR fand, war es mit meiner Begeisterung schon vorbei (Ideal, DAF und Joy Division hatten übernommen). Erst als Endzwanziger stieg ich wieder ein und bekam nun auch mit, dass ein gewisser Syd Barrett eine seltsam geniale Rolle im Frühwerk gespielt hatte. Zugleich musste ich feststellen, dass alles nach "The Wall" weder an die ganz frühen Platten noch an die aus den 70ern heranreichte. Vom Familienkrach Waters-Gilmour war zu hören, doch das war (und ist) im Grunde Tratsch. Wie auch immer – eine heimliche Liebe blieb die Band aus Cambrigde / London doch. Weshalb ich dieses Buch mit großem Interesse aufschlug, versprach der britische Musikjournalist Blake doch nichts weniger als "Die ganze Geschichte in eigenen Worten". Und damit waren nicht Blakes Worte gemeint, sondern die von Bandmitgliedern, dem kreativen Umfeld und anderen Wegbegleitern. Dabei scheint es Blake bei seinen Recherchen jeweils recht gut gelungen zu sein, eine offene Atmosphäre zu schaffen, denn die statements sind relativ klar, nüchtern und – zumindest bei den jüngeren, von Blake selbst geführten Gesprächen – ohne übermäßige Seitenhiebe an die jeweils "andere" Partei. Das Buch ist dabei chronologisch aufgebaut – was sehr hilfreich ist, denn angesichts der immensen Menge an Fakten, Aussagen und Beitragenden würde man sonst wohl komplett den Überblick verlieren. Wir folgen also den Mittelschichtkids aus Cambridge auf seltsame Konzerte, lernen mit ihnen die bunte Welt der Psychedelika kennen, wabern durch das legendäre UFO, tasten durch die Welt der Akkorde, Harmonien und Geräusche… eine Band wächst heran. Wird groß und größer, schließlich wohl zu groß. Geld fließt in Strömen und doch ist man immer wieder ziemlich kleinlich, wenn es um Songwriting-credits, Gagen und Tantiemen geht. Zu Wort kommen dabei neben allen regulären Bandmitgliedern auch die Leute von Hipgnosis (der (nicht nur) Pink-Floyd-Abteilung für Grafik, Film und Kunst überhaupt) Lichttechniker, Produzenten und Toningenieure (Alan Parsons!), aber auch (Ex)Freundinnen und -Frauen sowie die Schwester des früh in andere MentalWelten entglittenen Syd Barrett. Und etliche Leute mehr – ein jeder trägt mit seinen Erinnerungen (oder tagesaktuellen statements, denn auch zeitgenössische Quellen zitiert Blake ausgiebig) ein kleines Teilchen bei zum großen Mosaik. Und so ist "Shine On" tatsächlich ein hochinteressantes und informatives Buch geworden, das neben Pink Floyd mehr als am Rande auch das Bild einer ganzen Ära (mit ihren politischen, sozialen, wirtschaftlichen und ästhetischen Randbedingungen) nachzeichnet. Auch nette pophistorische Anekdoten finden sich: so "probten" die Sex Pistols 1975 im Hinterhof des Hipgnosis-Studios (Roger Waters wird dazu mit den Worten "Punk? Wann war Punk? Ich habe Punk nicht im Entferntesten mitbekommen." zitiert) und etwa zur selben Zeit half David Gilmour der noch minderjährigen Kate Bush bei deren ersten Demos. Unterhaltsamer und zugleich (pophistorisch) bildender Lesestoff also - …you crazy diamond!
Weitere Infos: www.hannibal-verlag.de/produkt/pink-floyd-shine-on


Juli 2026
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