
(S. Fischer, 351 S., 14,00 Euro)
Ludwigs in der an sich sehr beschaulichen Stadt Halle an der Saale spielenden Thriller erfreuen sich nicht nur im südlichen Sachsen-Anhalt großer Beliebtheit, einige wurden gar (mehr schlecht als recht) verfilmt. Inzwischen ist er bei Fall Nr. 15 angelangt und der kommt ins Rollen, als der bärbeißige Kommissar Zorn bei der Gassi-Runde mit dem Dackel seines Kollegen Schröder jenem (dem Dackel, nicht Schröder!) eine mit einem augenscheinlich sehr scharfen Gegenstand abgetrennte Hand aus dem Maul ziehen muß. Im Schneegestöber! Nach etwas Hin und Her ist klar, wem die Hand mal gehörte und dass ein aus einem Zorn-spin-off ("Der nette Herr Heinlein und die Leichen im Keller") schon vertrauter ortsansässiger Delikatessenhändler involviert in die Angelegenheit ist. Der ist im Nebenberuf Kopf einer sehr heterogenen Bande von Geldfälschern (oder umgekehrt) und dabei stets darum bemüht, seiner Umgebung eine bildungsbürgerliche Mindestqualität abzuringen. Verschränkt mit im tiefsten Schmerz halluzinierten Berichten des Besitzers besagter Hand aus einem Folterkeller und Beziehungsproblemen mit der von Zorn bisher so vergötterten (und inzwischen zu seiner Ehefrau gewordenen), jetzt aber sehr auf ihre Karriere konzentrierten Oberstaatsanwältin Frieda sowie Zorns allgemeiner Misanthropie (die ihn nicht von gelegentlichen Mitleidsanfällen – z.B. angesichts von Obdachlosen – abhält) entfaltet sich eine natürlich alles andere als realitätsnahe, aber enorm spannende und neben all dem blutigen Horror immer wieder auch komische und hier und da durchaus von moralisch-ethischen Gedanken durchzogene Kriminalgeschichte mit der immer funktionierenden Geheimzutat "Lokalkolorit".Weitere Infos: www.fischerverlage.de/buch/stephan-ludwig-zorn-die-akte-heinlein-9783596710560

