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CHRISTOPH LINKS

Verschwundene Verlage

(Ch. Links Verlag, 487 S., 35,00 Euro)

Es war 2009, als Christoph Links sehr akribisch und enorm aufschlußreich "Das Schicksal der DDR-Verlage. Die Privatisierung und ihre Konsequenzen" ausleuchtete. Dabei fiel ihm auf, dass durch die sowjetische Besatzungsmacht schon unmittelbar nach dem Krieg in jenem Teil Deutschlands, der später die DDR werden sollte, rund 200 Buchverlage lizensiert worden waren - in den DDR-Jahren kamen nochmal ein rundes Dutzend hinzu. Davon waren 1989 aber nur noch 78 übrig. Was geschah mit den übrigen 150 Verlagen? Wie und warum sind sie - mehr oder minder still - verschwunden? Diese Frage ließ Links keine Ruhe und nachdem er seinen Verlag altersbedingt an die Aufbau-Gruppe übergeben hatte, wühlte er sich mit noch mehr Zeit und Energie als schon zuvor durch die Archive. Und wurde fündig, denn neben einer einführenden Überblicksdarstellung, in der neben den Arbeitsbedingungen und zivilrechtlichen Voraussetzungen auch die politischen Implikationen und Abhängigkeiten angenehm gestrafft, aber niemals oberflächlich untersucht werden, enthält dieses Buch zu jedem der "verschwundenen Verlage" ein kurzes Porträt und eine Schilderung der Umstände seines Verschwindens. Die Grundmuster sind dabei "Erlöschen der Lizenz" aus Altersgründen oder wegen Tod (die Lizenzen waren perfider Weise personengebunden und nicht vererbbar), Zwangsverschmelzungen auf politischen Druck hin (erklärtes Ziel war, dass es für jedes relevante Themengebiet am besten nur einen einzigen Verlag geben sollte), aber auch Flucht in die Westzonen (zumeist wegen erlittener oder zumindest zu befürchtender Repressalien) und schlichtes (aber angesichts der Umstände oft auch nachvollziehbares) "Aufgeben". Es findet sich aber auch eine beinahe romantaugliche Gaunergeschichte wie die des kurzlebigen "Chery Verlag"s, dessen Gründer ab 1945 mit Modezeitschriften enorme Gewinne einfuhr und auf entsprechend großem Fuß lebte, dabei aber leider vergaß, Steuern und Sozialabgaben zu entrichten. So war die Lizenz schnell wieder weg und die zuständigen Stellen im Ost-Berliner Magistrat warnten ihre Kollegen im französischen und britischen Sektor vor dem Bankrotteur. Es gibt aber auch jede Menge höchst tragischer Entwicklungen, von denen mir die des Schweriner "Petermänken-Verlag"s am nächsten ging. In dem erschien Mecklenburger Heimatliteratur und Belletristik, u.a. vom Mitinhaber Willi Bredel, einem in der DDR recht bekannten Schriftsteller, der auch Präsident der Deutschen Akademie der Künste und Mitglied des SED-Zentralkomitees war. Doch selbst dessen Prominenz konnte nicht verhindern, dass auf staatlichen Wunsch dem durchaus lukrativen Verlag das Ende gemacht wurde (er sollte im volkseigenen Rostocker Hinstorff-Verlag aufgehen). Die dramatische Sitzung, in der die finanziellen Regelungen sehr zu Ungunsten der drei Eigentümer getroffen wurden, endete mit Bredels Herzinfarkt, an dem er schließlich verstarb. Man könnte hier stundenlang weitere (Verlags)Geschichten (nach)erzählen - besser aber, man liest sie in Links' spannendem Buch selbst nach. Denn spannend geschrieben sind die faktenreichen Verlagsbiografien auf jeden Fall.
Weitere Infos: www.aufbau-verlage.de/ch-links-verlag/verschwundene-verlage/978-3-96289-241-8


Juni 2026
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