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ROLAND GRAF

Das geheime Tagebuch des Christoph Kolumbus

(Milena, 268 S., 25,00 Euro)

Weil auf dem Buchcover in die den Dreimaster-Schattenriss überstrahlende Sonne der Hinweis "Achtung: sehr witzig" fest eingedruckt ist, war ich zwar zunächst etwas skeptisch, aber weil die freundliche Dame vom Verlag mir versicherte: "Das Buch ist köstlich.", freute ich mich schon darauf, endlich zu erfahren, was der Indien-Fahrer Kolumbus seinem "offiziellen" Logbuch vorzuenthalten hatte. Denn der österreichische Historiker und Autor Roland Graf hat die "geheime" Version jener Notizen gefunden, die Kolumbus 1492 während seiner Reise über den großen Ozean gemacht hat. Ich las also und wartete darauf, dass es witzig wird. Und las und las – ohne dass es jemals so richtig lustig wurde. Es sei denn, man hat ein gesteigertes Interesse an (meiner Meinung nach hier inflationär und mit einer untersuchungswürdigen Hingabe beschriebenen) PipiKacka-Themen, mehr oder (oft) weniger gelungenen Sprachspielen und durchsichtigen Bezügen zum österreichischen Politikbetrieb (einer der Seefahrer ist z.B. ein etwas schmieriger junger Mann mit streng gekämmtem Pomaden-Haar, der - na? Wie wohl? Genau! – "Kurts" heißt). Kolumbus schreibt jedenfalls tatsächlich vom 14. Juli 1492 bis zum 19. März 1493 jeden Tag seine Gedanken und Gefühle in (s)ein Tagebuch. Und sei es wie am 15. Februar 1493 nur ein Wort: "S___T___U___R___M___". Als er vier Tage später vom portugiesischen Gouverneur der Azoren-Insel Santa Maria festgesetzt wird, muss er allerdings einmal aussetzen und flucht tags drauf deshalb umso heftiger in seine Kladde: "ARSCHLÖCHER!!! Verdammte, verfickte, verblödete, völlig zugeschissene portugiesische Arschlöcher!" Der große wagemutige Entdecker outet sich mit seinen Tagebucheinträgen als naiver und in fast allen Belangen ahnungsloser Feigling, als intriganter Opportunist, sogar als Dieb und Betrüger – dabei aber stets von Selbstbewusstsein strotzend. Solche Typen kennt vermutlich jeder und sie verdienen es durchaus, mal gekonnt vorgeführt zu werden. "Sehr witzig" würde ich allerdings ebenso wenig zu diesem Text sagen wie "köstlich" – aber ich bin auch ein Piefke und kein Österreicher. Vielleicht probiert ihr das Buch deshalb lieber selbst – kann ja sein, dass ihr besser damit klarkommt als ich.
Weitere Infos: www.milena-verlag.at/index.php?item=literatur&show_details=316


Juli 2026
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