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RUTH HERZBERG

Frequenzen

(microtext, 209 S., 24,00 Euro)

Man(n) könnte vermuten, dass Ruth Herzberg mit ihren Büchern "Wie man mit einem Mann glücklich wird" (2014) und "Wie man mit einem Mann unglücklich wird" (2021) alle Facetten des Beziehungs-Hin-und-Hers einigermaßen erschöpfend behandelt hat. Das denken jedenfalls die meisten, die – wie ich – nur die Titel dieser Werke kennen, nicht aber ihren Inhalt (zumindest nicht in der für ein ernst zu nehmendes Urteil erforderlichen Tiefe). Wie dem auch sei – "Frequenzen" beschäftigt sich (nochmal?) mit Liebesdingen. Mit Ver- und Entlieben, mit Eifer- und Sehnsucht, mit Lust auf Lust und Lust auf Krawall. All das anhand der Zwischenmenschlichkeiten einer einem Möchtegern-Künstler verfallenen Ü50-Schriftstellerin. Denn auch wenn Eva (so heißt die Autorin – übrigens geborene Ostlerin) in lichten Momenten mehr als genau weiß, dass ihr Adam (so der Name des ambitioniert erfolglosen Kunstschaffenden – nicht ganz Klischee-frei ein Westler) nicht wirklich gut tut: sobald Adam lockt, ist Eva zur Stelle. Selbstachtung hin oder her. Zuweilen kaschiert sie sich die Sache selbst als etwas eher Körperliches ("auf der Galeere" kommt sie durchaus auf ihre Kosten), dann aber packt sie wieder die blanke Eifersucht, weil Adam seiner Ex(?)-Freundin Tina deutlich zu viel Zeit und Aufmerksamkeit widmet. Das könnte nun in banale Weinerlichkeit oder minder interessante Betrachtungen zum Hormonhaushalt nach der Menopause ausarten, ist aber was völlig anderes: nämlich ein sehr lustiges, ernstes, wildes, zärtliches, satirisches, Kunst-kritisches, selbstbewusstes, höriges und vor allem wirklich gut geschriebenes Berichten aus der Zone zwischen Begehren und Vergessen vor der Folie einer Boheme-Existenz im Berlin unserer Zeit. Zum abschließenden Verständlichmachen meiner hilflos aneinander gereihten Worte helfen vielleicht einige Zitate: "Denn Adam und ich verstehen uns gut und wir sind zusammen kreativ und produktiv und lukrativ und wir amortisieren unsere Beziehung und unsere Beziehung wird besser sein als die von meinen oder seinen Eltern oder als unsere Beziehung jetzt gerade oder als unsere vorherigen Beziehungen und sowieso besser als die von allen anderen Leuten." Oder das zweite von "Acht Mantren", die Eva nach einer erneuten Ghosting-Erfahrung für sich aufstellt: "Ich laufe niemandem mehr hinterher. Weil das nicht klappt. Weil das nichts bringt. Weil wen man jagt, der flieht. Ich werde ihn aber deswegen auch nicht extra nicht jagen. / Denn wenn ich ihm nur deswegen nicht hinterherrenne, weil ich ihn kriegen will, dann renne ich ihm ja nur anders hinterher." Und schließlich: "Wenn man sich fragt, ob etwas Kunst ist, ist es keine Kunst. Wenn man sich fragt, ob das Liebe ist, ist es keine Liebe." Ob das hier ein gutes Buch, muß man sich hingegen nicht fragen. Es ist eines.
Weitere Infos: www.mikrotext.de/book/ruth-herzberg-frequenzen-roman


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